Millionenrausch


Veröffentlicht am 19. August 2015

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Unglückliche Niederlage in Rom könnte Bayer 04 teuer zu stehen kommen

Die Jagd nach den Fleischtöpfen ist eröffnet: In der Champions League Qualifikationsrunde geht es um nicht weniger als eine erkleckliche Summe für die im Transferfenster oftmals arg strapazierte Vereinskasse. Stolze elf Millionen Euro garantiertes Startgeld bringt in dieser Saison ein Platz in der Gruppenphase der Königsklasse, Sieg- und Punktprämien noch nicht eingerechnet. Solche Zahlen sind selbst für finanziell auf Rosen gebettete Clubs wie Manchester United, Bayer Leverkusen oder den AS Monaco kein Pappenstiel. Der Unterschied zur Europa League ist enorm: Die zehn Verlierer-Teams der CL-Playoff-Partien sind ein Stockwerk tiefer zwar automatisch für die Gruppenphase gesetzt, das garantierte Startgeld dort ist mit „nur“ 2,4 Millionen Euro aber bedeutend geringer. Dieses Missverhältnis hat durchaus etwas von Resterampe, kein Wunder also, dass die Europa League für die meisten Topclubs nicht viel mehr als ein unattraktives Trostpflaster ist, das nicht selten eine stiefmütterliche Behandlung erfährt.

Schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Saison werden entscheidende Weichen für die nächsten zwölf Monate gestellt. Die Bundesliga-Vertreter dabei zumeist auf der Sonnenseite. In den letzten 17 Jahren zogen nur Borussia Mönchengladbach 2012 gegen Dynamo Kiew, der FC Schalke 2008 gegen Atlético Madrid und Borussia Dortmund 2003 im Elfmeterschießen gegen Brügge den Kürzeren. 15 Mal schafften dagegen die deutschen Clubs in den Playoff-Begegnungen den Sprung in die Champions League, in der Saison 1999/00 mit Hertha BSC (2:0 und 0:0 gegen Anorthosis Famagusta) und dem BVB (1:0 und 1:0 gegen den FK Teplice) sogar gleich zwei auf einen Schlag. Am häufigsten gefordert bislang der FC Bayern München und Werder Bremen, beide mit jeweils drei Auftritten und einer makellosen Bilanz. Während die Münchner 2011 den FC Zürich (2:0, 1:0), 2002 Partizan Belgrad (3:0, 3:1) und 1998 den FK Obilić (4:0, 1:1) ausschalteten, bezwangen die Bremer 2010 Sampdoria Genua (3:1, 2:3 n.V.), 2007 Dinamo Zagreb (2:1, 3:2) und 2005 den FC Basel (1:2, 3:0).

Auch Bayer Leverkusen hat in der Champions League Qualifikationsrunde bislang ausschließlich positive Erfahrungen gesammelt: 2004 ließ die Werkself Baník Ostrava aus Tschechien (5:0, 1:2) keine Chance, im vergangenen Jahr wurde der FC Kopenhagen (3:2, 4:0) deutlich besiegt. Diesmal allerdings erwischte es den Bundesliga-Vierten knüppeldick: Mit Lazio Rom bekamen die Leverkusener einen echten italienischen Brocken zugelost. Die Römer landeten in der Serie A in der Vorsaison nur einen Zähler hinter ihrem Stadtnachbarn auf Platz drei, erreichten zudem das Pokalfinale und erwiesen sich bereits im Hinspiel als eine ganz harte Nuss.

Bayer im Pech: Çalhanoğlu-Tor zählt nicht

Mit WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose im Sturmzentrum erwischte der zweifache italienische Meister den besseren Start und hatte nach sieben Minuten durch einen Distanzversuch von Kapitän Lucas Biglia die erste nennenswerte Torszene der Partie zu verzeichnen. Viele Ballverluste und Fehlpässe prägten das Bild auf beiden Seiten, bis sich der andere Kapitän, Lars Bender, ein Herz fasste und aus großer Entfernung wuchtig abzog. Das Leder krachte gegen den Pfosten – spätestens jetzt waren alle 35.000 Zuschauer im Olympiastadion hellwach. Nur eine Minute später rettete auch für Bernd Leno das Torgestänge: Im direkten Gegenzug hatte Klose den Bayer-Keeper bereits umkurvt, der Winkel allerdings war für den Angreifer, der in 137 Länderspielen für Deutschland 71 Tore erzielen konnte, zu spitz geworden. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff probierte es Hakan Çalhanoğlu noch einmal von der Mittellinie, konnte Etrit Berisha im Lazio-Kasten aber nicht überlisten.

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Durchgang zwei begann für die Römer ohne ihren Goalgetter: Klose musste mit Verdacht auf Muskelfaserriss in der Kabine bleiben und droht somit auch für das Rückspiel auszufallen. Für den Deutschen brachte Trainer Stefano Pioli den gerade einmal 20-jährigen Keita Baldé Diao, der schon bald seinen großen Auftritt haben sollte. Zunächst aber verhinderte eine Millimeter-Entscheidung die Leverkusener Führung: Çalhanoğlus Schuss wurde durch Stefan Kießlings hauchdünne Berührung abgefälscht, wäre wohl aber auch ohne das unabsichtliche Zutun des Torjägers im Netz gelandet. Großes Pech für Bayer: Das Schiedsrichtergespann erkannte wohl richtigerweise auf Abseits. Weil auch Neuzugang Admir Mehmedi weitere gute Gelegenheiten nicht zu nutzen wusste, blieb schließlich dem eingewechselten Lazio-Angreifer Keita der einzige Treffer des Abends vorbehalten. Mit einem beherzten Antritt durch die Mitte hängte der Senegalese seinen Bewacher Jonathan Tah ab und setzte seinen Flachschuss unhaltbar für Leno an den Innenpfosten, von wo aus der Ball hinter die Linie trudelte. Auch Kyriakos Papadopoulos, der mit einem Stockfehler die Italiener überhaupt erst in Ballbesitz brachte, sah hier alles andere als gut aus.

Diese in jeder Hinsicht vermeidbare Niederlage könnte Bayer 04 nun teuer zu stehen kommen. Am kommenden Mittwoch, 26. August, treffen sich beide Mannschaften zum Rückspiel in der BayArena. Sollte Lazio im Rheinland dann ein Auswärtstor gelingen, müsste man sich in Leverkusen wohl mit der Europa League anfreunden.

Redaktion Magath & Fußball