Viertelfinale komplett


Veröffentlicht am 22. Juni 2015

2 Flares 2 Flares ×

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Ecuador, Mexiko, Jamaika und Venezuela ausgeschieden

Das Vorrundengeplänkel bei der Copa América 2015 in Chile ist Geschichte, acht von zwölf Mannschaften befinden sich weiter im Rennen. Lediglich Jamaika dreimal unterlegen und ohne Punktgewinn ausgeschieden – der antillische Inselstaat bei seiner allerersten Turnierteilnahme aber keineswegs chancenlos. Seit 1993 gehören neben den zehn CONMEBOL-Ländern auch zwei nicht-südamerikanische Gastmannschaften zum Starterfeld, Jamaika eine davon. Während das Vorrundenaus für den von der FIFA am 4. Juni auf Weltranglistenplatz 65 geführten Turnierdebütanten allerdings nicht die ganz große Überraschung ist, hatte sich Mexiko als zweiter CONCACAF-Vertreter sicherlich mehr ausgerechnet. „El Tri“ musste nach der abschließenden 1:2-Niederlage gegen Ecuador aber ebenso wie der Gegner aus dem Andenhochland vorzeitig die Koffer packen. Eine Sensation dagegen das Weiterkommen Boliviens, das die schlechteste Weltranglisten-Platzierung (89) aller zwölf Copa-Teilnehmer aufweist und dennoch erstmals seit 1997 wieder den Sprung ins Viertelfinale geschafft hat. Knapp geschlagen geben musste sich Venezuela, das in der letzten Vorrundenpartie Brasilien mit 1:2 unterlag. Durch den Sieg der Seleção schrammten die ebenso hochdekorierten wie bislang enttäuschenden Kolumbianer haarscharf am Super-Gau vorbei und qualifizierten sich gemeinsam mit dem ebenfalls hinter den Erwartungen zurückgefallenen Titelverteidiger Uruguay als Vorrundendritter für die Runde der letzten Acht.

Überhaupt kommt die 44. Auflage der südamerikanischen Kontinentalmeisterschaft bislang ausgesprochen ausgeglichen daher – eine genaue Prognose gerade vor dem anstehenden Viertelfinale nur schwerlich zu treffen. Der Heimvorteil könnte die Chilenen bei der siebten Copa im eigenen Land weit durchs Turnier tragen. „La Roja“ wirkt im wahrsten Sinne des Wortes gut in Schuss, hat mit zehn Turniertoren ebenso oft getroffen wie Argentinien, Brasilien (je vier) und Uruguay (zwei) zusammen. Der erstmalige Gewinn der Copa América das große Ziel der von Jorge Sampaoli trainierten Mannschaft, die vor Jahresfrist im WM-Achtelfinale mit viel Pech an Brasilien scheiterte. Dafür jedoch müssen Arturo Vidal, Alexis Sánchez und Co. einen Haufen böser Geister vertreiben: Viermal schon landete Chile auf Platz zwei. 1955 und 1956, als die Copa noch im Ligasystem ausgespielt wurde, musste man erst Argentinien, dann Uruguay den Vortritt lassen. 1979 gewann Paraguay. Das Finale wurde damals noch in Hin- und Rückspiel ausgetragen – Chile unterlag in Asunción 0:3, gewann in der eigenen Hauptstadt Santiago aber nur 1:0, weshalb ein torloses Unentschieden nach 120 Minuten im dritten Entscheidungsspiel letztlich Paraguay zum Titel genügte. 1987 schließlich unterlagen die tapferen wie glücklosen Chilenen im Finale in Buenos Aires Uruguay mit 0:1. Seither stehen je ein dritter (1991) und vierter Platz (1999) zu Buche, ein weiteres Endspiel aber kam nicht hinzu. Der 4. Juli deshalb fest vorgemerkt.

Fototermin mal anders: Lionel Messi und Deshorn Brown (links).

Fototermin mal anders: Lionel Messi und Deshorn Brown (links).

Hauptkonkurrent nach derzeitigem Stand der Dinge wohl Argentinien. Die Gauchos in ihrer Gruppe minimalistisch unterwegs: Dem unnötigen 2:2-Unentschieden gegen Paraguay folgten zwei glanzlose 1:0-Siege über Uruguay und Jamaika. Alle drei Auftritte des mit voller Kapelle angetretenen Vizeweltmeisters weder überzeugend noch furchteinflößend. Lionel Messi dennoch in aller Munde und bereits kurz vor Vollendung seines 28. Lebensjahres bei 100 Länderspielen angelangt. Die argentinische Bestmarke von 145 Einsätzen für die Albiceleste, aufgestellt von Javier Zanetti zwischen 1994 und 2011, wackelt bedenklich. Sollte Messi von größeren Verletzungen verschont bleiben, wird er sich ziemlich sicher einen weiteren Rekord holen – der jedoch inzwischen einiges an Strahlkraft verloren hat. Einhergehend mit der in den letzten Jahrzehnten sprunghaft angestiegenen Länderspieldichte, ist der Bedeutungsabfall in Bezug auf eine Nominierung für die Nationalmannschaft unverkennbar. Länderspiele haben längst den Status echter Karrierehighlights eingebüßt, sind eher nüchternes Pflichtprogramm, das es oftmals im Schongang abzuspulen gilt. Messis 100 muss daher unbedingt im Rahmen ihres fußballerischen Zeitgeistes betrachtet werden. Die Hausnummer „Länderspiele“ kann nicht länger als wichtigstes Beurteilungskriterium für die Bedeutung und die Größe eines Spielers herangezogen werden. Freilich, bei Lionel Messi erübrigt sich diese Diskussion ohnehin. Der viermalige Weltfußballer ist trotz seiner nur 170 Zentimeter Körperlänge bei der breiten Masse seiner Berufskollegen längst als Größter aller Zeiten akzeptiert, mehr und mehr auch über jeden brasilianischen Zweifel erhaben. Zwar wird sich Messi wohl schon in ein paar Wochen kaum mehr an seine Jubiläumspartie gegen Jamaika erinnern, wohl aber sein Gegenspieler Deshorn Brown, der nach Spielschluss kurzerhand die Gunst des Augenblicks nutzte und noch auf dem Platz ein Selfie mit dem Superstar schoss.

Die anderen beiden Sturmgiganten vom FC Barcelona nunmehr unisono außen vor. Luis Suárez fehlt Uruguay schon seit Turnierbeginn an allen Ecken und Enden, sitzt seine für neun Pflicht-Länderspiele verhängte Sperre aus dem letzten Jahr ab. Ihm gleich tut es für den gesamten weiteren Turnierverlauf jetzt auch Neymar, der nach einer Rangelei mit Carlos Bacca im zweiten Vorrundenmatch für vier Partien aus dem Verkehr gezogen wurde. Selbst bei einer Finalteilnahme der Seleção könnte der Paradiesvogel nicht mehr eingreifen, die Copa América 2015 ist für Neymar gelaufen, der Verband hat das hohe Strafmaß unlängst akzeptiert. Ohne seinen offensiven Feingeist mühte sich das Team von Carlos Dunga zum knappen Erfolg über Venezuela, den Thiago Silva und der Hoffenheimer Roberto Firmino mit ihren Treffern sicherstellten. Man wird sich steigern müssen, um im Viertelfinale das überraschend starke Paraguay – wie Chile und Argentinien noch ungeschlagen – auszuschalten.

Lucas Barrios (hinten) erzielte zwei der bislang vier Tore Paraguays.

Lucas Barrios (hinten) erzielte zwei der bislang vier Tore Paraguays.

Kurzum: Die Spannung bei der Copa spitzt sich allmählich zu. Vier äußerst interessante Viertelfinal-Paarungen stehen in dieser Woche bevor. Keine davon kann von vornherein als eindeutige Angelegenheit abgetan werden. Die Gastgeber sollten sich gegen Uruguay ihrer Sache nicht allzu sicher sein: Óscar Tabárez bringt auch ohne Suárez viel Erfahrung aufs Feld, die Celeste weiß als Rekordsieger des Wettbewerbs zudem nur zu gut, wie man Pokale stemmt. Auch Kolumbien kann an guten Tagen jeden Gegner schlagen, Gerardo Martinos Argentinier sind gewarnt. Das größte Fragezeichen sicher hinter Brasilien, die Mannschaft muss nun zeigen, dass sie auch ohne Neymar bestehen kann. Paraguays Altstars im Sturm, die auch in der Bundesliga bestens bekannten Lucas Barrios und Nelson Valdez, werden etwas dagegen haben. Ein Hauch Bundesliga-Luft schwebt am frühen Freitagmorgen auch über Temuco: Für Peru dürfen Claudio Pizarro, Carlos Zambrano und Jefferson Farfan auf einen Einsatz gegen Bolivien hoffen. Dieses Duell zweier Überraschungsmannschaften gleichsam völlig offen.

Das Viertelfinale bei der Copa América 2015

Chile – Uruguay
(Do., 25. Juni 2015, 1.30 Uhr MESZ)

Bolivien – Peru
(Fr., 26. Juni 2015, 1.30 Uhr MESZ)

Argentinien – Kolumbien
(Sa., 27. Juni 2015, 1.30 Uhr MESZ)

Brasilien – Paraguay
(Sa., 27. Juni 2015, 23.30 Uhr MESZ)

Redaktion Magath & Fußball