Peru folgt Chile


Veröffentlicht am 26. Juni 2015

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Ex-Bundesliga-Angreifer Paolo Guerrero mit Dreierpack

Bereits zum zweiten Mal nacheinander steht Peru im Halbfinale der Copa América. In Temuco bezwang die Mannschaft von Trainer Ricardo Gareca den Nachbar Bolivien souverän mit 3:1 (2:0) und trifft in der kommenden Woche nun auf Gastgeber Chile. Zum Matchwinner aufseiten der Peruaner schwang sich einer auf, den man hierzulande nur allzu gut kennt: Paolo Guerrero, von 2002 bis 2006 in Diensten des FC Bayern und anschließend bis 2012 im HSV-Trikot unterwegs, brachte es seinerzeit in 161 Bundesliga-Partien auf 47 Tore und 24 Vorlagen. Inzwischen bei Flamengo Rio de Janeiro unter Vertrag, erzielte Guerrero in der Nacht von Donnerstag auf Freitag alle drei Treffer für die Selección und katapultierte sich praktisch aus dem Nichts an die Spitze der Copa-Torjägerliste. Für Bolivien, das durch Martins Moreno immerhin noch zum Ehrentreffer gelangte, war allein schon die Teilnahme an der KO-Runde ein großer Erfolg. Immerhin gelang der von Mauricio Soria gecoachten Auswahl bei der diesjährigen Auflage der südamerikanischen Kontinentalmeisterschaft durch den 3:2-Erfolg über Ecuador zum ersten Mal seit 1997 wieder ein Sieg. Während „La Verde“ vor 18 Jahren mit dem Heimvorteil im Rücken erst im Finale an Brasilien scheiterte, war diesmal gegen starke Peruaner jedoch im Viertelfinale Endstation.

Der zweifache Copa América Gewinner dabei spielerisch durchaus beeindruckend und überhaupt im bisherigen Turnierverlauf weit besser, als es sein gegenwärtiger Weltranglistenplatz 61 vermuten ließe. Ein großer Anteil am Höhenflug der „Rojiblanca“ muss zweifellos dem 57-jährigen Ricardo Gareca zugeschrieben werden. Der aus Tapiales in Argentinien stammende Übungsleiter übernahm das Amt des peruanischen Cheftrainers erst im Februar von seinem Vorgänger Pablo Bengoechea – zu dieser Zeit hatte das Team gerade sechs der letzten acht Partien gegen Kontrahenten aus Südamerika verloren. Die Bilanz seiner ersten sechs Länderspiele liest sich inzwischen dennoch respektabel und ausgeglichen: Ging Garecas Premiere im März gegen Venezuela noch mit 0:1 verloren, durfte das 1:1 gegen Mexiko Anfang Juni bereits als Achtungserfolg gewertet werden. Äußerst unglücklich nur – durch ein Tor von Douglas Costa in der Nachspielzeit – verlor Peru seine Auftaktpartie bei der Copa América gegen Brasilien mit 1:2. Seither gab es ein 1:0 über Venezuela, ein torloses Unentschieden gegen Kolumbien und nun eben den deutlichen 3:1-Sieg über Bolivien.

Ricardo Gareca führte Peru überraschend ins Halbfinale.

Ricardo Gareca führte Peru überraschend ins Halbfinale.

Ricardo Gareca, als Spieler unter anderem für die Boca Juniors und River Plate im Einsatz, später mit 20 Länderspielen und fünf Toren für sein Heimatland Argentinien, setzt in Chile auch auf drei Bundesliga-Kräfte. Carlos Zambrano von Eintracht Frankfurt, Jefferson Farfán vom FC Schalke 04 und Altmeister Claudio Pizarro, zuletzt beim FC Bayern, standen gegen Bolivien allesamt in der Anfangsformation. Während Pizarro die mit Abstand größte internationale Erfahrung mitbringt, inzwischen auf über 80 Länderspiele kommt und Peru deshalb folgerichtig als Kapitän aufs Feld führt, entpuppten sich zwei weitere, für viele überraschende Nominierungen Garecas als echte Glücksgriffe. Christian Cueva und Joel Sánchez sorgten in der Offensive bisher für reichlich Belebung. Insbesondere Sánchez, im Oktober 2012 nach positiver Dopingprobe für zwei Jahre gesperrt, hatten im Vorfeld nur die Wenigsten auf der Rechnung, bei Cueva überschatteten in der Vergangenheit immer wieder große Leistungsschwankungen das vorhandene Talent. Natürlich erntete der neue Coach für beide Berufungen zunächst viel Kritik – der Erfolg aber gibt ihm Recht.

2011 scheiterte Peru im Halbfinale am späteren Turniersieger Uruguay, gewann anschließend das Spiel um Platz 3 gegen Venezuela deutlich mit 4:1. Auch damals traf Guerrero dreifach. Nun, vier Jahre später, soll im Halbfinale gegen Chile (Dienstag, 30. Juni, 1.30 Uhr MESZ) der Finaleinzug gelingen. Zwar scheint die Favoritenrolle klar verteilt, chancenlos aber ist Peru nicht.

Redaktion Magath & Fußball

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