Die Ordnung wiederhergestellt


Veröffentlicht am 5. September 2015

1 Flares 1 Flares ×

imago20968678m_c

Vier Bayern-Torschützen in Frankfurt

Na bitte, es geht doch! Mit ihrem wohl besten Auftritt seit dem WM-Gewinn vor 14 Monaten hat die DFB-Elf die Tabellenführung in ihrer EM-Qualifikationsgruppe übernommen – und das mit einem ebenso standesgemäßen und verdienten wie ansehnlich herausgespielten 3:1-Sieg über den bisherigen Spitzenreiter Polen. In der mit knapp 50.000 Zuschauern ausverkauften Frankfurter Commerzbank-Arena präsentierte sich der Weltmeister zwar bei weitem nicht fehlerfrei, deutete aber insbesondere in der Offensive mit viel Ballsicherheit und Spielwitz an, dass er auch beim EM-Turnier im nächsten Jahr in Frankreich wieder zu den Top-Favoriten auf den Titel gezählt werden muss. Allen voran der oft und gerne kritisierte Mario Götze – in München alles andere als unverzichtbarer Stammspieler – nutzte die Bühne Nationalmannschaft und betrieb mächtig Werbung in eigener Sache. Seinen vollmundigen Ankündigungen („Ich weiß, dass ich eine enorme Qualität habe.“) ließ er gegen Polen Taten folgen. Von Bundestrainer Jogi Löw einmal mehr als „falsche Neun“ aufgeboten, schnürte Götze im wichtigen Spitzenspiel der Gruppe D einen Doppelpack und verbesserte die eigene Ausbeute im Nationaltrikot auf nunmehr 16 Tore in 46 Begegnungen. Der noch immer erst 23 Jahre alte Angreifer dürfte nicht zuletzt aus diesem Grund einiges an Selbstvertrauen aus der Partie mit in die nächsten, für seine Zeit bei den Bayern möglicherweise richtungsweisenden Wochen nehmen. Derweil gingen auch die anderen beiden Treffer aus das Konto von FCB-Angestellten. Für Deutschland traf Thomas Müller zur frühen Führung, für den einzigen polnischen Torjubel sorgte Robert Lewandowski.

Bereits nach zwölf Minuten führte eine herrlich anzuschauende DFB-Kombination zum sechsten Müller-Treffer der laufenden EM-Quali. Kölns Jonas Hector spielte sich im Doppelpass mit Leverkusens Karim Bellarabi in den Strafraum, legte schulbuchmäßig quer und der Torjäger hatte aus fünf Metern leichtes Spiel. Sieben Minuten später war der deutsche Traumstart perfekt: Götze zog in den Sechzehner, ließ einen Gegenspieler aussteigen und schoss fulminant links unten ein. Łukasz Fabiański von Swansea City ohne jede Abwehrchance. Bis zum Pausenpfiff allerdings kamen die Gäste fortan stärker auf und belohnten sich in Person von Lewandowski mit dem Anschlusstreffer. Der vormalige Bundesliga-Torschützenkönig überwand seinen Münchner Teamkollegen Manuel Neuer per Flugkopfball im Anschluss an eine feine Außenristflanke von Kamil Grosicki. Unmittelbar vor dem Gang in die Kabine hatte Lewandowski sogar den Ausgleich auf dem Fuß, ausgerechnet Götze aber verhinderte auf der eigenen Torlinie das 2:2. Nach dem Seitenwechsel hatten die Hausherren mehrfach die Entscheidung vor Augen, scheiterten aber entweder am Gebälk (57. Götze) oder am stark aufgelegten Fabiański (71. Özil, 72. Hummels), sodass es bis in die Schlussphase hinein spannend blieb. Dann jedoch war Götze ein zweites Mal zur Stelle und drückte den Abpraller nach einem abgefälschten Müller-Geschoss zum 3:1 über die Linie (82.).

Sensation in Tiflis: Valeri Kazaishvili (vorne) von Vitesse Arnheim erzielt das 1:0-Siegtor gegen Schottland.

Sensation in Tiflis: Valeri Kazaishvili (vorne) von Vitesse Arnheim erzielt das 1:0-Siegtor gegen Schottland.

In Gruppe D ist also die Ordnung zumindest vorerst wiederhergestellt: Deutschland nach sieben Spielen (fünf Siege, eine Niederlage, ein Remis) mit 16 Zählern Tabellenführer vor Polen (vier Siege, eine Niederlage, zwei Remis) mit 14 Zählern. Auf Rang drei gegenwärtig Irland (zwölf Punkte), das in Faro gegen Gibraltar problemlos mit 4:0 gewann. Schottland auf Rang vier (elf Punkte) musste in Tiflis derweil eine unnötige 0:1-Niederlage hinnehmen und verspielte seine gute Ausgangsposition im Kampf um einen der ersten beiden Plätze. Ausgerechnet bei den Schotten gilt es für Deutschland nun am Montag (7. September, Anstoß um 20.45 Uhr), die eigene Spitzenposition zu bestätigen. Fraglos eine unbequeme Aufgabe, der schottische Patzer bei den abgeschlagenen Georgiern daher eine durchaus willkommene Überraschung.

Redaktion Magath & Fußball