Totgesagte leben länger


Veröffentlicht am 26. Juni 2015

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FIFA-Präsident Sepp Blatter mit Heimspiel in Zürich

Den Monat Juni über scheute Joseph S. Blatter auffällig das Licht der Öffentlichkeit. Im Züricher Schützenhaus Albisgütli sprang er nun aus Anlass des Richtfestes für das von ihm initiierte FIFA Museum unter Leute, Bauarbeiter und Architekten, natürlich ans Rednerpult. Junge wie Alte im Saal und vor der Tür wollten erst mal ein Selfie mit Sepp, die fröhliche Begeisterung kannte für Schweizer Verhältnisse kaum eine Grenze. Der FIFA Präsident wirkte als wäre er unmittelbar einem Jungbrunnen entstiegen und zeigte sich bester Laune.

Der Publizist Frank A. Meyer, ein Schweizer Landsmann von Blatter hat in der aktuellen Ausgabe des Cicero gerade die letzten Monate und Jahre des Wirkens von Sepp Blatter und dessen Organisation zusammengefasst: “Sepps Fifa ist ein Sumpf von Korruption – von gelenkten Wahlen und Abstimmungen, von gigantischen Geldflüssen, von obskuren WM-Vergaben, von der Verwandlung eines Sportverbandes zum Skandalverband.“ So etwas ficht den Herren des Fußballs weiterhin nicht an. Dieser zitierte lieber wie ein alter Genosse den Urvater der Sozialdemokratie August Bebel: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten“ und fabulierte über Pablo Picasso, ließ seine Zuhörer wissen: „Auch für mich persönlich ist das Museum eine Herzensangelegenheit. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Ich bin weder reif für das Museum noch fürs Wachsfigurenkabinett!“ Applaus auf offener Szene. Der FIFA-Herrscher in seinem Element. Die Laune im Saal blieb bestens, der Abschlussapplaus dann donnernd. Blatter jubelte den Leuten am Ende zu wie einst Muhammad Ali beim Sieg über Sonny Liston. Er war zufrieden mit sich. Der Auftritt hat das Ereignis zu seinem Tag gemacht. Die Botschaft war klar, mit ihm ist weiter zu rechnen. Da am Horizont des Fußballuniversums immer noch kein seriöser Nachfolgekandidat gefunden der Blatter die Stirn bietet, die FIFA einer Selbstreinigung wenig abgewinnen kann, die UEFA als zahnloser Tiger daherkommt, ist die gute Laune von Sepp Blatter nachvollziehbar. Nach seinem nebulösen Redebeitrag diktierte er der Schweizer Tageszeitung Blick noch flott etwas in die Blöcke: „Ich bin nicht zurückgetreten, sondern stelle mein Mandat an einem außerordentlichen Kongress zur Verfügung.“ Die Zeitung Blick erscheint im Ringier-Verlag, dort wo auch Frank A. Meyer seit 40 Jahren seinem Handwerk nachgeht. So lange ist auch Sepp Blatter schon bei der FIFA.

Redaktion Magath & Fußball