Fragile Personalie


Veröffentlicht am 16. November 2015

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André Schubert hat sich auf den Chefposten gearbeitet

Die Gladbacher Borussia erfreut sich noch heute einer Beliebtheit, welche aus großer Zeit stammt und ein kleines Städtchen in ganz Europa populär machte. Ein Aufstieg aus der Vergangenheit, sehr lange her und doch stets lebendig. Es war der Schweizer Lucien Favre, der aus der Asche dieser Vergangenheit ein neues Feuer entfachte, bis auch dessen Glut erkaltete. In der verklärten Vergangenheit der Fohlen wird viel gestochert, wenn man über die jeweils aktuelle Borussia spricht. Ein Mythos kann auch Klotz am Bein sein. So wird der frisch ernannte Chefcoach André Schubert flugs mit einem statistischen Zahlenwert über Hennes Weisweiler und Udo Lattek gehoben. Die Zahlen stimmen, bleiben aber mediale Milchmädchenrechnung. Irgendwann konnte keiner an den Jubelarien vorbei und André Schubert wurde neuer Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach.

So einen Job hatte André Schubert bereits 2011/12 beim FC St. Pauli – und fiel dort ziemlich auf die Nase. Als er nach dem Abgang von Lucien Favre das Team von Borussia Mönchengladbach übernahm, holte die Mannschaft umgehend wichtige Punkte. Schubert hat keine Chance auf eine langfristige Bindung gehabt, diese Nicht-Chance hat er brillant genutzt. Eine achtenswerte persönliche Leistung! Siege und Punkte wurden nämlich dringend benötigt, spielte die Fohlenelf bis dahin doch wie ein Durchgangsposten in Richtung zweite Liga. Die Auftritte änderten sich mit Schuberts Start und nun ist Gladbach wieder im oberen Tabellendrittel. Genau dort sieht man sich auch im Selbstverständnis. Ob allerdings Schubert der Verdienst daran gebührt oder die Mannschaft nach der Favre-Demission nur die Arbeit wieder aufgenommen hat, lässt sich schwer fassen. Zweifel an der vormaligen Arbeitseinstellung der Profis dürfen einem bei Rückbetrachtung durchaus kommen. Die Spieler waren und sind nun völlig begeistert von Schubert, was sie auch von Favre einst waren. Den Trainer Schubert wollten sie wie ein Weihnachtsgeschenk. Der sachliche Max Eberl hat es nun eingetütet. Ob der Wunschtrainer der Spieler auf lange Sicht und über Krisen auch der Wunschtrainer des Vereins bleibt, es muss sich noch zeigen. Schon der letzte Auftritt der Borussia gegen den Aufsteiger Ingolstadt, mit einem kläglichen 0:0 vor heimischer Kulisse, wirkte blutleer und einfallslos, als wäre der „Zauber“ des André Schubert aufgebraucht. Man darf absolut gespannt sein, wohin diese Personalie und ihre Entstehung die Borussia treibt, wenn die Euphorie unwiderruflich der Normalität weicht.

Redaktion Magath & Fußball