Kontinentale Rundreise


Veröffentlicht am 30. Oktober 2015

0 Flares 0 Flares ×
Unaufhaltsam rollt der Bayern-Bus durch die Bundesliga.

Unaufhaltsam rollt der Bayern-Bus durch die Bundesliga.

Europas Ligen schalten nach Pokalwoche wieder auf Punktejagd

Eintracht Frankfurt wird den Bayern-Express ebenfalls nicht aufhalten und dessen Lokführer Pep Guardiola auch nach dem elften Spieltag nicht erzählen, was ihn sportlich in den nächsten Jahren umtreiben wird. Der Katalane lässt sich weiterhin nicht in die Karten schauen und wenngleich ihm in München von Karl-Heinz Rummenigge bis Philipp Lahm die gesamte Belegschaft zu Füßen liegt, deutet einiges auf einen turnusmäßigen Abschied zum Saisonende hin. Ohnehin scheint die bayerische Trainerfrage dieser Tage weitaus spannender, als der Blick auf die Tabellenspitze der Bundesliga, wo der Rekordmeister mit weiterhin sieben Zählern Vorsprung und seiner noch immer blütenweißen Weste einsam seine Kreise zieht. Allein Robert Lewandowski (13 Tore) und Thomas Müller (zehn) haben zusammen öfter getroffen, als 16 andere Bundesligisten. Nur Borussia Dortmund hält in Sachen Offensivpower einigermaßen mit, hat in Pierre-Emerick Aubameyang (13) und dem allmählich wieder in Fahrt kommenden Marco Reus (fünf) zwei ebenbürtige Kanoniere in seinen Reihen. Der BVB scheint derweil auf bestem Weg, sich dauerhaft auf Platz zwei festzusetzen und tritt nach furiosem Pokalsieg über Stefan Effenberg und den SC Paderborn am Samstag bei Werder Bremen an.

Er ist wieder da: Nach Schalke, Hertha, Köln, Hamburg und Stuttgart ist die TSG 1899 Hoffenheim die sechste Station von Huub Stevens in der Bundesliga.

Er ist wieder da: Nach Schalke, Hertha, Köln, Hamburg und Stuttgart ist die TSG 1899 Hoffenheim die sechste Station von Huub Stevens in der Bundesliga.

Dahinter viel Ödnis. Im vermeintlichen Spitzenspiel begegnen sich der VfL und Bayer Leverkusen zum Werksduell, Schalke bekommt es nach zwei Niederlagen binnen drei Tagen gegen die Borussia aus Mönchengladbach nun zuhause mit dem auswärtsstarken Aufsteiger Ingolstadt zu tun. Unterdessen wollen die von Königsblau arg ramponierten Gladbacher ihre Siegesserie mit André Schubert in der Hauptstadt fortsetzen, was diesen dann irgendwann unweigerlich zum Cheftrainer macht. Auch ein alter Bekannter ist zurück: Huub Stevens macht als eine Art Wanderdüne der Bundesliga nun bei 1899 Hoffenheim Station, um im Kraichgau das Feld für den jungen Nachfolger zu bestellen. Seinen Einstand gibt Stevens – wie sollte es anders sein – an einem ehemaligen Arbeitsplatz, in Köln. Markus Weinzierl und der FC Augsburg konnten sich unter der Woche im DFB-Pokal in Freiburg den Frust von der Seele schießen und werden im Heimspiel gegen Mainz versuchen, die rote Laterne weiterzureichen. Am Sonntag empfängt Stuttgart im Duell zweier frischgebackener Pokal-Achtelfinalisten den SV Darmstadt, der Hamburger SV und Hannover 96 treffen sich abschließend zum Nordderby.

Der FC Barcelona kann in der Primera División dank Neymar auch ohne Lionel Messi Schritt halten. Es bleibt nötig: Real spielt nicht königlich, aber konstant. Beide Dauerrivalen mit 21 Punkten Tabellenführer, spüren in Atlético Madrid, Celta Vigo und Villareal sogar Mitbewerber. Die letzten beiden waren so nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Real im Heimspiel gegen UD Las Palmas und Barça in einer Auswärtspartie beim FC Getafe sollten jedoch Dreier einfahren und vorne bleiben. Real und Rafael Benítez längst nicht so eindrucksvoll wie die Bayern aber dennoch bisher im Ligabetrieb ebenfalls ohne Niederlage. Spaniens Liga bleibt im Titelrennen bunt und spannend.

23 Punkte nach zehn Spielen bedeuten für Borussia Dortmund Rang zwei in der Bundesliga. In der Serie A reicht diese Ausbeute der Roma für die Tabellenspitze.

23 Punkte nach zehn Spielen bedeuten für Borussia Dortmund Rang zwei in der Bundesliga. In der Serie A reicht diese Ausbeute der Roma für die Tabellenspitze.

Sehr spannend auch die Frage, wann Juventus Turin in der Serie A endlich in die Spur findet. Die jüngste 0:1-Pleite gegen Überraschungsclub Sassuolo Calcio war bereits die vierte im zehnten Saisonspiel. Gegen den FC Turin besteht im Derby die dringende Notwendigkeit, den Hebel in Richtung Erfolg zu legen. Platz zwölf für die Alte Dame ein mehr als ungewohntes Bild. Vorne behauptet sich der AS Rom, dicht auf den Fersen der SSC Neapel. Für viele ist Napoli auch unter Maurizio Sarri ein heißer Anwärter auf den Titel – Altmeister Gonzalo Higuaín (acht Tore) und Lorenzo Insigne (sechs) jedenfalls tun ihr Bestes und liefern weiter wie am Fließband. Der AC Florenz und Inter Mailand komplettieren die vierköpfige Spitzengruppe, Inter empfängt die Roma am Samstagabend im San Siro zum Spitzenspiel.

Auf den Fersen hat Paris Saint Germain niemanden. In Frankreichs Ligue 1 führt man, darin den Bayern und Real gleich, das Feld souverän und ohne Niederlage an, alles ist auf Meisterschaft gepolt. Für den Italiener Carlo Ancelotti schlummert in PSG sogar ein Geheimfavorit auf den Champions League Sieg. Sicher haben die Franzosen von allen Titelaspiranten in der Königsklasse den leichtesten Ligabetrieb zu bewältigen. Das muss durchaus kein Nachteil sein.

So freundschaftlich wie hier vor dem Champions League Halbfinale im April 2013 wird es am Wochenende zwischen Jürgen Klopp und José Mourinho womöglich nicht zugehen.

So freundschaftlich wie hier vor dem Champions League Halbfinale im April 2013 wird es am Wochenende zwischen Jürgen Klopp und José Mourinho womöglich nicht zugehen.

In England hat das jüngste Geseier von Sepp Blatter für Aufruhr gesorgt. Sollte die WM-Vergabe an Russland schon im Vorfeld abgesprochen gewesen sein, so dämmert es den guten Briten, hätten diese viele Millionen Pfund sowie Zeit und königlichen Einsatz in die Waagschale geworfen – ohne überhaupt eine reale Chance gehabt zu haben. Man kann die Empörung teilen, wundern kann man sich bei den FIFA-Paten natürlich über nichts. Vielleicht bewegt es ja die Fußballverantwortlichen im Mutterland des Fußballs, ihren Beitrag zu leisten, um ein altes und verrottetes Sport-Regime endlich hinwegzufegen. Hinwegfegen möchten besonders deutsche Medien an diesem Premier League Wochenende auch einen portugiesischen Trainer, der in Diensten des FC Chelsea steht. Ihr Handwerkzeug für fette Schlagzeilen soll ein Deutscher sein. Dabei boxen am elften Spieltag nicht José Mourinho und Jürgen Klopp gegeneinander, sondern der FC Chelsea empfängt den FC Liverpool an der Stamford Bridge. Jürgen Klopp ist nicht zu beneiden, auch sein zweiter Auswärtsauftritt führt ihn nach London. Die aufgeheizte Partie wird für beide Teams schon ein Wink sein, ob es in dieser Saison noch Anschluss nach oben geben kann. Dort oben führt ein Quartett, welches auf Ausrutscher der anderen Teams wartet. Von Manchester City über Arsenal, West Ham bis hin zu Manchester United haben alle lösbare Aufgaben vor der Brust. Chelsea und Liverpool müssen also tatsächlich auf der Hut sein, um nicht weiter an Boden zu verlieren. Unter dem Strich bietet die Premier League nicht den großartigen Fußball, den die massenhaften Millionentransfers hätten erwarten lassen – immerhin aber Spannung pur und ein großes Feld von Titelaspiranten und gierigen Verfolgern.

Redaktion Magath & Fußball

Tweet about this on TwitterShare on Google+Share on FacebookShare on LinkedInEmail this to someone