Gastgeber schlägt Titelverteidiger


Veröffentlicht am 25. Juni 2015

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Flugstunde mit Viertelfinal-Held Mauricio Isla.

Flugstunde mit Viertelfinal-Held Mauricio Isla.

Chile nach umkämpftem 1:0-Sieg über Uruguay im Halbfinale

Das erste Viertelfinale der Copa América 2015 wurde in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zu jener engen Angelegenheit, die man im Vorfeld erwarten durfte. Zwar dominierte Chile die Partie in der Landeshauptstadt Santiago über weite Strecken und erreichte teils sehr hohe Ballbesitzquoten, Uruguay aber stellte dem Anrennen der Hausherren einen geschlossenen Defensivverbund entgegen, in dem mit Diego Godín und José María Giménez ein Innenverteidigerduo von Atlético Madrid glänzend Regie führte. Begünstigt durch den Platzverweis von Edinson Cavani nach wenig mehr als einer Stunde, kam „La Roja“ in der Endphase der Begegnung jedoch zusehends stärker auf und belohnte sich nach 81 Minuten mit dem verdienten Siegtreffer. Abwehrmann Mauricio Isla, in der vergangenen Saison von Juventus Turin an die Queens Park Rangers verliehen, bezwang Fernando Muslera im Kasten der Celeste mit einem satten Schuss von der Strafraumkante.

Während der Titelverteidiger anno 2015 zu keiner Zeit des Turniers an seine Form von vor vier Jahren in Argentinien heranreichen konnte und sich ohne Luis Suárez einigermaßen sang- und klanglos verabschiedete, lebt in ganz Chile der Traum vom ersten Copa-Triumph der Republikgeschichte. Vor den Augen von Staatspräsidentin Michelle Bachelet erreichte ein chilenisches Team zum ersten Mal seit 1999 wieder das Halbfinale. Längst hat die Euphorie-Welle dabei das ganze Land im Südwesten Südamerikas erfasst – in Zeiten politischer Wirrungen und ökonomischer Ungewissheiten kommt die Erfolgsgeschichte der Nationalmannschaft dem chilenischen Volk gerade recht. Vieles spricht nun dafür, dass auch die letzte Hürde vor dem großen Finale in der Hauptstadt am 4. Juli genommen wird. Gespickt mit zahlreichen Stars aus den europäischen Topligen, gilt die aktuelle Mannschaft des Argentiniers Jorge Sampaoli nicht umsonst als beste chilenische Auswahl aller Zeiten. Die Voraussetzungen für den ganz großen Wurf könnten besser kaum sein, vor dem Halbfinale jedenfalls – Chile trifft Anfang der kommenden Woche entweder auf Peru oder Bolivien – muss niemandem bange sein.

Auf deutsche Fans südamerikanischen Ballzaubers wartet dann einmal mehr eine lange Nacht, Anstoß der ersten Halbfinalpartie ist am frühen Dienstagmorgen um 1.30 Uhr. Weniger die Uhrzeit als vielmehr die Tatsache, dass Livebilder wohl wieder nur über einen Internet-Stream bezogen werden können, bereitet Kopfschmerzen. Der hierzulande vorherrschende Übertragungsnotstand bei der Copa wird einem der bedeutendsten Kontinentalwettbewerbe des Fußballs in keinster Weise gerecht. Dass der Fokus der hiesigen TV-Berichterstattung dieser Tage eher auf die U21-Europameisterschaft in Tschechien und die Frauen-WM in Kanada gerichtet ist, erscheint aufgrund deutscher Beteiligung sogar nachvollziehbar. Weshalb jedoch keine einzige Liveminute der Copa América 2015 über die deutschen Bildgeräte flimmert, bleibt das Geheimnis der Sendeanstalten und ist für viele Fußballinteressierte eine herbe Enttäuschung.

Redaktion Magath & Fußball