Der letzte Schotte


Veröffentlicht am 11. August 2015

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Manager aus Schottland prägten englische Liga

Sein Premier League Debüt ging schief, Norwich City unterlag zum Auftakt im heimischen Stadion den Gästen von Crystal Palace mit 1:3. Schottlands einziger, aktueller Premier League Manager heißt Alexander Francis Neil, von Freunden Alex genannt. Den Namen hat er mit einem berühmten Landsmann gemein, auch dieser Fußballmanager und Schotte. Alex Ferguson ist zwar außer Dienst, dennoch Geschichte und Glanzpunkt schottischen Wirkens in der höchsten englischen Spielklasse seit deren Bestehen von Beginn der Saison 1888/89. Kein britisches Fußballvolk hat die englische Eliteliga so geprägt und beherrscht wie die Männer Schottlands.

In der beginnenden Spielzeit ist von 20 Premier League Trainern tatsächlich nur noch dieser Alex Neil ein Mann der unter dem weißen Andreaskreuz auf hellblauem Grund geboren wurde, Schotte durch und durch. George Ramsey war der erste Schotte und Nicht-Engländer mit einem Titelgewinn. Zwischen 1893 und 1910  holte er sechs Meistertitel mit Aston Villa. Seine Geburtsstadt – wie bei Alex Ferguson – Glasgow. Hinter Sir Alex liegt Ramsey gemeinsam mit dem früheren Liverpool Manager Bob Paisley, dieser kein Schotte, in der ewigen Tabelle der Titelträger immer noch auf Platz zwei. In über 100 Jahren konnte ihn außer Ferguson niemand überholen und außer Paisley niemand einholen. Daran wird sich auch nach dieser Saison nichts ändern. Arsène Wenger und José Mourinho sind die einzigen „Verfolger“, könnten mit einem Titelgewinn auf jeweils vier Meisterschaften kommen. Beide also keine Gefahr für George Ramsey, beide keine Schotten.

Arsène Wenger hat allerdings in der Tabelle der englischen Trainerhistorie seine historischen Spuren längst hinterlassen. In der Saison 1997/98, einer Zeit als José Mourinho noch ein wissbegieriger Fußballassistent war, schrieb der Franzose Geschichte und war der erste Nicht-Brite unter den Trainern, dem es gelang, einen Titel zu holen. Damit öffnete er eine Schleuse. Ihm folgten in den nächsten Jahren besagter José Mourinho, Carlo Ancelotti, Roberto Mancini und Manuel Pellegrini. Wenger, wie Mourinho dreifacher Meister in England, trägt noch eine Fabelleistung durch die Fußballgeschichte. Er war der erste Manager, dem es mit seinem Team gelang, ohne Niederlage durch eine englische Erstligasaison zu kommen. So etwas glückte nicht einmal den großen Schotten und diesen gelang viel. Die Fußstapfen für Alex Neil sind sehr groß. Er übernahm Norwich im Januar 2015 und ist Jahrgang 1981, eine junge Ausgabe seiner Zunft und am Anfang eines Weges. Man wird auch in Schottland schauen, wohin dieser führt. Seine misslungene Premiere im Oberhaus des Weltfußballs muss ihn und andere nicht schrecken. Alex Fergusons Debüt bei Manchester United endete mit einer sang- wie klanglosen 0:2-Niederlage gegen Oxford United.

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Nach George Ramsey prägten dann in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts zwei legendäre Gestalten den englischen Ligaalltag und setzten auch im europäischen Fußball Zeichen. Matt Busby machte Manchester United groß und Bill Shankly die Reds aus Liverpool. In Liverpool hinterließ ein Landsmann von Busby und Shankly als Spieler große Fußabdrücke, die er auch als Manager füllte. Kenny Dalglish gewann sechs Titel als Spieler mit dem FC Liverpool und holte als Manager drei Meisterschaften an die Anfield Road. Dabei war er in der Saison 1985/86 der erste Manager, der als Spielertrainer den Titel gewann. Den Legendenstatus eines Alex Ferguson, Matt Busby und Bill Shankly hat auch Kenny Dalglish. King Kenny kam außerhalb von Liverpool mit den Blackburn Rovers sogar zu einem vierten Titel auf der Trainerbank. Beim FC Arsenal holte ein anderer Schotte in der Vor-Wenger-Ära zwei Meistertitel zwischen 1988 und 1991, George Graham. In der Saison 1992/93 begann dann die Titeljagd des Alexander Chapman Ferguson, die größte schottische Epoche in Englands Fußball nahm bei Manchester United ihren Titellauf. Bei Übernahme des Managerpostens durch Ferguson im November 1986 war United Vorletzer der Tabelle, die Spieler tranken, zeichneten sich durch vielerlei Disziplinlosigkeit und wenig Kondition aus. Als Sir Alex Ferguson den Job 2013 an den Nagel hängte – Abschied natürlich mit Meistertitel, dem letzten eines Schotten – nannte er 13 Meiterschaften sein eigen. Insgesamt holten zehn schottische Manager 36 englische Titel. 36 englische Manager konnten 61 Titel erringen, sechs ausländische Übungsleiter holten zehn Titel. Der letzte Engländer, der sich als Trainer mit einem Titel schmücken konnte, war Howard Wilkinson, dem dies in der Saison 1991/92 mit Leeds United gelang. Mal schauen wie lange es dauert, bis der nächste Schotte den Meisterpokal in den Fußballhimmel stemmt. Wie heißt es doch in Schottlands heimlicher Hymne: „O Blüte Schottlands, wann werden wir wieder Euresgleichen sehen.“

Redaktion Magath & Fußball

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