Blütenweiße Weste der Citizens


Veröffentlicht am 26. August 2015

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Premier League nach drei Spieltagen – eine Momentaufnahme

Ein fulminantes 0:0 zwischen Arsenal und dem FC Liverpool im Emirates Stadium beschloss Montagabend den dritten Spieltag der Premier League. Beide Teams hätten phasenweise auch den Sieg verdient, spielten und kämpften auf Augenhöhe und zur Begeisterung des Publikums. Die Gunners wie die Reds spielten Fußball und zeigten an, in Sachen Titel ein Wort mitreden zu können. Liverpool dabei besser in die Saison gekommen. Defensiv steht die Null, mit Manchester United und Manchester City ist man das einzige Team in der Premier League, welches noch ohne Gegentreffer. Brendan Rodgers ist der Umbau und der Einbau seiner neuen Kräfte gut gelungen. James Milner, Christian Benteke und Roberto Firmino scheinen zu passen und Liverpool stärker zu machen als dies in der vergangenen Saison der Fall war. Musterprofi Milner dabei sofort ein Leader, der den Wegfall der Integrationsfigur Steven Gerrard kompensiert. Mit Platz drei ist der FC Liverpool gut im Rennen. Arsenal dagegen mit einer Niederlage, einem Sieg und einem Remis durchwachsen aus den Startblöcken gekommen – aber weiterhin mit großen Erwartungen. Das Team von Arsène Wenger kann diese trotz fünf Punkten Rückstand auf Tabellenführer Manchester City erfüllen.

Große Erwartungen hat man natürlich in Manchester. City ist der Start-Souverän der ersten Spieltage, die Weste blütenweiß. Drei Siege, die meisten Tore und kein Gegentreffer, Tabellenplatz eins der Lohn einer starken Teamleistung. In der Mannschaft stimmt es, der sachliche Manuel Pellegrini hat die Startruppe offensichtlich wieder mit Ehrgeiz gefüttert. Yaya Touré zieht die Fäden wie in besten Zeiten, Rekordeinkauf Raheem Sterling findet ins Team und Sergio Agüero wirbelt in der Offensive. Nun kommt noch der robuste Nicolás Otamendi vom FC Valencia in der Defensive dazu, City ist offensichtlich der heißeste Titelkandidat. Ob Kevin De Bruyne die Citizens noch stärker macht oder Probleme in der Premier League bekommt, wird sich zeigen. Gradmesser für Können und Stärke des Teams soll die Champions League werden, ein für den Club bisher unbestelltes wie trübes Feld.

Beim Nachbarn United plagt sich Louis van Gaal noch mit dem Feinschliff, konnte aber einen Fehlstart vermeiden, zwei Punkte hinter City ist man derzeit auf Platz vier gut im Rennen. Dem Spiel von United fehlt etwas Esprit, auch scheint van Gaal seine Stammformation noch nicht gefunden zu haben. Bastian Schweinsteiger ist gut in Manchester angekommen, hat sich bei United als Sportler und Mensch mit Sympathie und Leistung eingebracht. Die dröhnenden Überhöhungen deutscher und die ersten Nörgeleien englischer Medien spiegeln wenig von der Alltagsrealität des Bastian Schweinsteiger wieder. Da hat der Neuzugang aus Deutschland allerdings großes Glück, keinen Trainer schert das geschriebene wie gesprochenen Getöse wohl weniger als den Holländer, der Schweinsteiger behutsam an dessen neue Aufgabe heranführt. Genervt zeigt sich van Gaal nur vom Transfertheater um David De Gea. Der spanische Torwart will zu Real, hat aktuell noch keine Minute gespielt und bestimmt die Diskussion um Manchester United. Das Team geht damit professionell um wie zu besten Alex Ferguson Zeiten, die Meute brüllt und die Karawane zieht weiter. Ob die Karawane am Meistertitel halt macht, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch fraglich. Aber United ist wieder lebendig.

Der Schein trügt: Eden Hazard und der FC Chelsea sind noch nicht richtig auf Touren.

Der Schein trügt: Eden Hazard und der FC Chelsea sind noch nicht richtig auf Touren.

Ausgeglichen wie unbefriedigt ist der FC Chelsea in die Saison gekommen, die 0:3-Klatsche gegen Manchester City bleibt ein schmerzender Stachel und Gepäck für die nächsten Wochen. Mourinho reagierte mit einem Transfer und holte sich den in Barcelona unzufrieden schmorenden Pedro, der landete am dritten Spieltag sofort in der Startformation und bedankte sich gleich mit einem Einstandstor. Platz zehn in der Tabelle und vier Punkte sind nicht der Anspruch von José Mourinho und Roman Abramowitsch. Der Portugiese las einigen seiner Stars deutlich die Leviten. Die Botschaft kam offensichtlich an. Wie er den Fall John Terry löst, wird ihn weiter beschäftigen, wenn er dies auch vehement bestreitet. Terry ist eine Ikone bei Chelsea und ein Machtfaktor im Club. Seine Leistungen halten europäischen Standards längst nicht mehr stand, Auswechslung wie Rote Karte heißen sein Saisoneinstand, vielleicht hört selbst ein John Terry diese Signale und zieht daraus Schlüsse. Von außen wollte man Mourinho eine andauernde Diskussion ob seiner Kritik an der Chelsea-Teamärztin Eva Carneiro aufzwingen. Mourinho blieb aber konsequent bei seiner getroffenen Entscheidung und ließ sich nicht vor den Karren einer veröffentlichten Meinung spannen oder von dieser treiben. Sein Team wird angreifen müssen. Was liebt José Mourinho aber mehr als den Angriffsmodus? Noch mehr Boden auf Manchester City verlieren würde ein zentrales Saisonziel gefährden, den angestrebten vierten Mourinho-Titel mit Chelsea. Dann hätte der Mann aus Setúbal auch einen mehr am Kragen als der französische Herr von den Gunners.

Wackelig das Überraschungsteam der letzten Saison. Der FC Southampton muss bis Januar auf seinen Stammtorwart Fraser Forster verzichten und behilft sich mit dem Transfer von Marten Stekelenburg. Dieser ist tatsächlich nur Ersatz im Kasten, die meisten Gegentore und Platz 18 sind für Southampton ein erstes Alarmzeichen. Bedroht fühlt sich auch der Letzte und Vorletzte der Tabelle. Sunderland und West Brom gehörten zum erweiterten Kreis der Abstiegskandidaten und zieren nun schon das Ende der Tabelle. Unbefriedigend der Start von Tottenham Hotspur. Wieder wollte man oben angreifen, erneut stockt es schon am Start. Sieglos geht man Richtung Spieltag vier und hat dort mit dem FC Everton kein Fallobst zu Gast. Das Team aus Liverpool hat mit vier Punkten einen besseren Start und gegen Manchester City lange mitgehalten. Ähnlich wie die Spurs und West Ham United hat man Ambitionen aber wohl nicht die Kraft oben anzuschließen. West Ham und Neu-Trainer Slaven Bilić bringen drei Punkte aus dem Start mit, sicher hatte man sich besseres erhofft.

Claudio Ranieri legte mit Leicester City einen Traumstart hin und sammelte sieben Punkte aus den ersten drei Partien.

Claudio Ranieri legte mit Leicester City einen Traumstart hin und sammelte sieben Punkte aus den ersten drei Partien.

Bei Leicester City steht mit Claudio Ranieri ein ehemaliger Chelsea-Coach an der Linie. Er hat dem Team eine Ordnung gegeben, die in der letzten Saison sträflich vermisst wurde und mit seinen Jungs Platz zwei der Tabelle erobert, ein guter Start. Den verzeichnen auch Crystal Palace und Swansea, die mit sechs und fünf Punkten bislang zu überzeugen wussten. Auch Neuling Watford kann mit drei Unentschieden zufrieden sein, man gehört damit neben Manchester City, Leicester, Liverpool, Manchester United und Swansea zu den noch ungeschlagenen in der englischen Eliteliga, hat aber auch noch keinen Sieg auf der Habenseite. Darin ist man Leidensgefährte von West Brom, Sunderland, Southampton, Newcastle, Tottenham und Stoke. Die beiden Mitaufsteiger AFC Bournemouth und Norwich City konnten bereits einen Sieg verbuchen und werden mit dem Tabellenmittelfeld belohnt. Erstaunlich noch Aston Villa, nach einem Ausverkauf der besten Kräfte scheint man sich schnell gefunden und macht bisher nicht den Eindruck – wie von vielen im Vorfeld erwartet – durchgereicht zu werden. Bisher alles Schlaglicher und Momentaufnahmen, für Bilanzierungen ist die Zeit noch längst nicht reif. Am Wochenende der vierte Spieltag, fast alle Teams brennen auf Korrektur der Startphase und wollen es den Zufriedenen schnell und heftig zeigen. Die Liga mit der Geldschwemme wird sicher auch den Transfermarkt noch bis zur letzten Sekunde in Atem halten.

Redaktion Magath & Fußball