Rangers nehmen Fahrt auf


Veröffentlicht am 4. September 2015

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Bei den Glasgow Rangers stimmt es wieder – das Team lebt

Als der 1955 im Glasgower Stadtteil Castlemilk geborene Geschäftsmann Dave King im März 2015 das Ruder bei den Glasgow Rangers übernahm, hatte er Fangruppen, Investoren, Anteilseigner – unter ihnen auch Felix Magath – sowie Unterstützer, Freunde und Anhänger an seiner Seite. Ein sicht- und spürbarer Neuanfang sollte durch ein starkes Zeichen der Eintracht auf den Weg gebracht werden. Die Jahre des Niedergangs und der Zwietracht, der unredlichen Geschäfte und der falschen Entscheidungen sollten nun endlich ein Ende haben. Es war nicht einfach, aber es gelang seither einiges. Seit einem halben Jahr wird ordentlich gearbeitet beim großen Traditionsclub, die Weichen für ein sportliches Wiedererstarken richtig gestellt. Es ist noch viel zu tun und längst sind nicht alle Krisenherde bereinigt. In sechs Monaten lässt sich schwerlich mit einem Wimpernschlag etwas korrigieren, was sehr viele Jahre schiefgelaufen ist. Aber die Richtung stimmt inzwischen und die Rangers machen Schlagzeilen auf dem Platz und auf den Rängen.

Über die grandiose und zahlenmäßig riesige Rangers-Anhängerschaft und deren Verhalten in schlechten wie guten Zeiten würden sich viele Champions League Teilnehmer vor Freude im Karree drehen. Mehr Fußballleidenschaft lässt sich schwerlich finden. Das Team hat diesen Ball aufgenommen und geht die Saison unter Trainer Mark Warburton furios an. Nach Viert-, Dritt- und Zweitklassigkeit soll nun der Sprung zurück in die erste Liga gelingen, die Scottish Premiership ist erklärtes Ziel. Das Team hat an den ersten vier Spieltagen der Scottish Championship, Schottlands zweiter Liga, ein deutliches Zeichen gesetzt, mit den Rangers ist wieder zu rechnen. Mit Mark Warburton steht seit Juni 2015 ein neuer Trainer an der Linie, der seinen Job gut erledigt und das Team in der Vorbereitung radikal runderneuerte.

Mit Saisonbeginn hat Warburton eine Stammformation gefunden, die sofort überzeugte. In dieser Startformation gab es bisher nur zwei zentrale Wechsel. Der mit 35 Jahren sehr erfahrene Kenny Miller ersetzte den U19-Spieler Tom Walsh im Angriff und der hochgehandelte Neuzugang auf Zeit von Arsenal London, Gedion Zelalem, kam für Nicky Law im zentralen Mittelfeld zum Zug. Am vierten Spieltag landete der für eine Saison von den Gunners ausgeliehene Zelalem umgehend in der Startelf. Das Team von Warburton gewann diese Partie beim Mit-Aufstiegsaspiranten Queen of the South mit 5:1, ein deutlicher Auswärtssieg. Dieser allerdings unterstützt durch eine frühe Rote Karte gegen Gastgeber Queen of the South. Gedion Zelalem war jedenfalls sofort eine Schaltstelle im Spiel der Rangers, immer anspielbereit und trotz seiner Leichtgewichtigkeit auch in den Zweikämpfen präsent. Er überraschte mit seinem Einstand und einer starken Leistung den Trainer, Mitspieler und Beobachter. Arsène Wenger wird dies im fernen London mit Freude vernehmen. Der Spieler der Gunners, von dem man sich bei den Rangers in dieser Saison noch einiges erwartet, ist äthiopischer Abstammung, in Berlin geboren und besitzt die US-amerikanische und die deutsche Staatsbürgerschaft, spielte bereits für deutsche U15-, U16- und U17-Mannschaften und absolvierte vier Spiele für die U20 der USA. Der Sprung in Richtung A-Team der Soccer Boys steht bevor.

Rangers-Leihgabe Gedion Zelalem scheiterte mit der U20-Nationalmannschaft der USA bei der Weltmeisterschaft in Neuseeland im Viertelfinale erst im Elfmeterschießen am späteren Turniersieger Serbien.

Rangers-Leihgabe Gedion Zelalem scheiterte mit der U20-Nationalmannschaft der USA bei der Weltmeisterschaft in Neuseeland im Viertelfinale erst im Elfmeterschießen am späteren Turniersieger Serbien.

Die Verantwortlichen bei den Rangers, allen voran Coach Mark Warburton, können nach vier Spieltagen durchaus zufrieden sein. Man hat mit zwölf Punkten eine makellose Bilanz vorzuweisen, der Start gelang, Platz eins der Lohn. Dazu kommt eine beachtliche Torausbeute von 14:3 Treffern. Besonderes Glanzstück ist im Augenblick das Außenverteidigerpaar. Lee Wallace auf links und Neuzugang James Tavernier auf rechts lassen defensiv wenig zu und spielen ihre Offensivqualitäten aus. Tavernier hat bereits drei Treffer erzielt und zwei Vorlagen geliefert, Wallace steht dem mit zwei Toren und einer Vorlage nur wenig nach. Die Rangers-Offensive muss sich anstrengen, um den beiden zu folgen. Außerordentlich froh ist man über die gelungene Integration neuer Spieler und den Totalumbau der Mannschaft. Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese positive Erkenntnis mehr Grund zur Freude als die Tabellenführung zu Saisonbeginn. Am vierten Spieltag standen neben dem Deutsch-Amerikaner Zelalem noch sieben weitere Neuzugänge in der Startformation.

Die Transferpolitik der Rangers darf als gelungen bezeichnet werden. Man weiß natürlich auch bei den Rangers von den Fallstricken einer langen Saison und lässt sich nicht in Genügsamkeit fallen. Trainer Warburton hält den Ball flach, lässt keinen Übermut zu und hat sein Team im Griff. Die Arbeit des Trainerstabs wird von Dave King geschützt, ein enormer Rückhalt für den Coach und seinen Stab. Das vom erfahrenen Kapitän und Abwehrrecken Lee Wallace aufs Feld geführte Team kommt sehr britisch daher und beschämt darin vor allem die protzende Premier League. In der augenblicklichen Stammelf finden sich sechs Schotten, drei Engländer und ein Ire, die eben durch den „Berliner“ Zelalem kontinental unterstützt werden. Noch wichtiger als nationale und regionale Zugehörigkeiten ist den Fans aber der greifbare Teamgedanke, den sie auf dem Rasen von Spieltag zu Spieltag spürbar erleben und schätzen.

Es stimmt bei den Rangers momentan auf und neben dem Patz sowie auf den Rängen und in der Tabelle. Damit es so bleibt, sind sie in Glasgow alle sehr wachsam und arbeiten konzentriert weiter am großen Ziel, das da heißt Scottish Premiership. Und auch Celtic ruft, denn sollte die Rückkehr nach ganz oben gelingen, gibt es in Europa endlich wieder das legendäre Old Firm Derby. Es wäre dann Nummer 401 dieses historischen Vergleichs. Doch vor dem Olymp stehen zunächst der Schweiß und profanere Aufgaben. Am Samstag geht es bereits in den fünften Spieltag der Scottish Championship. Die Rangers empfangen den Tabellenvierten Raith Rovers im Ibrox-Park, der wohl wieder ausverkauft sein wird.

Redaktion Magath & Fußball