FC Barcelona – FC Sevilla 5:4 n. V. (4:4, 3:1)


Veröffentlicht am 12. August 2015

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Katalanen gewinnen den UEFA-Supercup

Marc-André ter Stegen ist der Pokalmann im Tor des FC Barcelona, deswegen ein kommendes Wiedersehen mit seinem Sprungbrett Borussia Mönchengladbach nicht ausgeschlossen. Seine dortigen Tränen hat längst ein starker Sommer verdampft. Ivan Rakitić, auch er ehemals Bundesligaakteur und heute starker Mitspieler von Lionel Messi, ließ im Vorfeld keine Zweifel aufkommen: „Messi? Wir alle wissen, wer er ist. Er ist der beste Fußballspieler der Geschichte.“ Mit der Meinung ist er wahrlich nicht allein. Allerdings auch keine wirklich neue Meldung aber Tinte für manchen Reporterstift. Die Aussage mag für das Barça-Universum wohl treffend sein, Barcelona ist schließlich eine Art Mittelpunkt des Weltfußballs. Schaut man ausschließlich auf Messis argentinische Nationalmannschaftskarriere, wird der Vergötterte menschlich und man darf beim Blick auf die Fußballgeschichte durchaus andere Sichtweisen vertreten. Rakitić ist nicht nur ein guter Fußballer, er ist darüber hinaus profunder Kenner beider Finalisten, immerhin gewann der ehemalige Magath-Schützling mit Sevilla 2014 die Europa League und ein Jahr später im Trikot des FC Barcelona die Champions League. Nun kreuzte er mit seinem alten Club die Klingen. Beim Blick auf die Aufstellung schien die Favoritenstellung seines heutigen Vereins erdrückend. Der Sieger konnte nur FC Barcelona heißen.

Die Protagonisten dieses Primera División Gipfels zeigten im fernen Georgien zum Start keinen Müßiggang. Der FC Sevilla machte in den letzten Jahren der oft zu Unrecht gescholtenen Europa League so viel Ehre, wie kein anderer Verein auf dem Kontinent. Man ging auch couragiert in das Kräftemessen mit den Katalanen, in der dritten Minute gelang Éver Banega mit einem wuchtigen Freistoß sogar die 1:0-Führung. Die Freude hatte nicht lange Bestand. Es kamen Messi-Momente, die für Barcelona eine stete Lebensversicherung in allen Lagen. Es sind genau diese Momente auf die sie in Argentinien so oft vergebens warten. In der siebten und 16. Minute setzte er zwei sehenswerte Freistöße ins Tor von Sevilla und brachte Barça im Alleingang 2:1 in Führung. Danach verflachte der Spannungsbogen. Sevilla konnte in der ersten Hälfte nie auf Augenhöhe gelangen, auf der anderen Seite lief das Wollen von Barcelona in den geordneten Bahnen von Ballbesitz und Tempo. Überlegenheit ohne sich ein Bein auszureißen, allein die Chancenverwertung der katalanischen Champions wirkte etwas fahrig. Das ständig in der Luft hängende 3:1 für Barça besorgte dann in der 44. Minute Rafinha Alcántara, der seinen sehenswerten Treffer einer feinen Vorarbeit von Luis Suárez zu danken hatte.

Die Truppe von Luis Enrique lieferte in der ersten Hälfte ein gutes und souveränes Vorbereitungsspiel auf die neue Saison, mehr war gegen diesen FC Sevilla nicht nötig. Das Team aus Andalusien wirkte bis dahin wie ein besserer Sparringspartner. Die Mannschaft von Trainer Unai Emery erlebte in der Transferperiode einen Aderlass der besten Kräfte, adäquater Ersatz offenbar noch nicht vorhanden. Es könnte eine problematische Saison vor dem sympathischen Verein liegen. Thema zur Halbzeit natürlich drei sehenswerte Freistöße und das schön herausgespielte 3:1. Messi, ter Stegen und Rakitić mit Halbzeitpfiff am Dienstagabend in Tiflis also klar auf Kurs in den nächsten Titelhafen. Tiflis? Ein UEFA Supercup-Endspiel zwischen spanischen Mannschaften in Georgien gehört eben zu den Funktionärs- und Marketingentscheidungen im Fußball, denen der normale Fan längst nicht mehr folgen kann.

Zur zweiten Hälfte startete Sevilla für einen Augenaufschlag engagiert, es wollte aber nichts gelingen. In der 52. Minute besorgte Luis Suárez das 4:1 für den FC Barcelona, vorausgegangen ein schwerer Schnitzer der gesamten Sevilla-Abwehr, wie man ihn von diesem Team selten erlebte in den letzten Jahren. Natürlich schien der Drops gelutscht und das Spiel entschieden. Oder? Barcelona weiter überlegen aber dennoch in den Heimflugmodus rutschend. Daher musste der bis dahin arg beschäftigungslose ter Stegen in der 57. Minute auch das 2:4 von Sevilla hinnehmen. Torschütze José Antonio Reyes nach Flanke des Franzosen Benoît Trémoulinas. In der 64. Minute Standing Ovations im Rund von Tiflis. Auch in Georgien hat der Name des großen Sportsmanns Andrés Iniesta offensichtlich Klang. Der Barça-Kapitän übergab die Binde an Lionel Messi, gefühlt der letzte Höhepunkt des Spiels. Von wegen. Das Spiel lief weiter an den meisten Akteuren von Sevilla vorbei und Barcelona schien gedanklich längst unter der Dusche, was sich im Fußball laut vieler Binsenweisheiten oft rächt. So gelang mit einem Elfmeter in der 72. Minute den Andalusiern der überraschende Anschlusstreffer, Kevin Gameiro verwandelte sicher. Aus einer gleißenden Überlegenheit wurde urplötzlich ein knappes Ergebnis. Der in der 69. Minute eingewechselte Jewhen Konopljanka hatte mächtiges Leben in die Sevilla-Bude gebracht und großen Anteil am sich entwickelnden Umschwung. In der 80. Minute betritt dann eine Dortmunder Erinnerung im Trikot von Sevilla den Platz, Ciro Immobile. Er macht, was er beim BVB eher selten tat, eine Minute nach Einwechslung umgehend ein Tor. Da war es passiert, 4:4-Ausgleich. Barcelona nun mit der Tatsache des notwendigen Erwachens konfrontiert.

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Wenn einer gigantischen Überlegenheit plötzlich ein Gemisch aus Arroganz und einsetzender Trägheit zur Seite tritt, der Gegner dafür ein Gespür entwickelt, dann ändert sich die Tektonik eines Spiels fließend. In Tiflis geschah genau dies und der FC Barcelona hatte nach 90 Minuten alles verspielt, was vorher in Sack und Tüten schien. Die Strafe folgte auf dem Fuß, keine Dusche und Hotel, sondern Verlängerung war angesagt. Spielerisch keine große Partie in der regulären Spielzeit, dafür entschädigten aber acht Tore und die Wiedergeburt von Sevilla auf offener Bühne. Was vor einer Stunde aufseiten des FC Barcelona noch leichtfüßig und spritzig aussah, wirkte im Verlauf der Nachspielzeit als würden aufgeschreckte Krampfhennen dem verschenkten Erfolg hinterherhetzen. Vieles verlor sich in allerhand Nicklichkeiten, die dem FC Sevilla deutlich mehr lagen. Barcelonas Jagd nach erneuter Überlegenheit und der Versuch, dabei Ruhe und gleichzeitg Dynamik in die eigenen Aktionen zu bekommen, zeitigte in der ersten Hälfte der Verlängerung kein Ergebnis, so ging es mit dem Remis in die letzten 15 Minuten. Sevilla schien in der Schlussviertelstunde die Aussicht auf ein Elfmeterduell zu beflügeln, Barça die selbe Aussicht eher zu lähmen. Was leuchtend begann, konnte für die Katalanen schließlich in einer düsteren Blamge enden und die Zeit lief Barcelona davon, nicht dem FC Sevilla.

Dann die Trauer für Andalusien und die Freude für Katalonien. Messis Nachschuss eines von ihm getretenen Freistoßes – da war sie wieder, die andauernde Lebensversicherung des FC Barcelona – kann von Sevilla-Torwart Beto nicht festgehalten weden, der nachsetzende Pedro ist zur Stelle und donnert den Ball aus kurzer Distanz ins Tor, 5:4 für den FC Barcelona. Wütende Angriffe des FC Sevilla führen in den Schlussminuten nicht mehr zum Ziel des Ausgleichs, bringen den Favoriten aber nochmals in Bedrängnis. Es bleibt beim 5:4. Nach 120 Minuten hat der FC Barcelona den UEFA Super Cup gewonnen.

Redaktion Magath & Fußball