Argentinien gewinnt Elfer-Krimi


Veröffentlicht am 27. Juni 2015

1 Flares 1 Flares ×

imago20258385m_c

Lange kein Vorbeikommen an Kolumbiens David Ospina

Anders als es das Endresultat von 5:4 nach Elfmeterschießen vermuten lässt, war das Viertelfinale zwischen Argentinien und Kolumbien in Viña del Mar, der mit knapp 300.000 Einwohnern viertgrößten Stadt Chiles, die meiste Zeit über eine einseitige Angelegenheit. Der Vizeweltmeister dominierte das Geschehen, das im Vorfeld der Copa hoch gehandelte Team von José Pekerman konnte dem Anrennen der Gauchos offensiv wenig bis nichts entgegensetzen. Dennoch retteten sich die Cafeteros über die Spielzeit, was freilich in erster Linie der großartigen Tagesform von Schlussmann David Ospina zu verdanken war. Dass es Kolumbien überhaupt bis ins Elfmeterschießen brachte – mit Ausnahme des Endspiels gibt es bei der Copa América keine Verlängerung – kam einem mittleren Fußballwunder gleich. Vom Strafstoßpunkt aus versagten jedoch gleich drei kolumbianischen Schützen die Nerven – Luis Muriel, Juan Zúñiga und schließlich Jeison Murillo brachten das Leder allesamt nicht im Tor unter. Nachdem Lucas Biglia und Marcos Rojo auf argentinischer Seite ihre Matchbälle noch ausgelassen hatten, donnerte Carlos Tévez den 14. und entscheidenden Elfmeter des Abends humorlos unter die Latte. Argentinien damit der dritte Halbfinalist, Kolumbien ausgeschieden. Die Enttäuschung insbesondere bei David Ospina riesengroß.

Der Arsenal-Keeper – möglicherweise zusätzlich motiviert durch die sich bei den Gunners abzeichnende Verpflichtung von Petr Čech – war aus dem Spiel heraus für die gerade im Angriff hochkarätig besetzte Albiceleste einfach nicht zu bezwingen gewesen. Mit seinen Reaktionen hatte der aus der kolumbianischen Millionenmetropole Medellín stammende Torhüter Gerardo Martinos Angreifer ein ums andere Mal an den Rand der Verzweiflung gebracht. Eine echte Sternstunde erlebte Ospina nach 25 Minuten, als er mit einer fantastischen Doppel-Parade gegen Sergio Agüero und Lionel Messi die sichere argentinische Führung vereitelte. Beinahe ebenso spektakulär die Rettungstat des 26-Jährigen zehn Minuten vor dem Ende der Partie, als er einen Schuss von Nicolás Otamendi gerade noch an den Pfosten lenkte. Letztlich aber nützten die Heldentaten Ospinas wenig – Kolumbien musste wie schon vor vier Jahren im Viertelfinale der Copa América die Segel streichen.

Der Titelträger aus dem Jahr 2001 blieb in Chile vieles schuldig und präsentierte sich anders als vor einem Jahr bei der WM in Brasilien nicht gerade von seiner Schokoladenseite. Ein einziges Törchen in vier Begegnungen, erzielt von Innenverteidiger Murillo beim 1:0-Vorrundensieg über Brasilien, sind nicht viel mehr als ein Armutszeugnis für den derzeitigen Weltranglisten-Vierten. Insbesondere die Verfassung von Superstar Radamel Falcao gibt weiterhin Rätsel auf – gegen Argentinien kam der einstige Weltklassestürmer, der dem Vernehmen nach kurz vor einem Engagement bei José Mourinho in London steht, erst nach 74 Minuten für Jackson Martínez aufs Feld. Martínez selbst blieb im Turnierverlauf ebenso wirkungslos wie Real Madrids Dribbelkünstler James Rodríguez. Der von halb Europa umworbene Carlos Bacca fiel einzig durch sein folgenschweres Tête-à-Tête mit Neymar auf, das ihm den roten Karton und eine Sperre einbrachte. So drängt sich unweigerlich der Eindruck auf, als hätten die Kolumbianer bei der Copa 2015 über den anhaltenden Millionenpoker auf Clubebene hinweg das Fußballspielen im Nationaltrikot vergessen.

Zwar zaubert auch Argentinien bislang nicht gerade die Sterne vom Himmel, immerhin aber erreichte der 14-fache Südamerika-Meister verdientermaßen das Halbfinale. In Concepción könnte es Mitte der kommenden Woche nun zum Klassiker gegen Brasilien kommen, die Seleção heute Nacht gegen Paraguay gefordert. Unabhängig vom Ausgang der letzten Viertelfinal-Begegnung bleibt Argentinien der Favorit auf den Finaleinzug: Erstmals seit 1993 soll wieder der Titel her.

Redaktion Magath & Fußball