Fünf Tore in neun Minuten


Veröffentlicht am 23. September 2015

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Historische Lewandowski-Gala im Spitzenspiel

Es ist bislang eindeutig nicht die Woche des Volkswagen Konzerns. Während das Flaggschiff der deutschen Automobilindustrie von einem handfesten Abgas-Skandal auf dem amerikanischen Fahrzeugmarkt erschüttert wird, kam der Vorzeige-Fußballclub der Autobauer aus Wolfsburg bei seinem Gastspiel in der Münchner Allianz Arena einmal mehr böse unter die Räder. Trotz starker erster Halbzeit scheiterte der Vizemeister letztlich überaus kläglich bei seinem Versuch, die meisterliche Festung der Bayern zu erstürmen. Das Spitzenspiel der englischen Bundesliga-Woche geriet dabei zur One-Man-Show: Robert Lewandowski, von Pep Guardiola mit Beginn des zweiten Durchgangs für Thiago auf den Platz geschickt, erzielte beim triumphalen 5:1-Erfolg der Gastgeber alle bayrischen Treffer. Für seine Saisontore Nummer vier bis acht benötigte der polnische Angreifer nicht mehr als neun Minuten. Der Gang auf die Toilette oder zum Stadionkiosk erfordert für jeden Fan üblicherweise größeren Zeitaufwand. Drei Minuten und 22 Sekunden benötigte Lewandowski, um den knappen aber durchaus verdienten 0:1-Pausenrückstand in eine komfortable 3:1-Führung zu verwandeln – dieses Feuerwerk natürlich gleichbedeutend mit dem schnellsten Hattrick der Ligageschichte. Kurz darauf wurde daraus erst der schnellste Vierer-, später sogar der schnellste Fünferpack in über 52 Jahren Bundesliga. Unglaublich. Fantastisch. Historisch.

Bei jeder noch so berechtigten Lobeshymne auf den 27 Jahre alten Weltklasse-Torjäger aus Warschau muss allerdings auch ein kritischer Blick auf die Darbietung des Gegners gestattet sein. Denn was die Hintermannschaft der Wölfe in dieser denkwürdigen Viertelstunde nach dem Seitenwechsel zusammenstümperte, grenzte fast schon an Arbeitsverweigerung und passt so gar nicht zum Selbstverständnis eines Champions League Teilnehmers, der sich bisweilen selbst mit dem Prädikat Bayern-Jäger schmückt. Zumal die Grün-Weißen noch in den ersten 45 Minuten an die zuletzt im vergangenen Spieljahr und im Supercup gezeigten, starken Leistungen gegen den Rekordmeister anzuknüpfen vermochten. Sehenswert das Führungstor durch Daniel Caligiuri. Staunenswert der Pfostentreffer von Josuha Guilavogui aus gut 55 Metern Entfernung. Erschreckend jedoch das Wolfsburger Bild nach Wiederanpfiff. Zwei gänzlich verschiedene Halbzeiten in München liefern vor allem eine Erkenntnis: Der VfL wird den Bayern wohl auch in dieser Saison im Titelkampf nicht ernsthaft Paroli bieten können.

Redaktion Magath & Fußball