Hinrunde zu den Akten


Veröffentlicht am 21. Dezember 2015

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Bundesliga geht in die Winterpause

Immer diese Bayern. Sie spielen allen davon. Dennoch übt etwas im Fußballuniversum auf Pep Guardiola wesentlich mehr Anziehungskraft aus als die Münchner, Carlo Ancelotti nun hin oder her. Guardiola hat man in München den Himmel auf Erden bereitet, er hat ihn final verschmäht. Nervte ihn auch die Massenware sinnentleerter Reporterfragen, welche er in der Unterform in Spanien so nie erlebt? Jetzt scheint die Premier League überreif für Pep Guardiola. Der zentrale Kampfplatz aller Fußball-Ligen, mit unverschämt viel Geld und einer Menge Konkurrenz, wartet auf den asketischen Perfektionisten. Vielleicht wurde die absolute Konkurrenzlosigkeit im Deutschen Ligaalltag dem leidenschaftlichen Wettkämpfer Guardiola auf Dauer einfach zu langweilig. Der Mann ist mit dem Duell Barca gegen Real groß geworden und musste in Deutschland erleben, wie sich Konkurrenten schon vor dem Spiel in Ergebenheitsadressen an sein Team gefielen. Für einen Sportsmann der Marke Guardiola sicher auch nicht die größte Herausforderung. Der Katalane wird sich mit dem Deutschen Meistertitel verabschieden, der Pokal und die Champions League sind durchaus drin für die Bayern. Kein Bayern-Verfolger aber dennoch ein zweiter Solitär der Bundesliga ist Borussia Dortmund. Von Beginn der Saison hat man sich oben eingenistet, dabei wurde vermeintlichen Mitbewerbern um die Vizekrone früh eine Grenze aufgezeigt. Thomas Tuchel ist gut beim BVB angekommen, es scheint zu passen, das Team spielt oftmals furios auf. Der Vize-Herbstmeister ist auf sicherem Tabellenkurs unterwegs. Die Möchtegern-Helden aus Leverkusen, Schalke und Wolfsburg konnten Erwartungen nicht erfüllen, stehen zur Halbzeit nicht mal auf Champions League Plätzen und hinken Ansprüchen wie der Spitze hinterher.

Die Hertha beschloss eine famose Hinrunde mit einem ungefährdeten 2:0-Sieg über Mainz und hat zum Jahreswechsel bereits 32 Punkte gesammelt.

Die Hertha beschloss eine famose Hinrunde mit einem ungefährdeten 2:0-Sieg über Mainz 05 und hat zum Jahreswechsel bereits 32 Punkte gesammelt.

Eigene Erwartungen übertroffen hat Hertha BSC. Der Hauptstadtclub macht sportlich auf sich aufmerksam und steht als Tabellendritter im Fußballhimmel. Wenn man bei der Hertha auch mit einem Einbruch in der Rückrunde rechnen darf, die Berliner sind die positive Saisonüberraschung der Hinrunde. Auf dem vierten Tabellenplatz hat sich Borussia Mönchengladbach nach fatalem Start sicher nicht mehr gesehen. Es ist ein mittleres Wunder, wie der neue Trainer und das Team die Situation umkehrten. Ob dies ein tragfähiges Bündnis oder nur ein fragiler Zusammenschluss ist, müssen und können Coach und Mannschaft in der Rückrunde beweisen. Was wohl nicht mehr zu beweisen, ob das Team nun Lucien Favre vergrault oder einfach nur nicht in die Saison kam. Mainz und Köln mit einstelligen Tabellenplätzen werden und sollten zufrieden sein, mehr ist nicht drin, man wäre wohl glücklich, sähe so die Abschlusstabelle aus. Der HSV steht nicht auf einem Abstiegs- oder Relegationsplatz. Dies reicht mittlerweile Fans und Verein schon zur unbändigen Freude und löst gar Jubelgesänge nach Niederlagen aus. Kein Verein richtet sich im Mittelmaß so leidenschaftlich ein wie der Hamburger Sport-Verein. Aktuell ebenfalls nicht im Abstiegssumpf: die Neulinge. Darmstadt wie Ingolstadt können ein zufriedenes Zwischenfazit ziehen, man hätte sich zum jetzigen Zeitpunkt die Liga erhalten. Vor allem der zähe Überlebenswille der Darmstädter überrascht die Gegner. Die Eintracht aus Frankfurt dümpelt eigenen Ansprüchen hinterher, konnte sich aber vor dem totalen Abfall in den Tabellenkeller retten. Der FC Augsburg hat wenig Klugschwätzer in seinem Umfeld und kann sich auf Fußball konzentrieren. Sicher auch ein Grund für die beachtliche Wiederauferstehung ohne Trainerwechsel und tägliches Krisengequatsche. Eine Meisterleistung der Verantwortlichen.

Jürgen Kramny wurde nach dem überraschenden 3:1-Sieg der Stuttgarter gegen den Vizemeister zum Chefcoach befördert.

Jürgen Kramny wurde nach dem überraschenden 3:1-Sieg der Stuttgarter gegen den Vizemeister aus Wolfsburg zum Chefcoach befördert.

Der VfB Stuttgart, mit letztem Sprung aus dem Tabellenkeller, bleibt eine der großen Enttäuschungen der Hinrunde. Teilweise desaströs und daher am hinteren Ende der Tabelle auch Werder Bremen, Hannover 96 und die TSG 1899 Hoffenheim. Wer von diesen Teams die große Umkehr schafft und sicheres Land erreicht, ist im Augenblick nicht zu klären. In Hannover scheint einiges in Bewegung, in Bremen ist man offenbar paralysiert und Hoffenheim hat mit der Zündrakete Huub Stevens schon etwas versucht, aber keinen Schub aufnehmen können. Das Stevens-Pulver scheint nass.

Der Meister steht also fest, der Vize ist wohl durch. Was dann kommt und gelingt, dabei um internationale Plätze ringt oder scheitert und sich in Richtung 2. Bundesliga bewegt, muss das heraufdämmernde neue Jahr zeigen. Ohne Titelrennen wird die Bundesliga daraus auch ihren Spannungsgehalt ziehen müssen. Am 22. Januar 2016 geht es weiter – wohl mit einem Bayern-Sieg beim HSV. Und im Sommer kommt dann Carlo Ancelotti. Benvenuto!

Redaktion Magath & Fußball

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