Pokalsieger schlägt Meister


Veröffentlicht am 3. August 2015

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Arsenal und Wolfsburg im Supercup erfolgreich

Er kann es doch! Im 14. Anlauf gelang Arsène Wenger mit dem FC Arsenal endlich der langersehnte, erste Sieg gegen seinen erbitterten Widersacher José Mourinho. In dieser seit 2004 von beiden Seiten leidenschaftlich gepflegten Männerfeindschaft hatte der Franzose aus sportlicher Sicht bislang ganz klar das Nachsehen. Mehr als sechs Unentschieden waren für Wenger in 13 Pflichtspiel-Begegnungen nicht zu holen gewesen. Mourinho meist nicht nur klarer Punktsieger im medialen Schlagabtausch, seine Mannschaften, wenn es gegen Arsenal geht, in beachtlicher Regelmäßigkeit bis aufs Äußerste motiviert und einfach exzellent eingestellt. Sieben Siege konnte der Portugiese – ein Meister der öffentlichen Provokation – so bereits für sich verbuchen. Wenger dagegen wirkte in den Duellen mit dem FC Chelsea oft wie ein enttarnter Zauberkünstler, blieb in der Niederlage jedoch stets Gentleman. Seit Sonntagnachmittag allerdings steht auch bei dem 65 Jahre alten, aus Straßburg stammenden Grandseigneur des Londoner Fußballs ein Erfolg über Mourinho auf der Habenseite. Der FC Arsenal bezwang Meister Chelsea im englischen Supercup mit 1:0. Wenger holte mit den Gunners nach 1998, 1999, 2002, 2004 und 2014 bereits zum sechsten Mal den Community Shield. Ein Anfang ist gemacht.

Eine Woche vor dem Saisonauftakt in der Premier League sahen über 85.000 Zuschauer im Wembley Stadion das Duell Meister gegen Pokalsieger. Schon nach 24 Minuten sorgte Alex Oxlade-Chamberlain mit einem Traumtor für den Siegtreffer und beendete die 506-minütige Torflaute seiner Mannschaft in den Vergleichen mit den Blues. Matchwinner beim FC Arsenal, der von Kapitän Per Mertesacker aufs Feld geführt wurde, aber ausgerechnet einer, der zwischen 2004 und 2015 elf Jahre lang das Chelsea-Emblem auf der Brust trug: Petr Čech avancierte gleich im ersten Pflichtspiel nach seinem Wechsel zu jenem sicheren Rückhalt, der den Gunners in den letzten Jahren allzu oft fehlte. Mit Čech im Kasten, so viel wurde schon im Supercup deutlich, könnte der FC Arsenal 2015/16 möglicherweise in den Kreis der Titelanwärter aufrücken. Seine alten Kollegen jedenfalls konnten den erfahrenen Tschechen nicht in Verlegenheit bringen. Dem Ausgleich am nächsten kam noch der Brasilianer Oscar mit einem tollen Freistoß, den Čech allerdings ebenso großartig parierte. Mourinhos Mannen ohne Sturmführer Diego Costa insgesamt aber zu ungefährlich, Arsenal mit den besseren Chancen und unter dem Strich ein verdienter Sieger.

Wie kein Zweiter allerdings versteht es José Mourinho, den sportlichen Aspekt einer Partie durch sein übertrieben selbstbewusstes Auftreten zu verwässern. „The Special One“ wandelt dabei nicht selten hart an der Grenze zu maßloser Arroganz, beschädigt bisweilen – möglicherweise sogar bewusst – das eigene Profil eines absoluten Weltklassetrainers. Erfolge und Titel scheinbar die einzig zulässigen Größen im Fußball-Universum dieser fraglos besonderen wie heftig umstrittenen Trainerpersönlichkeit. Die jüngste Kostprobe dieser Wesensart lieferte der 52-Jährige im Nachgang des Community Shields, als er seine Medaille kurzerhand ins Publikum warf. Silber in seinen Augen eben eine Sache für Verlierer. Doch damit nicht genug. Freilich sei Chelsea, so ließ Mourinho später verlauten, die bessere Mannschaft gewesen und habe mehr Initiative gezeigt. Arsenal dagegen hätte ausschließlich verteidigt. Man kann nur erahnen, was der Trainerfuchs mit derlei Geschwätz bezwecken möchte. Eine realistische Spieleinschätzung aber sieht anders aus.

Rekordmeister setzt Negativserie fort

Bereits zum dritten Mal in Folge haben Pep Guardiola und der FC Bayern München ein Supercup-Finale verloren, dieser Titel bleibt dem Katalanen also auch im dritten Jahr seiner Münchner Amtszeit verwehrt. Nach den beiden Niederlagen gegen Borussia Dortmund 2013 (2:4) und 2014 (0:2) musste sich der Rekordmeister diesmal dem DFB-Pokalsieger VfL Wolfsburg mit 4:5 nach Elfmeterschießen geschlagen geben. Für die erfolgsverwöhnten Bayern möglicherweise sogar ein gutes Omen, holten sie in den beiden vergangenen Jahren bekanntlich trotz verpasster Supercup-Trophäe die Meisterschale in den Landessüden.

In der Volkswagen Arena sah der Deutsche Meister dennoch lange Zeit wie der sichere Sieger aus. Der von Neuzugang Douglas Costa sehenswert vorbereitete und von Arjen Robben letztlich problemlos erzielte Führungstreffer nach 49 Minuten reichte aber nicht ganz, weil die Wölfe mit ihrem besten Spielzug der gesamten Partie über Kevin De Bruyne und den eingewechselten Nicklas Bendtner wenige Momente vor dem Ende der regulären Spielzeit doch noch zum 1:1-Ausgleich kamen. Bei den Bayern hatte unterdessen der von Juventus Turin verpflichtete und frischgebackene Copa America Gewinner Arturo Vidal sein Debüt gegeben und sich mit einer gelben Karte nur neun Minuten nach seiner Einwechslung standesgemäß in Deutschland zurückgemeldet.

Das folgende Elfmeterschießen sah fünf sichere VfL-Schützen: Ricardo Rodríguez, De Bruyne, André Schürrle, Neuzugang Max Kruse und Torschütze Bendtner verwandelten souverän, keine Chance für Manuel Neuer. Bei den Bayern brachten Vidal, Robben, Kapitän Philipp Lahm, und Douglas Costa ihre Versuche ebenso sicher ins Netz – einzig Xabi Alonso scheiterte an einer starken Fußabwehr des Wolfsburger Ersatzmanns zwischen den Pfosten. Der Spanier war schon im Pokal-Halbfinale gegen den BVB unter den Fehlschützen, schoss diesmal aber nicht in die Wolken, sondern fand im Belgier Koen Casteels seinen Meister. Für den VfL Wolfsburg war es derweil nach dem ersten DFB-Pokalsieg auch der erste Supercup-Triumph der Vereinsgeschichte. Der Schlagabtausch zwischen den beiden heißesten Anwärtern auf die Meisterschaft ist eröffnet.

Redaktion Magath & Fußball

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