Kleines Land, große Persönlichkeit


Veröffentlicht am 9. August 2015

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Carmel Busuttil im getauschten DFB-Trikot nach der 2:3-Niederlage Maltas im Dezember 1984.

Carmel Busuttil im getauschten DFB-Trikot nach der 2:3-Niederlage Maltas im Dezember 1984.

Die Karriere des Carmel Busuttil

Es endete wie es begann, der Gegner hieß Island. In Messina auf Sizilien besiegten Busuttil und seine Mannschaftskameraden am 5. Juni 1982 das Team der Nordländer in einem EM-Qualifikationsspiel mit 2:1. Sein erstes Länderspiel. Das letzte Spiel für seine Nation bestritt er am 25. Mai 2001 im Rahmen der WM-Qualifikation in La Valletta, ein Abschluss der guten Art blieb allerdings verwehrt. Island behielt die Oberhand, Busuttil und sein Team mussten sich mit 1:4 geschlagen geben. Die persönliche Bilanz von Carmel Busuttil zählte am Ende des Tages 111 Länderspiele und 23 Treffer. Busuttil war der erste Malteser, der die 100-Spiele-Marke an Einsätzen für sein Land erreichte. Die großen Sporttitel und das noch größere Geld waren mit dieser Laufbahn dennoch nicht zu machen. Busuttil musste als Nationalspieler seines Heimatlandes Malta auch eine Menge einstecken. 16 Siege konnte er bejubeln, 20 Unentschieden verbuchen und 75 Niederlagen musste er ertragen. Malta ist ein historischer Zauberort und eine geschichtliche Adresse voller Legenden, ein Fußballriese war es nie. Im Gegenteil, bis heute gilt die Insel Malta als leichte Beute und Zwerg des Weltsports Fußball, findet dennoch immer wieder Jungen und Männer, die mit Stolz und Freude am Spiel das Trikot ihres Landes tragen. Ihr großes Vorbild ist Carmel Busuttil.

Im Jahr 2004 wählte die Malta Football Association (MFA) den bedeutendsten Spieler der letzten 50 Jahre auf der 425.000 Einwohner zählenden Mittelmeerinsel. Die Wahl fiel eindeutig auf Carmel Busutti. Dieser reagierte auf die Ehrung mit seiner in ganz Malta bekannten wie geschätzten Bescheidenheit: „Ich danke meinen Teamkollegen aus der aktiven Zeit. Ohne sie wäre mir diese Ehre nicht zuteil geworden.“ Insgesamt 22 Jahre war der im malerischen Rabat auf der Insel Malta geborene Busuttil aktiv. Als Mittelfeldspieler holte er in der Heimat drei Meistertitel und zwei Pokalsiege, wurde zweimal zum Fußballer des Jahres gewählt. Gereift und für einen maltesischen Fußballer sehr mutig, trat er dann den Gang in die Fremde an. Beim KRC Genk spielte er ab 1988 in Belgiens zweiter Liga, um dem Verein beim Wiederaufstieg zu helfen, was auch gelang. Bis 1994 war Busuttil in 183 Partien für Genk unterwegs und erzielte dabei 57 Tore, wurde in drei Spielzeiten zum Torschützenkönig des Clubs. In Genk behielt man ihn bis heute als einen außerordentlich fairen und gebildeten Sportsmann in Erinnerung, der auf und neben dem Spielfeld als vollkommener Profi galt. Nach dem Weggang aus Belgien blieb der Mittelfeldstratege noch bis zum Jahr 2001 aktiv am Ball, beendete bei seinem Heimatclub Sliema Wanderers eine Karriere, die 1982 in seinem Geburtsort beim FC Rabat Ajax begann.

Im Ausland wurde Busuttil immer als ein würdiger Botschafter seines Landes wahrgenommen, in der Heimat als bodenständiger, anständiger und sozial engagierter Mitbürger verehrt. Die breite Anerkennung Carmel Busuttils mündete im Jahr 2000 in die Verleihung des Verdienstordens der Republik Malta. Der Präsident des Inselstaats nahm die Ehrung persönlich vor. Nach Abschluss seiner aktiven Spielerzeit arbeitete Busuttil als Trainer, assistierte dem Deutschen Horst Heese in dessen Zeit als Nationaltrainer von Malta zwischen 2003 und 2005. Als sein ehemaliger Teamkollege John Buttigieg 2009 Nationaltrainer von Malta wurde, nahm Busuttil dessen Angebot an und arbeitete wieder als Co-Trainer der Auswahl. Carmel Busuttil gründete auf Malta eine Fußballschule, um damit der fußballbegeisterten Jugend eine Inspiration und Anlaufstelle gleichermaßen zu bieten: „Ich möchte diesen Jugendlichen einen Weg aufzeigen. Sie sollen an sich glauben und an ihren Fähigkeiten arbeiten. Ich zeige mein Vertrauen in ihre Fähigkeiten und bin ein gutes Beispiel für einen Spieler aus einem sehr kleinen Land wie Malta, der es dennoch geschafft hat, sich bei einem europäischen Klub durchzusetzen. Aber nur, weil ich an mich geglaubt und hart gearbeitet habe.“ Malta hat offensichtlich genau den richtigen Mann zu seinem Fußballer des Jahrhunderts gewählt.

Redaktion Magath & Fußball