Mit Geld zum Erfolg


Veröffentlicht am 7. August 2015

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Premier League startet in neue Spielzeit

Alle brauchen etwas. José Mourinho den Titel in der Champions League, Louis van Gaal die Meisterschaft, Manuel Pellegrini Ruhe vor dem Guardiola-Gerücht, Brendan Rodgers den Nachweis, ein Trainer mit Titelformat zu sein, Arsène Wenger eine Saison ohne Einbrüche und Mauricio Pochettino Ruhe vor seinem Boss. Der Rest der Liga braucht die Hoffnung, im gleißenden Scheinwerferlicht der Großklubs nicht in saisonale Vergessenheit zu geraten. Die Premier League platzt vollmundig aus allen Nähten, die materiellen Grundlagen für die neue Saison sind beim Spitzensextett üppig vorhanden. Louis van Gaal brachte es auf den Punkt: „Die Meisterschaft wird auch auf dem Transfermarkt entschieden.“ Keine ganz neue Botschaft, wie auch seine berechtigte Annahme „wenn es schief geht, ist der Trainer weg“ sicher mehr als nur Bauchgefühl. Ob man international eins oder mehrere Teams ins Halbfinale der Champions League bringt, wird am Ende der Saison eine Art Qualitätsurteil über die Aufrüstungspolitik von Europas elitärster Liga sein. Was daheim funktioniert, wurde auf der europäischen Wage zuletzt oft als zu leicht befunden. Das gilt auch für The Special One und sein Team.

Chelsea ist Marktwertkrösus und Titelverteidiger, war auf dem Transfermarkt verhältnismäßig bescheiden und José Mourinho verkündete höchstselbst die Nachricht „für Chelsea und mich ist das Transferfenster geschlossen.“ Für den zu Arsenal abgewanderten Petr Čech holte man von Stoke City Asmir Begović. Die Nummer eins Im Chelsea-Tor nach wie vor Thibaut Courtois. Spektakulär allenfalls noch die Leihe von Radamel Falcao, der bei Manchester United unter den Erwartungen blieb und nun wohl seine letzte englische Chance bekommt, sonst geht’s 2016 wieder zurück nach Monaco. José Mourinho empörte sich über die Transfergier seiner Mitbewerber und vergaß dabei geflissentlich seine Aktivitäten und Ausgaben der letzten zehn Jahre. So wie er in der neuen Saison wieder kein Freund von Arsène Wenger werden wird, so kann man sich auch in der neuen Spielzeit seiner belebenden Zwischenrufe schon jetzt völlig sicher sein. Zum Auftakt des Spektakels warf er nach der Niederlage im Community Shield die Medaille für den Unterlegenen weg, zweite Plätze sind für José Mourinho Schande aber keine Ehre. Die Botschaft völlig klar, Chelsea ist vor Start auf Meisterkurs, nichts weiter zählt.

Radamel Falcao konnte sich in der Premier League bislang nur selten in Szene setzen und nimmt beim Meister einen neuen Anlauf.

Radamel Falcao konnte sich in der Premier League bislang nur selten in Szene setzen und nimmt beim Meister einen neuen Anlauf.

Bei den Red Devils wird Louis van Gaal den ungeliebten Ángel Di María los und freut sich über dessen Gang nach Frankreich wie ihn die Ankunft von Weltmeister Bastian Schweinsteiger in Spitzenlaune versetzte. Ob dieser und die Neuzugänge Morgan Schneiderlin und Memphis Depay für eine erfolgreiche Titeljagd ausreichen, in England wird gezweifelt. Der Coach der Red Devils möchte auf jeden Fall noch nachlegen und wird bis Ende der Transferfrist das Thema David de Gea wohl auch auf dem Schirm behalten müssen, dessen möglicher Abgang zu Real weiter über dem Verein schwebt. Nachbar ManCity und Manuel Pellegrini haben den flippigen Raheem Sterling um jeden Preis der Welt haben wollen. Die arabischen Eigentümer ließen sich nicht lumpen und holten den Stürmer für 68 Millionen Euro Ablöse vom FC Liverpool weg. Ob der vom geldgieren Sterling-Berater forcierte Transfer des Jahres ein Treffer wird, muss sich noch zeigen. Für das zentrale Mittelfeld und zur Entlastung von Yaya Touré verpflichtete man noch Fabian Delph von Aston Villa. Als eine Schnäppchenvariante von acht Millionen Euro gilt dagegen der einstige Magath-Debütant Patrick Roberts vom FC Fulham, auch er nun an Bord der Citizens. Nach wie vor schleppt Pellegrini einen Kader durch die Liga, der mit einem Durchschnitt von 28 Jahren zu den ältesten Teams der Premier League zählt, für viele als träge und lustlos gilt, für den nationalen Wettbewerb noch gerade titelverdächtig, für den kontinentalen Kräftevergleich aber wohl erneut zu schwachbrüstig.

Frisch und spielfreudig dagegen Arsenal. Seit gefühlt einhundert Jahren geht der Club wieder mit einem Torwart in den Wettbewerb. Petr Čech gehört zu der Sorte Keeper, die Punkte festhalten und sie nicht verschleudern, eine neue Qualität im Arsenal-Strafraum. Arsène Wenger vertraut ansonsten auf sein eingespieltes und erfolgreiches Team der letzten Saison. Der Franzose will die Stärke aus den Hochphasen in Stabilität für den gesamten Saisonverlauf verwandeln. Gelingt ihm dieses Unterfangen und sein Team hat nicht wieder die typischen Aussetzer-Wochen, dann ist Arsenal ein heißer Kandidat für den Titel. Liverpool möchte das auch gerne sein. Die Reds ziehen in ihre erste Nach-Gerrard-Saison und mit dem klugen Einsatz der Sterling-Millionen gut aufgestellt ins Rennen. Mit James Milner, Roberto Firmino und Danny Ings aber vor allem mit Christian Benteke ist durchaus Klasse an die Anfield Road gekommen. Trainer Rodgers hat ein gutes Team beieinander – aber auch immer noch Mario Balotelli in seinen Reihen. Von dieser italienischen Wundertüte erwartet in der Premier League wie bei Liverpool niemand mehr etwas, Abnehmer dringend gesucht. In Liverpool muss das Dabeisein in Sachen Titeljagd klappen und der Verein mitmischen, sonst hat Brendan Rodgers den Namen Jürgen Klopp so im Genick wie Manuel Pellegrini den Namen Josep Guardiola. Tottenham Hotspur hat bis auf Tobias Alderweireld von Atlético Madrid keine namhaften Verstärkungen geholt, setzt auf Ruhe und Konsolidierung, will mit etwas kleineren Schritten in die Champions League. Es könnte nach Lage der Dinge dafür wieder nicht reichen.

Aus deutscher Sicht natürlich der spektakulärste Transfer des Sommers: Nach 17 Jahren Bayern München schließt sich Bastian Schweinsteiger Manchester United an.

Aus deutscher Sicht natürlich der spektakulärste Transfer des Sommers: Nach 17 Jahren Bayern München schließt sich Bastian Schweinsteiger Manchester United an.

Der Rest der Liga wirft allerhand Fragen auf. Wird Southampton unter Ronald Koeman erneut eine bärenstarke Saison spielen und der FC Everton zu alter Klasse zurückfinden? Wie verkraftet Aston Villa den Abgang seiner Spitzenleute und was macht der Problemclub Newcastle United? Viele Briten schauen auf West Ham United, was bietet der große Traditionsclub mit den noch größeren Stadionplänen unter seinem neuen Coach Slaven Bilić? Last but not least, wohin trägt es die Aufsteiger? Schafen der AFC Bournemouth, der FC Watford und Norwich City den Klassenerhalt oder geht es im Direktfahrstuhl wieder nach unten? Diese und andere Fragen werden mit Saisonstart natürlich nicht beantwortet, nehmen aber ab diesem Wochenende mächtig Fahrt auf.

Redaktion Magath & Fußball

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