Chile im Finale


Veröffentlicht am 30. Juni 2015

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Charles Aránguiz und Torschütze Eduardo Vargas bejubeln die chilenische Führung.

Charles Aránguiz und Torschütze Eduardo Vargas bejubeln die chilenische Führung.

Vargas-Doppelpack und der nächste heftig umstrittene Platzverweis

Der Gastgeber hat es geschafft! Durch einen 2:1-Erfolg über Peru erreichten die Chilenen in der Nacht von Montag auf Dienstag im Nationalstadion der Hauptstadt Santiago de Chile das Endspiel der Copa América 2015 im eigenen Land. Matchwinner für das Team von Jorge Sampaoli dabei ein Mann vom SSC Neapel: Eduardo Vargas sicherte La Roja mit seinen Turniertoren drei und vier den dritten Finaleinzug nach 1979 und 1987. Wie schon im Viertelfinale gegen Uruguay, als der brasilianische Schiedsrichter Sandro Meira Ricci den Topstar der Urus Edinson Cavani nach fragwürdiger Einlage des inzwischen nachträglich gesperrten Mainzers Gonzalo Jara des Feldes verwies, stand auch im Halbfinale der Unparteiische besonders im Blickpunkt. Mitte der ersten Halbzeit schon schickte José Ramón Argote Vega aus Venezuela den peruanischen Innenverteidiger Carlos Zambrano mit Rot vom Platz und brachte die Hausherren damit unweigerlich auf die Siegerstraße.

Es lief die 21. Spielminute, als der Mann von Eintracht Frankfurt einigermaßen unnötig in einen Zweikampf mit Gegenspieler Charles Aránguiz sprang. Zambrano, der sich in Diensten von Eintracht Frankfurt auch in der Bundesliga für seine oftmals überharte Gangart einen zweifelhaften Namen gemacht hat, konnte den Ball zwar klären, flog dem Chilenen jedoch mit offener Sohle in den Rücken. Ob unabsichtlich oder nicht, das Einsteigen des Peruaners im Stile eines Inka-Kriegers natürlich absolut überflüssig. Der venezolanische Referee jedenfalls unterstellte Vorsatz und zeigte Zambrano den roten Karton – eine zweifellos harte aber vertretbare Entscheidung.

Bis dahin hatte Peru durchaus zu beeindrucken gewusst, war in den Anfangsminuten ohne den überraschend nicht zur Anfangsformation zählenden Claudio Pizarro sogar das gefährlichere Team. Der Schalker Jefferson Farfán traf nach Flanke von Viertelfinal-Held Paolo Guerrero per Kopf nur den Pfosten. Chile unterdessen nicht zum ersten Mal im Turnierverlauf mit leichten Anlaufschwierigkeiten, hatte zudem großes Glück, dass der Schiedsrichter eine klare Tätlichkeit von Arturo Vidal geflissentlich übersah. Der beinharte Mittelfeldmann von Juventus Turin, der möglicherweise kurz vor einem Wechsel in die Premier League zum FC Arsenal steht, mit allen Wassern gewaschen und häufig alles andere als ein Sinnbild des sportlichen Fairplay-Gedanken, griff ausgerechnet Zambrano ins Gesicht. Mutmaßlich eine Tätlichkeit mit klarem Hintergedanken, ist der Frankfurter doch für sein leicht entflammbares Gemüt bekannt. Trotz guter Sicht auf die beiden Streithähne und heftiger Proteste von peruanischer Seite zeigte José Ramón Argote Vega dem chilenischen Sünder nicht einmal Gelb. Gerade vor dem Hintergrund, dass Zambrano nur wenige Minuten später ein drakonisches Strafmaß ereilte, wirft diese Art der Regelauslegung doch große Fragen auf. Der Unmut und die Enttäuschung der Peruaner nur allzu verständlich, durfte der Gastgeber anschließend knapp 70 Minuten in Überzahl agieren.

Der Beweis: Arturo Vidal schlägt Carlos Zambrano ins Gesicht, kommt dennoch ungeschoren davon.

Der Beweis: Arturo Vidal schlägt Carlos Zambrano ins Gesicht, kommt dennoch ungeschoren davon.

Die Kräfteverhältnisse hernach natürlich gänzlich auf den Kopf gestellt. Chile mit viel Ballbesitz, drückte vor der Pause immer vehementer auf den Führungstreffer. Jorge Valdivia zielte noch knapp vorbei, der Hoffenheimer Luis Advíncula rettete spektakulär gegen Vargas – kurz darauf war es jedoch passiert. Eine Flanke in den Strafraum von Alexis Sánchez segelte an Freund und Feind vorbei an den Pfosten, Vargas stocherte den Abpraller am peruanischen Schlussmann Pedro Gallese vorbei ins Netz. Der Zeitpunkt drei Minuten vor der Pause strategisch günstig, Chile auf scheinbar sicherem Weg ins Endspiel. Dennoch wurde es noch einmal spannend. Kurz nach dem Seitenwechsel verwehrte der Schiedsrichter einem wohl regulären Vargas-Tor die Anerkennung, rief noch einmal die Mannschaft von Ricardo Gareca auf den Plan. Einer der selten gewordenen Vorstöße über rechts endete nach einer guten Stunde mit einer Flanke von Advíncula – und dem überraschenden Ausgleich. Chiles Innenverteidiger, Gary Medel von Inter Mailand, wollte klären, lenkte die Kugel jedoch unhaltbar für Claudio Bravo mit einer spektakulären Flugeinlage in den eigenen Kasten.

Blankes Entsetzen im mit 50.000 Zuschauern natürlich ausverkauften Estadio Nacional de Chile Julio Martínez Prádanos – das aber nicht lange anhielt und sich nur vier Minuten später in grenzenlosem Jubel entlud. Ein vermeidbarer Ballverlust der Peruaner im Mittelfeld führte zum 2:1-Siegtreffer der Einheimischen. Aus knapp 25 Metern fasste sich der an diesem Abend herausragende Vargas ein Herz und traf fulminant über Gallese hinweg in die Maschen. Chile verwaltete die knappe Führung bis zum Schlusspfiff souverän, ließ dabei noch einige gute Torchancen liegen – und träumt längst vom ersten Copa-Triumph seiner Landesgeschichte. In der Nacht von Samstag auf Sonntag steigt an gleicher Stelle das große Finale – Argentinien oder Paraguay die letzte Hürde der „goldenen Generation“ auf dem Weg in die Unsterblichkeit.

Redaktion Magath & Fußball

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