Rekordstarter in Schwarz-Gelb


Veröffentlicht am 28. September 2015

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13 Tore in den ersten 13 Pflichtspielen: Pierre-Emerick Aubameyang startete mit Vollgas in die Saison.

Mit Vollgas in die Saison: Pierre-Emerick Aubameyang erzielte in den ersten 13 BVB-Pflichtspielen 13 Tore.

Aubameyangs Trefferserie reißt nicht ab

Das 2:2 gegen Darmstadt 98 ist für Borussia Dortmund alles andere als ein Ruhmesblatt. Zwar bleibt der BVB nunmehr auch nach sieben Bundesliga-Partien der Saison 2015/16 ungeschlagen – gleiches können sonst nur die Münchner Bayern von sich behaupten –, dennoch verliefen die beiden jüngsten Auftritte in Hoffenheim (1:1) sowie vor heimischer Kulisse gegen den Aufsteiger nicht unbedingt plangemäß. Beide Punktverluste waren durchaus vermeidbar und wenngleich sich der Saisonstart mit 17 Zählern aus sieben Spielen noch immer ziemlich gut liest, hätte der BVB gut und gerne auch mit der Maximalausbeute von 21 Zählern ins Spitzenspiel am kommenden Wochenende gegen die Bayern gehen können. Ähnlich der Begegnung im Kraichgau aber passte auch die erste Halbzeit gegen Darmstadt so gar nicht ins schwungvolle und spielerisch ansprechende Saisonbild der Schwarz-Gelben. Ein von Marcel Heller sehenswert abgeschlossener Konter, der von den Lilien nach Dortmunder Ballverlust in der Vorwärtsbewegung über drei Stationen lehrbuchmäßig ausgespielt wurde, sah die Hausherren trotz deutlicher Überlegenheit mit einem Rückstand in die Kabine verschwinden. Erst nach einer guten Stunde wurde die Borussia vor 81.359 Zuschauern im einmal mehr voll besetzten Signal-Iduna-Park stärker und kam mit ihrem ersten gelungenen Spielzug nach der Pause prompt zum Ausgleich. Auf Vorarbeit des von Thomas Tuchel zum Rechtsverteidiger umfunktionierten Matthias Ginter stand am Fünfmeterraum Pierre-Emerick Aubameyang goldrichtig und vollendete in bester Gerd-Müller-Manier im Fallen zum 1:1. Dortmunds Toptorjäger 2015/16 damit in jeder der ersten sieben Partien mindestens einmal erfolgreich – diese beeindruckende Startbilanz gleichbedeutend mit einem neuen Bundesliga-Rekord.

Die alte Bestmarke pulverisiert hatte Aubameyang bereits durch sein Tor am sechsten Spieltag in Hoffenheim. Zuvor hatten in 52 Jahren Bundesliga fünf Profis jeweils an den ersten fünf Spieltagen ein Tor erzielt, zuletzt Leverkusens Stefan Kießling im Jahr 2009. Der im französischen Laval an der Mayenne geborene Sohn eines Gabuners und einer Spanierin hat nun saisonübergreifend sogar schon in neun Ligaspielen am Stück getroffen – eine bemerkenswerte Serie. Ohnehin durchlebt der 26 Jahre alte Angreifer, der aus der Jugendabteilung des ruhmreichen AC Mailand stammt, dieser Tage die wohl stärkste Phase seiner Karriere. Im Kalenderjahr 2015 bringt es Aubameyang inzwischen auf stolze 20 Bundesliga-Tore: Damit liegt er gleichauf mit seinem Vorgänger Robert Lewandowski, aus dessen Schatten er in Dortmund allmählich heraustritt.

Wurde der BVB für diesen Transfer im Sommer 2013 zunächst noch belächelt, ist Aubameyang aus dem Spiel der Borussen aktuell kaum mehr wegzudenken, präsentiert sich längst in absoluter Galaform und liefert Treffer am Fließband. Bereits im schwierigen Vorjahr war er mit 16 Saisontoren der mit Abstand konstanteste Dortmunder. Trotz exzentrischer Haarpracht, opulenten Dienstfahrzeugen und manchmal fragwürdigen Showeinlagen – Batman-Jubel und Tor-Salto lassen grüßen – ist bei Aubameyang eine eindeutige Fortentwicklung auf dem Platz unverkennbar. Der 44-fache Nationalspieler Gabuns zählt ohne Frage zu den schnellsten Fußballern der Welt, ist aber keineswegs der eindimensionale Sprinter, den viele Kritiker in ihm sehen. Zwar hapert es an schlechten Tagen noch immer an der Chancenverwertung, generell allerdings hat der einst vom AS Saint-Étienne ins Ruhrgebiet gekommene Stürmer seine Trefferausbeute speziell in diesem Jahr merklich nach oben geschraubt. Auch mit seinem Kopfballspiel muss sich Aubameyang nicht verstecken, immer öfter ist er im Sturmzentrum beim auf viele kurze Pässe angelegten BVB-Spiel zudem als Ballmagnet gefragt.

Seinen besonderen Wert für die Mannschaft von Thomas Tuchel demonstrierte er nun gegen Darmstadt aufs Neue. In der schwierigen Begegnung mit den Lilien stellte Aubameyang kurz nach seinem Ausgleichstor auf 2:1 – mit einer schnellen Auftaktbewegung und einem raketenartigen ersten Schritt entwischte er seinem österreichischen Bewacher György Garics und vollendete gegen die Laufrichtung von Keeper Christian Mathenia. Dass sein Doppelpack gegen den unangenehmen Liganeuling dennoch nicht zum Sieg reichte, lag letztlich an einer Unkonzentriertheit der Dortmunder Defensive unmittelbar vor dem Schlusspfiff. Es lief schon die 90. Minute, als die Darmstädter noch einmal einen Freistoß in den Strafraum der Gastgeber beförderten. Kapitän Aytac Sulu nutzte den Freiraum, den ihm sämtliche Borussen gewährten und schoss trocken links unten zum 2:2 ein. Das Unentschieden beim BVB ein weiteres, kräftiges Achtungszeichen der Hessen, die nunmehr bei zehn Punkten angelangt sind und sich weiterhin in der oberen Tabellenhälfte halten.

Pierre-Emerick Aubameyang und der BVB dagegen hatten sich von dieser Begegnung fraglos zwei Punkte mehr erhofft. Wenngleich der Rekord-Mann der Schwarz-Gelben auch diesmal doppelt lieferte, reichte es nicht zum vierten Dreier vor eigenem Publikum. Aubameyang rangiert mit neun Saisontoren nach sieben Spieltagen nunmehr auf Platz zwei der Bundesliga-Torschützenliste, nur Bayern-Knipser Lewandowski ist mit zehn Treffern dank seines unglaublichen Fünferpacks gegen Wolfsburg voraus. Am Sonntag stehen sich beide Tormaschinen im direkten Duell in München gegenüber. Die BVB-Fans werden es Jürgen Klopp danken, nach dem Abgang des Polen wieder einen echten Torjäger in den eigenen Reihen zu wissen.

Redaktion Magath & Fußball

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