Der Topfavorit erwacht


Veröffentlicht am 1. Juli 2015

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Argentinien nach 6:1-Kantersieg über Paraguay im Finale

Trotz dreier Siege und einem Remis war es bislang nicht die ganz große Show, die Argentinien bei der Copa América in Chile bot. Lediglich vier Tore brachte die als Topfavorit angetretene Albiceleste in ihren vier Partien gegen Paraguay, Uruguay, Jamaika und Kolumbien zu Wege – ohne dabei wirklich zu überzeugen. Gegen die Cafeteros ging es torlos sogar bis ins Elfmeterschießen, der Halbfinaleinzug alles andere als eine klare Angelegenheit. In Concepción hieß der Gegner in der Vorschlussrunde wie schon während der Gruppenphase Paraguay – und erstmals im Turnierverlauf demonstrierte Gerardo Martinos Team eindrucksvoll, was angesichts einer Offensivreihe um Lionel Messi, Ángel Di María, Sergio Agüero oder Javier Pastore möglich ist. Der tapfer kämpfende Finalteilnehmer von 2011 hatte nicht den Hauch einer Chance, aufseiten der Albirroja mussten zudem noch während des ersten Durchgangs Shootingstar Derlis González und Spielführer Roque Santa Cruz verletzt vom Platz. Argentinien beim überdeutlichen 6:1 (2:1) insgesamt aber mindestens zwei Klassen besser und endlich auch mit jener Zielstrebigkeit und spielerischen Leichtigkeit unterwegs, die bislang noch eher selten zutage trat.

Den blau-weißen Torreigen im Estadio Municipal de Concepción eröffnete Abwehrmann Marcos Rojo bereits nach einer Viertelstunde. Lionel Messi hatte einen Freistoß aus dem linken Halbfeld gefühlvoll in Richtung Elfmeterpunkt geschlagen, wo Rojo den Ball zwar mit dem Kopf nicht richtig traf, dafür den Nachsetzer im Fallen aber sicher im Kasten unterbrachte. Für den 25-Jährigen von Manchester United war es der zweite Treffer im Nationaltrikot. Argentinien nun endgültig Herr der Lage, die gefälligen Kombinationen im Mittelfeld – oftmals zentral über Messi und Javier Pastore vorgetragen – einfach zu schnell für den Gegner. Nachdem Pastore alleine vor Justo Villar noch am erfahrenen Schlussmann gescheitert war, machte es der Angreifer von Paris Saint-Germain kurze Zeit später besser und traf von der Strafraumkante unhaltbar links unten ins lange Eck. Wieder war ein punktgenaues Messi-Anspiel vorausgegangen, die Begegnung schien bereits nach 27 Minuten entschieden.

Kurz vor der Pause und wie aus dem Nichts jedoch brachte Lucas Barrios mit seinem dritten Turniertor die Hoffnung für die Mannschaft von Ramón Díaz zurück: Ein gewonnenes Kopfballduell auf Höhe der Mittellinie diente dem einstigen BVB-Stürmer als Vorlage, „La Pantera“ fackelte nicht lange und traf mit links unhaltbar für Sergio Romero zum 1:2. Der ebenfalls eingewechselte Raúl Bobadilla vom FC Augsburg war in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs zu eigensinnig und vergab den möglichen Ausgleich mit einem Schuss in die Wolken. Argentinien spätestens jetzt gewarnt – schon beim 2:2 in der Vorrunde hatte man einen Zwei-Tore-Vorsprung leichtfertig verspielt. Binnen acht Minuten nach Wiederanpfiff zerstreuten sich diesmal allerdings alle Gedanken an eine abermalige Aufholjagd Paraguays. Ein Doppelschlag von Di María sah den Vizeweltmeister nach 53 Minuten mit 4:1 in Front. Pastore zweimal der Wegbereiter: Erst mit einem genialen Pass links in den Strafraum, Di María vollendete trocken ins lange Eck. Dann mit einem eigenen Torversuch, den Villar, der hielt was eben zu halten war, noch abwehren konnte. Das Leder aber sprang Di María direkt vor die Füße und der Flügelstürmer musste nur noch einschieben.

Die Messe nun natürlich gelesen, der an allen Ecken und Enden wirbelnde Messi allerdings wollte auch noch sein Tor. Die beste Chance bot sich ihm nach 68 Minuten, als er einmal mehr im Zusammenspiel mit Pastore frei vor Villar auftauchte, im Fallen aber nicht mehr genügend Druck hinter den Ball brachte. Besser machte es Agüero zehn Minuten vor dem Ende aus sechs Metern per Kopf, perfekt bedient von Di María. Es war die letzte Aktion des Toptorjägers der Premier League, der unmittelbar nach seinem dritten Copa-Treffer von Martino vom Feld genommen wurde. Für Agüero kam mit Gonzalo Higuaín ein weiterer Hochkaräter, der wiederum nur eine Minute nach seiner Einwechslung den Schlusspunkt zum 6:1 setzte. Wieder kombinierte sich Messi in unnachahmlicher Manier in den Strafraum, spitzelte die Kugel irgendwie durch die vielbeinige Defensive Paraguays und Higuaín bedankte sich mit einem fulminanten Schuss in den linken Torwinkel. Wenngleich Messi an diesem Abend also kein eigenes Tor erzielte, war er an nahezu allen gefährlichen Offensivaktionen der Gauchos beteiligt und trug sich mit drei direkten Vorlagen in die Statistikbögen ein.

Infolge zweier verlorener Copa-Endspiele – 2004 und 2007 jeweils gegen Brasilien – sehnt sich der 14-fache Turniersieger Argentinien nach dem ersten Titelgewinn seit 1993. Im Finale am Samstagabend (4. Juli 2015, 22 Uhr MESZ) wartet nun Gastgeber Chile und wird dies unter Aufbietung aller Kräfte und Mittel zu verhindern versuchen. Auch für Messi wäre es derweil der erste bedeutende Titel im Nationaltrikot und damit ein weiterer Meilenstein in seiner unvergleichlichen Karriere. Auf chilenischem Boden fühlt sich die Albiceleste ohnehin pudelwohl: Die letzten vier in Chile ausgetragenen Copa América Turniere 1991, 1955, 1945 und 1941 gewann Argentinien allesamt. Auch 1991 trat man als Vizeweltmeister an – vorausgegangen war wie diesmal eine 0:1-Niederlage im WM-Finale gegen Deutschland. Ein gutes Omen? Spätestens am frühen Sonntagmorgen wissen wir mehr.

Redaktion Magath & Fußball