Tore, Debütanten und ein Derby


Veröffentlicht am 14. September 2015

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Ein Blick auf Europas Top-Ligen

Falsche Territorien. Cristiano Ronaldo läuft in Barcelona gegen Espanyol auf und schießt für Real Madrid fünf Tore beim 6:0-Auswärtssieg. Damit pulverisiert er den von Raúl mit 228 Treffern gehaltenen Torschützenrekord bei den Königlichen und liegt nun mit 230 Treffern auf Platz eins der ewigen Bestenliste. Raúl benötigte für seine 228 Tore insgesamt 550 Spiele, Ronaldo für seine Quote 203 Spiele. Sensationeller Wert des Portugiesen, der auch gleich noch an Clublegende Alfredo Di Stéfano vorbeizog. Der hatte in 329 Spielen für sein Weißes Ballett 227 Tore auf die persönliche Habenseite gebracht. Wird Ronaldos Torquote auch oft von schrecklicher Eitelkeit überlagert, die Statistik spricht staunenswert für ihn. Espanyol war allerdings auch ein Gegner an der Grenze zur Peinlichkeit. In solchen Partien, wo selbst die Frisur keinerlei Schaden nimmt, findet Ronaldo seine größte Profession und echte Lust am Spiel. Den ihm gebotenen Nährboden für eine One Man Show kann dann keiner so gut beackern wie der Mann aus Funchal. Einer, der mit CR7 mithält, diesem auch nach Belieben das Wasser reichen kann und dem Spiel doch den Mannschaftscharakter erhält, bleibt stets Lionel Messi, der andere Großstern im Blendwerk Fußball. Messi lief in Madrid auf und saß beim Spitzenspiel seines FC Barcelona gegen Atlético Madrid anfangs auf der Bank. Der kleine Argentinier wurde zum zweiten Mal Vater und bekam von Trainer Luis Enrique eine vermeintliche Pause geschenkt.

Machen Not oder der Fußball es nötig, kann eine Messi-Pause sehr schnell kürzer ausfallen als geplant. Beim Stande von 1:1, Fernando Torres und Neymar hatten die Tore geliefert, kam Messi in der 60. Minute ins Spiel und ersetzte Ivan Rakitić. In der 77. Minute netzte der Argentinier dann zum entscheidenden 2:1-Siegtreffer ein. Dieser ein individuelles Meisterstück, ein Tor für die Galerie und YouTube. Damit die Tabellenführung in der Primera División mit 4:1 Toren und neun Punkten zum ersten Mal in diesem Spieljahr in den Händen von Barça, zwei Punkte dahinter Real Madrid mit 11:0 Treffern. Der bisherige Tabellenführer SD Eibar rutschte mit einem 0:0 in der Auswärtspartie beim FC Malaga auf Platz vier ab. Die Begeisterung im kleinen Baskenstädtchen hält weiter an. Von Fußballeuphorie lässt sich in einer großen englischen Stadt momentan dagegen schwerlich reden.

City weiter ohne Punktverlust, Youngster Kelechi Iheanacho sei Dank.

City weiter ohne Punktverlust, Youngster Kelechi Iheanacho sei Dank.

In London ist Arsenal die Nummer eins, in der Premier League Tabelle nur die Nummer vier. Vorn die aus Manchester und ein Zwerg. Die Gunners siegten daheim gegen Stoke glanzlos mit 2:0, Torschützen Theo Walcott und Olivier Giroud. Das Team von Manchester City agierte im August wie ein Souverän, Manuel Pellegrini wurde zum Trainer des Monats gewählt. Dieser Souverän kam allerdings bei der Auswärtshürde Crystal Palace mächtig ins Wanken und der bisher makellosen Weste drohte ein erster Fleck. Während des Spiels bekamen sich der ansonsten stoische Pellegrini und der für cholerische Attacken bekannte Heimtrainer Alan Pardew in die Wolle. Am Ende aber ein entspannter Händedruck. Pellegrini musste in der 25. Spielminute Sergio Agüero verletzungsbedingt vom Platz nehmen. Diese Auswechslung brachte den teuren wie vieldiskutierten Kevin De Bruyne aufs Feld, der nicht in der Startelf stand und so zu seinem Debüt bei den Citizens kam. Es war aber nicht sein Debüt, welches später die Schlagzeilen bestimmte. Crystal Palace war zwar bei den Torchancen etwas im Hintertreffen, hielt aber auf dem Platz und gerade bei den vielen Kopfballduellen sehr engagiert mit und dagegen. Der teuren Weltauswahl von City lief die Zeit davon. In der 89. Minute setzte Pellegrini auf einen Newcomer. Der nigerianische Youngster Kelechi Iheanacho bekam seinen ersten Einsatz und dankte umgehend mit dem in der 90. Minute erzielten Siegtreffer zum 1:0. Mit der optimalen Ausbeute von 15 Punkten belegt Manchester City weiterhin den ersten Platz der Premier League Tabelle.

Bei Manchester United ging es in der ersten Halbzeit im heimischen Old Trafford gegen den FC Liverpool beidseitig langsam her. In Halbzeit zwei gelang den Red Devils gegen den Erzrivalen FC Liverpool dann der verdiente Sieg. Die Reds, mit einem sehr statisch und unflexibel wirkenden Abwehrsystem, kassierten in der 86. Minute das entscheidende dritte Tor zum 1:3. Für United traf Neuzugang Anthony Martial, der einen furiosen Alleingang sehenswert abschloss. Martial war in der 65. Minute für Juan Mata aufs Feld und zu seinem Debüt gekommen. Das Tor des Tages war aber der vorübergehende 1:2-Anschlusstreffer der Reds durch Christian Benteke. Dieser setzte einem mustergültigen Fallrückzieher unhaltbar ins Tor von David De Gea. Selbiger De Gea wieder Stammtorwart von Louis van Gaal und mit Vertragsverlängerung in Manchester, allerdings nebst Ausstiegsklausel. Der Liebe Real soll die Tür wohl stets offen stehen. United damit auf Platz drei in der Tabelle, aber schon fünf Punkte hinter dem Stadtrivalen. Zwischen beiden auf Platz drei mit elf Punkten liegt Leicester City, die unter dem neuen Trainer Claudio Ranieri aufblühen. In einer dramatischen Partie bezwang man vor heimischem Publikum Aston Villa mit 3:2. Bis zur 72. Minute hatte Leicester noch 0:2 hinten gelegen, bevor das Spiel verdient gedreht werden konnte.

Der Schotte Steven Naismith war von Chelsea nie in den Griff zu kriegen.

Der Schotte Steven Naismith war von Chelsea nie in den Griff zu kriegen.

Mann des Spieltags in England ist aber Steven Naismith. Sein FC Everton schlug dank ihm und einer kompakten Mannschaftsleistung völlig verdient den einstigen Titelfavoriten und amtierenden Meister FC Chelsea mit 3:1. Naismith wurde in der neunten Minute für den verletzten Muhamed Bešić eingewechselt und zeigte seinem Trainer, warum die Nichtnominierung wohl ein Fehler war. Drei Tore lieferte er beim 3:1-Heimsieg. Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer von Chelsea zum 1:2 durch Nemanja Matić änderte den Verlauf des Spiels nicht. Chelsea mit vier Punkten auf Rang 17. Sollte Newcastle heute in der letzten Partie des Spieltags einen Dreier landen, der Club von Roman Abramowitsch rutschte sogar auf einen Abstiegsrang. José Mourinho versucht, den Ball flach zu halten, die Aufgeregtheit auf sich zu ziehen und nicht auf sein Team. Die englische Medienlandschaft wird ihm darin nicht folgen. So etwas kratzt José Mourinho wenig, diese Stärke wird er in den nächsten Wochen brauchen. Sein Team wirkt unrund, pomadig und vor allem defensiv völlig unzureichend aufgestellt. Der nächste uninspirierte Auftritt und nunmehr bereits zwölf Gegentreffer in fünf Partien lassen nichts Gutes erahnen. Wie lange sich Mourinho noch den heimlichen Chelsea-Nebenherrscher John Terry als Kopf der Innenverteidigung leisten will oder muss, kann und wird wohl auch sein Schicksal entscheiden. Für einen Londoner Lichtblick sorgte derweil Tottenham. Die Spurs siegten auswärts mit 1:0 bei Sunderland, damit wurde der erste Saisonsieg eingefahren. Im Blickpunkt der Premier League Scheinwerfer die Neulinge Iheanacho und Martial, überstrahlt nur von Steven Naismith. In der Kritik neben Mourinho vor allem Brendan Rodgers. Der Manager des FC Liverpool steht schwer unter Beschuss, um Anfield geistert mal wieder ein bunter Namensstrauß von Harry Redknapp bis Jürgen Klopp. Unruhige Tage bei Teilen der Big Five.

Inters Derbyheld: Fredy Guarín (links), hier mit Teamkollege Mauro Icardi, traf zum 1:0-Sieg über Milan.

Inters Derbyheld: Fredy Guarín (links), hier mit Teamkollege Mauro Icardi, traf zum 1:0-Sieg über Milan.

In Italien ein Duell großer Namen und Gegner. Inter Mailand bezwang im legendären wie angestaubten Derby den AC Milan mit 1:0. Das goldene Tor besorgte Fredy Guarín in der 58. Spielminute. Bei Milan kam in der 61. Minute Neuzugang Mario Balotelli auf den Platz, keine besonderen Vorkommnisse. Inter mit neun Punkten aus drei Partien Tabellenführer, der AC mit mageren drei Punkten auf Platz zwölf. Damit aber immerhin deutlich besser als Meister Juventus. Die Alte Dame holte in einer ermüdenden Partie vor heimischem Publikum ein mühsames 1:1 gegen den AC Chievo Verona und liegt nun, mit dem ersten Saisonpunkt ausgestattet, auf Platz 16. Auch ein anderer Meister konnte daheim nur ein Remis einfahren. In Frankreichs Ligue 1 musste sich Favorit Paris St. Germain daheim mit einem 2:2 gegen Girondins Bordeaux begnügen. Edinson Cavani hatte PSG zweimal in Führung gebracht, Girondins durch Tore von Henri Saivet und Whabi Khazri ausgeglichen. Dennoch bleibt PSG Tabellenführer und ist nach fünf Spieltagen die einzig noch ungeschlagene Mannschaft in der französischen Spitzenliga. Ungeschlagen auch der FC Aberdeen und mit 18 Punkten aus sechs Partien Tabellenführer der Scottish Premiership. Am Samstag bezwang man im Spitzenspiel Titelverteidiger und Rekordmeister Celtic Glasgow im heimischen Pittodrie Stadium mit 2:1.

Nach der erneuten Vaterschaft von Lionel Messi – Mutti und Kind gesund und wohlauf – geisterten natürlich wieder viele Versuche durch die Medien, das Privatleben von Messi greifen zu wollen. Dabei wurde berichtet, dessen Frau Antonella Roccuzzo würde sich nur mäßig für den Fußball interessieren und oftmals nicht mal nach Ergebnissen fragen. Lionel Messi soll dies durchaus erfreut goutieren. Man stelle sich nun das Universum Ronaldo vor und ein Desinteresse an seinen Toren und Ergebnissen.

Redaktion Magath & Fußball