Und jährlich grüßt das Murmeltier


Veröffentlicht am 3. September 2015

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RB Salzburg kommt nicht von der Stelle

Dieses Déjà-vu ist kein Traum, sondern wiederkehrende Realität im Fußballuniversum FC Red Bull Salzburg. Man bekommt international keinen Fuß auf die Erde – was in der Heimat strahlt, wirkt auf europäischem Parkett nur blass und desaströs, pendelt zwischen Fiasko und Blamage. In zehn Jahren haben es eine Heerschar von dauerhaften und wechselnden Verantwortlichen nicht geschafft, dem Verein eine unbedingte Siegermentalität einzuimpfen, die für das Bestehen auf internationalem Parkett unabdingbar. Im April 2005 übernahm die Red Bull GmbH die Salzburg Sport GmbH, in der Folge auch den SV Austria Salzburg, der unter neuem Namen und mit fürstlichen Mitteln ausgestattet das Paradepferd der roten Brause in Sachen Fußball werden sollte. Unter dem Namen Red Bull Salzburg holte man seither sechs österreichische Meistertitel und drei heimische Pokalsiege. Toll. Der alte Verein schaffte in den 90er Jahren ohne Energiedrink allerdings auch drei Meistertitel. Red Bull ist natürlich die Fußballmarke in Österreich, eine Art Abonnementmeister. Aber die Musik der Champions League, immer Anspruch eines Weltkonzerns, der dem Fußball üppige Zuschüsse anvertraut, hört man nur von ferne klingen, in den Konzertsaal der Großen gibt es keinen Zutritt.

In Salzburg versuchten sich als Trainer unter anderem Kurt Jara, Giovanni Trapattoni und Huub Stevens. Der Sportdirektor heißt seit 2012 Ralf Rangnick, besser wurde dadurch nichts, der internationale Berg bleibt zu hoch für die Salzburger Kletterer. FC Valencia, Schachtjor Donezk, Maccabi Haifa, Hapoel Tel Aviv, F91 Düdelingen (Luxemburg), Fenerbahçe Istanbul und Malmö FF hießen die Stoppzeichen auf dem Weg in die Königsklasse. Ob klingende Namen oder Zwerge des Fußballs, als Verlierer gingen immer die Roten Bullen vom Platz. Längst hat man sich bequemt und eingerichtet, statt einer Anstrengung minimiert man lieber die Ziele und will sich künftig schon glücklich schätzen, wenn man in der Europa League dabei und dort Erfolg hat. Dieses Abenteuer begann nun so kläglich, wie alle Versuche in die Champions League zu gelangen. Auch in der Europa League bleibt den Salzburgern der Einlass verschlossen. Bei Dinamo Minsk setzte es im Hinspiel eine 0:2-Niederlage. Im heimischen Rückspiel glich man diese noch aus, es folgte dann aber die 2:3-Niederlage im notwendigen Elfmeterschießen. Selbst der Sprung in die Gruppenphase der Europa League also für Red Bull Salzburg eine Nummer zu groß. Das Phlegma von Niederlage und Mittelmaß wird in Salzburg wohl weiter Hauptakteur auf internationaler Bühne bleiben. Dazu kommt noch Ungemach aus dem eigenen Haus. Die Zuneigung in Sachen Fußball liegt dort längst bei den Nachgeborenen von RB Leipzig, das jüngste Fußballkind wird liebevoll gehätschelt, wenn auch der wirkliche Qualitäts- und Härtetest dort längst nicht erbracht. In Salzburg wird man es wohl mit hängendem Kopf aber fröhlicher Lippe ertragen und es weiter relativ gemütlich haben, um heimische Titel spielen und von den großen wie unerreichbaren Dingen des Fußballs träumen.

Redaktion Magath & Fußball