Erste Eindrücke aus der Champions League


Veröffentlicht am 17. September 2015

1 Flares 1 Flares ×

imago21095799m_c

Auftaktspieltag der Champions League ein englisches Desaster

Die Premier League ist ein glanzvolles Produkt und lässt Marketingherzen höher schlagen, im Fluss des großen Geldes schwimmt sie allen Ligen davon. Stellen sich die sportlichen Flaggschiffe von Englands Eliteliga der kontinentalen Leistungsschau Champions League, fallen sie dagegen regelmäßig vom Sockel. Dabei hinterlässt der englische Clubfußball den fatalen Eindruck, baldigst einen Schrittmacher für ein ungesund pochendes Fußballherz zu benötigen. Mit Ausnahme von Chelsea, die einen schwachen Gegner Maccabi Tel Aviv mit 4:0 bezwingen konnten, landeten die drei anderen Premier League Glanzlichter blamabel auf dem Bauch. So unterschiedliche Qualität wie Juventus Turin (2:1-Auswärtssieg bei Manchester City), PSV Eindhoven (2:1-Heimsieg gegen Manchester United) und Dinamo Zagreb (2:1-Heimsieg gegen Arsenal London) war vom englischen Trio der großen Namen nicht zu bezwingen. Bedenkenswert. Wie viel Geld wird noch nötig sein und welche Spieler müssen noch auf die Insel, um mit breiter Brust Siege einzufahren? Seit der Abdankung von Sir Alex Ferguson scheint sogar der Kampfgeist aus englischen Teams gewichen. Sich selbst zu genügen ist jedenfalls kein Konzept für sportlichen Erfolg im kontinentalen Wettbewerb. Was am heimischen Herd noch als heißer Tee gelten mag, kommt im internatioanlen Wettbwerb nur noch als kalter Kaffee daher.

Ähnlich schwach wie der Chelsea-Gegner Maccabi Tel Aviv präsentierte sich die Fohlenelf aus Gladbach. Ein 0:3 beim FC Sevilla, der mit großer Fallsucht unterwegs vom tschechischen Unparteiischen Pavel Královec dennoch drei berechtigte Strafstöße zugesprochen bekam, bedeutete einen ernüchternden Auftakt für den punktlosen Tabellenletzten der Bundesliga. Zugegeben, im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán war wenig mehr zu erwarten. Die Borussia kann einem leidtun. Endlich in der Champions League angelangt und dann eine formidable Formkrise aus der hoffentlich unter dem Dauerfeuer von „wohlmeinenden Schlagzeilen“ keine Sinnkrise wird. Vergleicht man die Mittel der Borussen gegen die der drei anderen deutschen Bewerber, so relativiert sich der Blick. Wie man mit dem großen Geld der Bayern, der Wolfsburger und der Leverkusener niemals mithalten kann und bei Bedarf regelmäßig für die Verbesserung von deren Spielerkader herhalten muss, so reicht es eben auch nicht für die Champions League. Diese erreicht zu haben bleibt ein gigantischer Verdienst von Lucien Favre. Die drei deutschen Spitzenclubs erledigten ihre Startaufgaben gegen schwache Gegner souverän und pflichtgemäß, der deutsche Einstand in die Gruppenphase standesgemäß für die Liga des Weltmeisters. Bayern siegte 3:0 bei Olympiakos Piräus, Wolfsburg schlug ZSKA Moskau durch ein Tor von Julian Draxler mit 1:0, Leverkusen triumphierte 4:1 über BATE Baryssau.

Der Mann hat einen Lauf: Thomas Müller erzielte in seinen letzten sieben Pflichtspielen satte elf Treffer. Auch in Piräus traf er doppelt.

Der Mann hat einen Lauf: Thomas Müller erzielte in seinen letzten sieben Pflichtspielen satte elf Treffer. Auch in Piräus traf er doppelt.

Juve hat mit seinem 2:1-Sieg bei Manchester City ein durchaus unerwartetes Zeichen gesetzt – schlechter Ligastart hin oder her, man darf Italiener nicht unterschätzen. Die grandiosen Paraden des Altmeisters Gianluigi Buffon im Tor der Alten Dame nötigten selbst notorischen Verächtern des italienischen Fußballs respektvolle Töne ab. Was Buffon allerdings antrieb, den ManCity-Torwart Joe Hart zu den besten drei Torhütern der Welt zu rechnen, wird sein großes Geheimnis bleiben. Der AS Rom stand Juve nicht nach, man schlug sich ebenfalls beachtlich und erreichte im heimischen Olympiastadion von Rom dank eines Traumtors von Alessandro Florenzi aus über 50 Metern Torentfernung immerhin ein 1:1 gegen den Titelverteidiger FC Barcelona. Große Geste nach dem Spiel: Lionel Messi verneigte sich mit einem respektvollen Händedruck vor der nicht zum Einsatz gekommenen Roma-Legende Francesco Totti. Die Torfabrik Cristiano Ronaldo steuerte drei Tore zum 4:0-Sieg von Real Madrid über Schachtjor Donezk bei. Paris Saint Germain, 2:0 gegen Malmö, wie Benfica Lissabon, 2:0 gegen den FC Astana, mit lustlos erledigten Pflichtaufgaben und nüchternen Siegen. Zenit St. Petersburg gewann etwas überraschend in Valencia mit 3:2, Porto holte in Kiew ein 2:2-Unentschieden und Lyon musste sich im belgischen Gent ebenfalls mit einem 1:1 begnügen. Atlético Madrid gelang ein souveräner 2:0-Auswärtssieg bei Galatasaray Istanbul. Beide Tore erzielte Antoine Griezmann. Der französische Angreifer entwickelt sich bei Atlético zum Weltklassestürmer mit Torgarantie.

Urteile und Spekulationen in Sachen Ausgang der Gruppenphase wären wohl arg verfrüht. Der kollektive Blackout eines englischen Trios bleibt dennoch haften. Dagegen stehen die Souveränität der deutschen Troika und zwei italienische Achtungszeichen. Auch die Primera División glänzt mit drei Siegern. Am 29. und 30. September geht es in den zweiten Spieltag. Heute der kleine und oftmals vernachlässigte Bruder der Champions League im Blickpunkt. Die Europa League startet in den ersten Spieltag ihrer Gruppenphase.

Redaktion Magath & Fußball

Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on FacebookShare on LinkedInEmail this to someone