Vieles im Argen


Veröffentlicht am 21. Juli 2015

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Andrey Arshavin: Nur eines von vielen nicht eingelösten Versprechen.

Andrey Arshavin: Nur eines von vielen nicht eingelösten Versprechen.

Russlands Fußball versinkt in der Bequemlichkeit seiner Spieler

Ohne Schwung stolpert der russische Fußball Richtung Heimvorteil des WM-Turniers 2018. Der ungeliebte wie auch erfolglose Nationaltrainer Fabio Capello ist nicht mehr im Amt. Öffentlich verbreitete Abfindungszahlen machen weiter die Runde, pendeln sich zwischen elf und 14 Millionen Euro ein. Viele Gerüchte, niemand weiß genaues, aber gerade dann wird ja gerne viel und oft geschrieben. Die Person Capello dient dabei auch als gutes Ablenkungsmanöver von den wirklichen Problemen. Als der Italiener sich von seiner Nationalmannschaft in einem für den Anlass angemieteten Moskauer Edellokal verabschieden wollte offenbarte seine Ex-Truppe erneut ihr egoistisches Gesicht. Außer einigen Betreuern der medizinischen Abteilung kamen ganze vier Spieler zum Abendessen. Capello mag eine Menge falsch gemacht haben, die russische Seele – was immer das sein mag – ist auch für einen Italiener nur schwer zu ergründen. Aber am desaströsen Eindruck der russischen Nationalmannschaft sind vor allem bequeme und satte Fußballer Schuld, deren höchstes Anliegen finanzstarke Verträge sind und nicht mehr die zu erbringende sportliche Leistung.

Nirgends auf dem Kontinent wird für Mittelmäßigkeit und Leistungsverweigerung so viel Geld investiert und verbrannt wie im russischen Fußball. Die Liga spielt in der europäischen Leistungsschau des Spitzenfußballs keinerlei Rolle, die Nationalmannschaft blamiert sich durch träge und lustlos heruntergespulte Auftritte. Die aktuelle EM-Qualifikation erzählt die traurige Geschichte, ist Spiegel der Lage. Russische Spieler, die den Weg ins Ausland gegangen sind, scheiterten immer an sich selbst und verschwanden regelmäßig in der Bedeutungslosigkeit. Als Folge machten sie sich schnell wieder Richtung russischer Heimat auf, um sich dort als Stars feiern zu lassen und unter das wärmende Dach von hoch dotierten Verträgen zu flüchten. Dem schönen Leben zu frönen, bei dem der Sport eher einen Störfaktor darstellt, scheint eine Art roter Faden durch die meisten russischen Spielerkarrieren zu sein.

Russlands Fußball in der Dauerkrise. Der Nationaltrainer – wer immer es war, wer immer es wird – ist da nur ein Faktor mit wenig Einfluss. Die Hauptschuld für den Niedergang liegt bei einer ganzen Spielergeneration, die kollektiv versagt hat und dabei noch sehr reich wurde.

Redaktion Magath & Fußball