Nun auch Spanien


Veröffentlicht am 22. August 2015

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Aritz Aduriz (Mitte) erzielte in zwei Supercup-Partien gegen den FC Barcelona stolze vier Treffer.

Aritz Aduriz (Mitte) erzielte in zwei Supercup-Partien gegen den FC Barcelona stolze vier Treffer.

Primera División steigt ins Geschehen ein

Während die anderen Großligen längst auf der Wegstrecke, startete die Primera División am gestrigen Abend mit der Auftaktpartie FC Malaga gegen den Europa League Sieger FC Sevilla in die Saison 2015/16. Dieser Start zeigte keine spanische Fußballästhetik und kam eher als verbissenes Kartenfestival daher. Sieben Gelbe Karten und eine Gelb-Rote für Sevillas Steven Nzoni standen am Ende bei einem hitzig umkämpften 0:0 zu Buche. Der erste Spieltag bietet in den Ansetzungen viel Hausmannskost und ein sehr interessantes Duell. Der FC Barcelona muss erneut ins Baskenland zu Athletic Bilbao, wo die stolzen Katalanen in der vergangenen Woche im spanischen Supercup mit einer 0:4-Klatsche deutlich unter die Räder gerieten. Für die einen nur Betriebsunfall, für die anderen Menetekel auf eine bevorstehende Barça-Saison der mäßigen Sorte. Das Spiel bietet jedenfalls Boden für mediale Spekulationen jeder Art und die sprudeln wie immer in solchen Fällen reichlich. Aufgerüstet hat der Champions League Sieger nicht. Die Stammelf in Topform und mit Lust, wenn alles an Deck und gesund, sicher wieder für Meisterschaft und Champions League gleichermaßen ein sehr heißer Anwärter. Die zweite Reihe des FC Barcelona fällt dagegen merklich ab, wird den hohen Barça-Ansprüchen nicht gerecht. Auch La Masia wirft Weltklasse nicht im Jahrestakt aus.

Sollte Barça eine gewisse Erfolgssättigung überfallen, Stammkräfte länger pausieren, dann könnte die Stunde von Real schlagen. Für viele Fans im spanischen Fußball, glaubt man dortigen Umfragen, ist Real sowieso der Favorit im kommenden Titelrennen. Ohne die abgeschobene Real-Legende Iker Casillas, der seinen Zenit überschritten und unsanft entfernt nun in Porto seinen Dienst tut, aber mit neuem Trainer geht Real an den Start. Der geborene Madrilene Rafael Benítez soll es nun auf der Trainerbank richten, auch von ihm wird mindestens Meisterschaft und Champions League Sieg erwartet. Darunter macht es Real-Präsident Florentino Pérez nicht. Wie der mit Disziplin und klaren Vorgaben arbeitende Trainer, dem Abwehrarbeit stets wichtig und notwendig, mit einer Ansammlung von Diven plus einem exaltierten Entertainer arbeiten kann und seine Philosophie ins Team bringt, ist vor dem Saisonstart vielen noch eine offene Frage. Auch Real hat für seine üblichen Verhältnisse den Transfermarkt bisher wenig bemüht. Man rätselt in der Fußballwelt derweil, wann David de Gea im Real-Tor stehen wird und nicht ob. Potenzial für ein Kopf-an-Kopf Rennen mit den Katalanen ist vorhanden, auch der Champions League Titel kann bei optimalem Verlauf ins Visier der Königlichen rücken.

Der Kolumbianer Jackson Martínez (Mitte) soll bei Atlético den Abgang von Mario Mandžukić zu Juventus Turin vergessen machen.

Der Kolumbianer Jackson Martínez (Mitte) soll bei Atlético den Abgang von Mario Mandžukić zu Juventus Turin vergessen machen.

Drei Teams wollen dieses Duo nicht tatenlos davonziehen lassen. Atlético Madrid weiß bestens, wie man beide aus dem Sattel hebt, möchte diesen Triumph gerne wiederholen. Dafür hat man sich so verstärkt wie kein anders Team in Spaniens Eliteliga, 126 Millionen kosteten die bisherigen Neuzugänge. Hinter Porto-Stürmer Jackson Martínez waren Europas Top-Clubs her, er landete aber bei Atlético an. Ein starkes Zeichen. Man scheint erneut gerüstet, es den Giganten zu zeigen und sogar zu verderben. So möchte sich auch der FC Valencia positionieren. Man verlor zwar den Weltklasse-Verteidiger und Abwehrchef Nicolas Otamendi, investierte aber beachtliche 107 Millionen in neue Kicker. Ob es gemeinsam mit der Heraufbeschwörung alter Zeiten von Meisterschaft und Champions League Finale für den Angriff auf die Spitze reicht und für eine wirkliche Überraschung taugt, wird sich zeigen müssen. Der FC Sevilla möchte in der heimischen Liga für ähnliche Furore sorgen, wie er es regelmäßig in der Europa League tut. Es sieht allerdings nach dem Auftakt bei Malaga nicht danach aus, als dass man den Teams von Real, Barça, Valencia und Atlético über die ganze Saison Paroli bieten könnte. Aber es gibt da ja noch Europa.

Der Rest der Liga scheint abgehängt und eher im Schweigen. Es sind der finanziellen Mittel dann wohl doch zu wenig in Sachen ernsthafter Konkurrenz für die da oben. Unter den Kleinen auch der sehr kleine SD Eibar mit seinem 6.000 Zuschauer Stadion, Lieblingsverein der Fußballromantiker weit über die spanischen Grenzen hinaus. Dem anderen baskischen Club Athletic Bilbao trauen einige Beobachter der spanischen Fußballverhältnisse  sogar den Titel der Überraschungsmannschaft in der anlaufenden Saison zu. Einer fehlt im Gefüge der Primera División nach 17 Jahren erstmals und für immer, ein Unersetzbarer. Xavi ist nicht mehr dabei, trabt dem Ball nun fürstlich entlohnt im gekühltem Wüstensand hinterher. Der Fußball sollte ab und an einen Dank an ihn entsenden, hiermit getan. Was an diesem Wochenende in Spanien beginnt, endet am 15. Mai 2016 mit dem 38. Spieltag, genau einen Tag nach dem Finale der Bundesliga.

Redaktion Magath & Fußball