Fußballdemokratie


Veröffentlicht am 19. Juli 2015

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Amtsinhaber Josep Maria Bartomeu gewinnt Präsidentenwahl des FC Barcelona

Der FC Barcelona wählt seine wichtigste Führungsperson in freier und geheimer Wahl nach demokratischen Spielregeln. Alle 110.000 Mitglieder des Vereins sind stimmberechtigt. Der Wahlkampf der letzten Wochen war intensiv und teilweise persönlich, das Publikum in Barcelona und Katalonien nahm geneigt wie interessiert teil. Nun sind die Würfel gefallen. Die Freundschaft zu den Club-Ikonen Johan Cruyff und Pep Guardiola half bei einem Comebackversuch nicht. Joan Laporta war von 2003 bis 2010 Präsident des FC Barcelona, wollte zurück ins Amt. Persönliche Eloquenz, die erfolgreiche Ära glanzvoller Titel und Triumphe seiner Präsidentschaft nebst dem Zuspruch von Lionel Messi schienen ein ausreichender Sieggarant. Der Rechtsanwalt Laporta hatte als Politiker wenig Erfolg, die erneute Thronbesteigung bei Barça schien reizvoll. So warf er, nebst zwei unbedeutenden Zählkandidaten, dem amtierenden Präsidenten Josep Maria Bartomeu den Fehdehandschuh hin. Ein intensiver Wettkampf unterschiedlicher Charaktere nahm seinen öffentlichen Lauf.

Bartomeu, einst beim FC Barcelona für Basketball zuständig und etwas beamtenhaft durchs Leben schreitend, hatte das Amt im Januar 2014 vom schlagzeilenträchtigen Sandro Rosell übernommen, dem Amt wieder Ruhe und Ordnung verschrieben. Die bunte Publicitygier seiner Vorgänger Laporta und Rosell lag dem Sacharbeiter Bartomeu sowieso wenig, der katalanische Unternehmer arbeitet lieber effektiv und still. Seinen Konkurrenten Laporta und Lionel Messi verbindet bis heute viel. Der Wahlkampfsatz von Laporta, „Mit mir als Präsident würde sich Messi sofort wohler fühlen“, steht dafür ein. Zwischen Bartomeu und Messi herrscht dagegen ein Klima Arbeitgeber und Spieler, also normaler Alltag. Für den empfindlichen Messi könnte dies laut Aussagen von Club-Kennern am Ende zu wenig Liebe sein. Laporta ließ auch das Gerücht streuen, er wäre der einzige Kandidat, der Pep Guardiola ins Camp Nou zurückholen könnte. Was Luis Enrique wohl dabei dachte?

Man erwartete also ein Kopf-an-Kopf-Rennen, es kam anders. Laportas Schwerter mussten stumpf bleiben. Das Jahr 2015 ist die pure Barça-Erfolgsgeschichte. Champions League Sieg, Meisterschaft, Pokaltriumph und das verhasste Real abgehangen, alles unter der Präsidentschaft von Bartomeu. So schritten die Barça-Mitglieder auf einer wohligen Triumphbahn zur Wahlurne und ihr Votum war eindeutig. Anders als die für Populismus enorm anfälligen Fangemeinden in anderen Fußballregionen, blendete die Barça-Familie kein Traum und sie schauten nicht rührselig zurück. Ganz gegenwärtig bestätigten sie den amtierenden Präsidenten mit 54 Prozent der Stimmen eindrucksvoll in seinem Amt. Joan Laporta erhielt 33 Prozent Zuspruch, musste seine Comeback-Träume umgehend begraben. Die Ära Josep Maria Bartomeu damit in der nächsten Runde.

Redaktion Magath & Fußball