Wolken Richtung Paradies


Veröffentlicht am 25. September 2015

0 Flares 0 Flares ×

imago16290744m_c

VW Krise könnte in naher Zukunft auch den Fußball berühen

Stürzt ein Riese, klingt das Beben nach. Sämtliche Auswirkungen sind erst erkennbar, wenn sich der letzte Staub längst gelegt hat. Kein Mensch kann heute mit Gewissheit beleuchten, welche Folgen der als „Abgas-Skandal“ apostrophierte Vorgang auf den VW Konzern und die deutsche Gesellschaft haben wird. Das gilt auch für den Fußball. Das VW Imperium ist engmaschig mit dem Fußball verwoben und verästelt, das VW Logo gehört zum Bild dieses Sports. Der amtierende Pokalsieger VfL Wolfsburg wäre ohne die Autobauer nicht lebensfähig. Ein gerüttelt Maß Verdienst des bisherigen VW Bosses Prof. Dr. Martin Winterkorn, vormals ein begeisterter Hobbyfußballer und Torwart in Jugendmannschaften. Seine Fußballleidenschaft behielt er auch bei, als längst die Weihen eines großen Wirtschaftslenkers seine Stirn kränzten. Ein regelmäßiger Zuschauer mit Sporttemperament, verbrachte Winterkorn viel Zeit auf den Ehrentribünen des VfL Wolfsburg und von Bayern München. Meisterschaft und Pokaltitel am Mittellandkanal tragen auch seine Handschrift. Was der Abgang dieses  leidenschaftlichen Fußballfans nach sich zieht, ist nicht zu ermessen. Nachfolger Matthias Müller gilt als Freund des Rennsports, wird aber dennoch nicht umgehend das Fußballkapitel zuschlagen. Der Mann hat im Augenblick auch ganz andere Sorgen, als das Spiel mit dem Ball. Was bringt aber die Zukunft?

Gewichtige Zuwendungen in ständiger Millionenhöhe für die Fußballabteilung könnten schnell als Zumutung empfunden werden, wenn das ganze Imperium wackelt und denjenigen Mäßigung und Einschnitte auferlegt werden, die den VW Karren ziehen, den Arbeitern am Band. Niemand weiß, welche finanziellen Auswirkungen eine mögliche Klagewelle in den USA für VW hat. VfL Wolfsburg Geschäftsführer Klaus Allofs, dem so umfängliche Finanzmittel zur Verfügung stehen wie noch keinem Fußballverantwortlichen in der Vereinsgeschichte, versucht den Ball flach zu halten, beschwichtigt und hofft gleichermaßen: „Bei dem Engagement von VW handelt es sich um eine strategische Ausrichtung. Und dieses Engagement hat einen gewissen Wert, der sich auch nicht so schnell ändert.“ Sollte das Gesamtgefüge bei VW wackeln, kann sich dieser Allofs-Satz schnell pulverisieren. Die fundamentale Abhängigkeit vom Gönner VW sorgt noch für anhaltende Sonne und paradiesische Zustände im Fußballuniversum Wolfsburg. Der Fortbestand einer überdimensionierten Geschäftsstelle und ein steter Fluss üppiger Gehaltszahlungen an Spieler, die einzig wegen des Geldes am Mittellandkanal anlanden, wären einer mit Einschränkungen konfrontierten Arbeitnehmerschaft nur schwer vermittelbar. So weit ist es aber noch nicht. Dem Konzern und seiner Fußballabteilung stehen aufregende und wohl auch unruhige Zeiten bevor.

Redaktion Magath & Fußball