Pflicht erfüllt


Veröffentlicht am 12. Oktober 2015

0 Flares 0 Flares ×
Max Kruse (Mitte) sicherte mit seinem Treffer gegen Georgien den deutschen Gruppensieg.

Max Kruse (Mitte) sicherte mit seinem Treffer gegen Georgien den deutschen Gruppensieg.

DFB-Elf als Gruppensieger zur EM

Mit einigen unübersehbaren Unzulänglichkeiten zwar, aber doch als Gruppenerster qualifizierte sich der Weltmeister am Abend in Leipzig für das EM-Turnier in Frankreich im kommenden Jahr. Es brauchte dafür allerdings einen hart erkämpften 2:1-Erfolg über ein tapferes Georgien, das sämtliche Schwächen der DFB-Elf schonungslos offenbarte. Bis zum Pausenpfiff freilich hätte allein Marco Reus für klare Verhältnisse sorgen können. Der Dortmunder ließ gleich mehrere Hochkaräter aus, scheiterte ebenso wie Thomas Müller ein ums andere Mal an den starken Paraden von Nukri Revishvili im georgischen Kasten, der in Russland bei Mordowia Saransk seinen Stammplatz kürzlich an den Moldawier Ilie Cebanu verlor. Auch Welttorhüter Manuel Neuer musste auf der anderen Seite bereits vor dem Ende des ersten Durchgangs einmal entscheidend eingreifen, als er mit einer herausragenden Reaktion gegen den sehr agilen Tornike Okriashvili vom KRC Genk den Rückstand verhinderte. In Halbzeit zwei schien sich zunächst alles in die erwarteten Bahnen zu fügen, Müller trat zum Elfmeter an und brachte den Favoriten sicher in Front. Keine drei Minuten später allerdings markierte ausgerechnet Kapitän Jaba Kankava – der Abwehrmann von Stade Reims hatte mit einem Foul an Mesut Özil den Strafstoß verursacht – den überraschenden aber doch nicht völlig unverdienten 1:1-Ausgleich. Gegen seine sehenswerte Volleyabnahme von der Strafraumkante, im Anschluss an eine von den Deutschen nur unzureichend geklärte Ecke, war auch Neuer chancenlos. Urplötzlich war von der Überlegenheit des Weltmeisters gegen den 110. der Weltrangliste nichts mehr zu spüren.

Jene für diese EM-Qualifikationsrunde fast schon charakteristischen Nachlässigkeiten in der Abwehrarbeit hätten auch gegen den vermeintlichen Fußballzwerg zu weiteren Gegentreffern führen können. Denn die von Kachaber Zchadadse trainierte Mannschaft, man glaubt es kaum, erreichte nach dem Ausgleich spielerische Ebenbürtigkeit. Georgien ging nur deshalb nicht selbst in Führung, weil Neuer im deutschen Tor einmal mehr einen herausragenden Tag erwischt hatte und es Schiedsrichter Pavel Kralovec aus Tschechien versäumte, nach einem Tritt von İlkay Gündoğan gegen das Standbein von Valeri Kazaishvili ein zweites Mal auf den Punkt zu zeigen. Man traute seinen Augen kaum, wie weggeblasen das deutsche Selbstverständnis in dieser Phase des Spiels. Erst in der Schlussviertelstunde wurde die DFB-Elf im Vorwärtsgang wieder zwingender. André Schürrle und Reus vergaben noch, der wenige Augenblicke zuvor eingewechselte Max Kruse machte es nach schönem Özil-Pass besser und schob das Leder elf Minuten vor dem Ende gegen die Laufrichtung von Revishvili überlegt in die Maschen. Der Widerstand der Georgier nun gebrochen, das DFB-Team hatte jetzt keine Mühe mehr, ließ Ball und Gegner laufen – ohne dabei zu glänzen. Zweimal noch boten sich Özil und Kruse jeweils aussichtsreiche Gelegenheiten, ein Treffer aber sprang nicht mehr dabei heraus.

Dieser knappe und durchaus leicht glückliche 2:1-Sieg war für Deutschland der siebte im zehnten und letzten Qualifikationsspiel für die anstehende Europameisterschaft. Trotz der zwei Niederlagen gegen Polen und am vergangenen Donnerstag in Irland reichte es für das Team von Joachim Löw noch zum Gruppensieg – die Bilanz von 22 Zählern in dieser Gruppe D für den Weltmeister dennoch kein Ruhmesblatt. Ein solches allerdings ist zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht entscheidend, es zählt einzig und allein die erfolgreiche Qualifikation für das Turnier in Frankreich.

Polen auf Zwei, Irland in die Playoffs

Sicher bei der EM dabei ist auch der Gruppenzweite Polen. Angeführt von Robert Lewandowski, der mit seinem 13. Qualifikationstreffer den Torrekord des Nordiren David Healy einstellte, entschied man in Warschau das Endspiel um Platz zwei gegen Irland mit 2:1 für sich. Die Iren besiegten zwar die DFB-Elf im vorletzten Spiel durch ein Tor von Shane Long mit 1:0, müssen als Gruppendritter nun dennoch zwei Playoff-Partien bestreiten, um sich noch für die EM zu qualifizieren. Schottland enttäuschender Vierter, die Bravehearts 2016 – 20 Jahre nach ihrer letzten EM-Teilnahme – wieder nur Zuschauer.

Derweil spielte Georgien unter Trainer Zchadadse, der zwischen 1993 und 1997 in Bundesliga und 2. Bundesliga 73-mal für Eintracht Frankfurt auflief, eine beachtenswerte Qualifikation, gewann nicht nur die beiden Partien gegen Gibraltar, sondern auch sein Heimspiel gegen Schottland und machte insbesondere spielerisch einen beträchtlichen Sprung nach vorn. Dies wurde nicht zuletzt in den beiden Duellen mit Deutschland deutlich, die jeweils nur knapp verloren gingen. Gibraltar dagegen bei seiner allerersten Teilnahme erwartungsgemäß chancenlos.

Der Endstand in Gruppe D

1. Deutschland – 22 Punkte, 24:9 Tore
2. Polen – 21 Punkte, 33:10 Tore
3. Irland – 18 Punkte, 19:7 Tore

4. Schottland – 15 Punkte, 22:12 Tore
5. Georgien – 9 Punkte, 10:16 Tore
6. Gibraltar – 0 Punkte, 2:56 Tore

Die deutschen Partien in der EM-Qualifikation

Deutschland – Schottland 2:1 (1:0)
Polen – Deutschland 2:0 (0:0)

Deutschland – Irland 1:1 (0:0)
Deutschland – Gibraltar 4:0 (3:0)

Georgien – Deutschland 0:2 (0:2)
Gibraltar – Deutschland 0:7 (0:1)

Deutschland – Polen 3:1 (2:1)
Schottland – Deutschland 2:3 (2:2)

Irland – Deutschland 1:0 (0:0)
Deutschland – Georgien 2:1 (0:0)

Die deutschen Torschützen in der EM-Qualifikation

Thomas Müller (9), Mario Götze, Max Kruse, André Schürrle (je 3), İlkay Gündoğan (2), Karim Bellarabi, Toni Kroos, Marco Reus (je 1) + 1 Eigentor

Redaktion Magath & Fußball