Poesie, Fußball und Katalonien


Veröffentlicht am 26. Juli 2015

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Beharrlich kämpft Pep Guardiola für die Unabhänigkeit Kataloniens

Die Freundschaft mit dem katalanischen Lyriker Miquel Martí i Pol war dem Fußballer Pep Guardiola einst so wichtig wie der Teamgeist des FC Barcelona und sein fußballerischer Ziehvater Johan Cruyff. In freimütiger Selbstbekundung gestand der Bayern-Coach kürzlich die lebenslange Zuneigung zur Poesie des 2003 verstorbenen Freundes. Für Guardiola zeichnen Fußball und literarische Texte einen Anfang und eine Idee gemeinsam, welche man verwirklichen möchte. Wenn der Multimillionär allerdings rührig wie fasziniert über die „Kunst der Armen“ fabuliert bleibt doch ein Stück weit fader Beigeschmack. Die Inspiration der Poesie begleitet Guardiola jedenfalls durch Leben und Beruf. Neben Lyrik und dem Fußball ist Guardiola aber vor allem ein katalanischer Bürger voller National- und Heimatstolz. Noch kann das Netz den Menschen nicht bis in die letzten Winkel ihrer Herzen schauen. In dem von Pep Guardiola könnte man dann durchaus eine Landkarte von Katalonien finden die ihm offenbar Pulsgeber durch sein Leben ist. Egal was Guardiola tut und wo er arbeitet, seine Heimat hat er stets im Visier und er gehört nicht zu den Dachstubengenies die zu allem eine Meinung haben aber dabei gern die vorgehaltene Hand der Flüsterer bevorzugen.

Guardiola, ob man ihn als Trainer mag oder nicht, trägt seine Überzeugung auf der Zunge und dafür auch seine Haut zu Markte. Ein seltenes Beispiel von innerer Überzeugung, zumal der Fußball und seine Apologeten sehr gerne unpolitisch, bunt und massenkompatibel daher kommen. Bloß nicht anecken lautet die Devise. Der Bayern Trainer demonstrierte schon öffentlich auf dem Berliner Alexanderplatz für die Unabhängigkeit seiner Heimat Katalonien und die Loslösung von Spanien. Nun hat er mit einer symbolischen Kandidatur für die Abspaltung seiner Heimatregion ein erneutes Zeichen gesetzt. Die Zeitung El País berichtete dieser Tage, der Trainer werde bei den Regionalwahlen am 27. September in Katalonien auf einem Listenplatz der Kandidatenliste eines Parteienbündnisses stehen, welches wie Guardiola für die Unabhängigkeit Kataloniens kämpft. Hierbei handelt es sich um einen symbolischen Akt, ein international beachtetes Zeichen. Guardiola hat sich auf den letzten Platz der Wahlliste setzen lassen um einer möglichen Wahl ins Regionalparlament sicher zu entgehen. Die Bayern brauchen also Trainingsverschiebungen wegen Parlamentsdebatten nicht befürchten. Dem Vorhaben des katalanischen Regierungschefs Artur Mas zur Gründung eines unabhängigen, katalanischen Staates will Guardiola mit der Kandidatur aber die gesamte Kraft und Werbemacht seines Namens zur Verfügung stellen. Spätestens dafür hätte Miquel Martí i Pol dem Katalanen und Freund wohl längst ein Gedicht gewidmet. Wenn sie in München nicht den Champions League Titel von ihm bekommen könnte Guardiola ab der nächsten Saison allerdings mehr Zeit für Katalonien und die Lyrik besitzen als ihm lieb ist. So unpoetisch kann Fußball sein.

Redaktion Magath & Fußball