Olympischer Geist entwichen


Veröffentlicht am 30. November 2015

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Hamburger Bürger mehrheitlich gegen Olympia

Auch demokratische Entscheidungen lassen Verlierer zurück. Bei allen gewichtigen Gründen der Neinsager, in Hamburg wurde auch ein Stück Zukunft und eine Chance per Wahlurne verspielt. Offensichtlich gibt es in deutschen Vorzeigestädten, wie München und Hamburg, keine mehrheitliche Bereitschaft für die Austragung Olympischer Spiele. Was an der Isar in Sachen Winterspiele passierte, wiederholte sich nun in Hamburg in Sachen Sommerspiele. Die Hamburger gaben beim Olympia-Referendum ein vernehmliches Nein zu Protokoll. Dieses Nein kam von der Mehrheit. Das Ja blieb auf der Strecke. Viele engagierte und fleißige Hamburgerinnen und Hamburger haben sich auf der Befürworterseite für Olympia ins Zeug gelegt. Es gelang ihnen trotz persönlichem Einsatz nicht, den Olympischen Geist unter ihre Mitbürger zu tragen. Den Machern und Helfern ist in ihrer Niederlage zu danken und ihrer Arbeit für Olympia Respekt zu zollen. Sie haben ein gutes Zeichen für Hamburg gesetzt und der Stadt eine Menge internationaler Achtung und Beachtung verschafft. Diesen unlöschbaren Verdienst sollten die nun triumphierenden Olympiagegner bitte nicht vergessen.

Die Befürworter mussten gegen mächtige Windmühlen und eine gesellschaftliche Großwetterlage kämpfen, die letztlich nicht zu bezwingen war. Der weltweite Spitzensport, an der Leine weniger Global Player und der von ihnen ausgehaltenen Funktionäre und Verbände, die Habgier, Korruption und Großmannssucht auf offener Bühne zelebrieren, hat längst seine Unschuld verloren. Zahlen für solcher Art Sportereignisse werden nur noch in Milliarden beziffert, eine Nummer kleiner gilt schon als billig und unrealisierbar. Allmächtige wie zwielichtige Weltverbände des Sports bauen Hürden, über die jeder zu springen hat, Widerspruch zwecklos. Diese Großverbände des Sports mit ihren mafiaähnlichen Strukturen werden im Bewusstsein von Bürgern als völlig unseriös und kriminell wahrgenommen. Die aktuelle Offenlegung der Machenschaften bei FIFA, UEFA und DFB haben den Hamburger Olympiabefürwortern wahrlich keinen Rückenwind verschafft. Letzendlich hat nicht das Hamburger Nein den Olympischen Geist vertrieben. Dieser Olympische Geist liegt längst als kalte Leiche auf dem Friedhof weltweiter Wirtschaft- und Vermarktungssinteressen, nicht heimlich gemeuchelt, sondern über die Zeit vor unser aller Augen abserviert.

Olympia nicht mehr im Würgegriff des großen Geldes und wieder Treffpunkt der Jugend der Welt, dabei Menschen und Sportler im Mittelpunkt aller Bemühungen, so etwas wäre wohl sogar für verängstigte Bürger deutscher Metropolen eine interessante Sache und hätte realistische Chancen auf ein mehrheitliches Ja. Olympia und Spitzensport, mit Sportlern als billiges Feigenblatt für große Geschäfte, hat dagegen offensichtlich keine genügende Zugkraft in Deutschland, um unter denkenden Menschen eine Sympathiemehrheit zu erringen. Darüber sollten das IOC und die es alimentierenden Großkonzerne nachdenken. Sie werden es natürlich nicht tun, sie müssen es noch nicht. Es stehen schließlich mit China und seiner Kommunistischen Partei sowie einer Reihe von unseligen Ölpotentaten stets begierige Gastgeber für sportliche Großereignisse bereit. Willigkeit und Mittel zu jedweder Gigantomanie sind dort eingeschlossen. Und die Menschen? Die Menschen muss dort niemand fragen. Auch wenn man für Olympia in Kombination mit Hamburg war, so lobt man sich bei diesem Sachverhalt sogar das Nein. Es wäre jetzt wohl an Hamburg und Deutschland, ein kräftiges Signal zur Unterstützung von Frankreich zu senden und dem europäischen Partner und Nachbarn, mit seiner Bewerbung Paris, an die olympische Seite zu treten.

Redaktion Magath & Fußball