In Anfield (noch) nichts Neues


Veröffentlicht am 23. Oktober 2015

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Unter dem Dach überhitzter Berichterstattung trennen sich Liverpool und Rubin Kasan 1:1

Der FC Liverpool spielt unter Jürgen Klopp wie unter Brendan Rodgers keinen erfolgreichen Fußball. Das liegt weniger am jeweiligen Trainer, sondern vielmehr an dem vom Transfer-Komitee des Clubs zusammengestellten Kader. Die Spieler sind das Problem des FC Liverpool. Was sollte der ehemalige Dortmunder Klopp in zwei Wochen Amtszeit daran grundlegend ändern? Gegen Rubin Kasan spielte man in der Europa League im eigenen Stadion 1:1, wobei der Ausgleichstreffer erst in Überzahl gelang. Kasan spielte ab der 37. Minute wegen einer Gelb-Roten-Karte dezimiert. Heimische Sportmedien haben sich selten für Brendan Rodgers und den FC Liverpool interessiert, sind nun die großen Experten für das Thema. In englischen Medien und bei dortigen Fans ist man nach der Klopp-Hysterie langsam in der Normalität angekommen, ahnt die Schwere der Aufgabe, den FC Liverpool wieder nach oben zu führen. Teile der Medien heizen den Kessel Liverpool und Klopp natürlich weiter an, um den entstehenden Dampf noch lange unters Fußballvolk bringen zu können. Dabei stört nur etwas der Fußballalltag mit seinen realen Ergebnissen.

Alltag ist bei einem Bezahlsender natürlich nicht angesagt, man befeuerte sich selbst mit einem permanenten Klopp-Ausnahmezustand. In diesem Delirium spielte Klopp gegen Kasan und am Rande noch der FC Liverpool. Die Live-Übertragung nebst überdehnter Vorberichte bombardierte das Publikum mit Meldungen im Stil von „da kommt Klopp“, „Klopp hat genickt“ und „Klopp trägt einen Anzug“. Als Highlight ein erfahrener Reporter direkt an der Grasnarbe von Anfield. Durch ihn lernen wir wie es ist, wenn Klopp hautnah an einem vorbeiläuft. In der Halbzeitpause krönt selbiger Reporter sein Anfield-Tagwerk und plappert von den Red Devils, die nach seiner Einschätzung durch den 1:1-Ausgleichstreffer gegen die Kasaner nun in Fahrt kämen. Was muss man mitten in Liverpool und im Stadion der Reds auch wissen, wer die Red Devils sind? Liverpool-Anhängern wäre wohl bei Kenntnis dieser Torheit mehr als nur der Kamm geschwollen.

Im Studio saßen durchgestylte Jungmoderatoren, Korrektur von diesen schwerlich zu erwarten. Selbstredend wurden auch die ersten Zeichen vom Umschaltspiel der Kloppschen Prägung erkannt. In dem Stil ging es weiter, was sich nahtlos an die Berichterstattung des Klopp-Debüts beim Gastspiel des FC Liverpool in Tottenham anschloss. Da redete der Kommentator von einer Oktoberrevolution in Liverpool und von der ganzen Welt, die nun auf London und die White Hart Lane schaut. Gegen so viel martialisches Gedöns ist selbst eine Papstwahl Petitesse. Klopp würde momentan wohl auch im Vatikan eine gute Figur machen. Es macht die ihm geltende Berichterstattung der kläglichen Natur nicht besser, mag ihm aber etwas Trost geben. Auch die Nachfolger Petri können schließlich nicht übers Wasser gehen.

Redaktion Magath & Fußball

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