Zwischen Guardiola und Ancelotti


Veröffentlicht am 9. Mai 2016

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Trainerwechsel in München wird Titelschwemme nicht gefährden

Die deutschen Guardiola-Deuter haben Hochkonjunktur und werden in wenigen Wochen alle Ancelotti-Deuter sein. Zum Katalanen ist wenig sinnvolles und viel Unsinn gesagt und geschrieben worden. Im nächsten Jahr geht der Mann erst in sein zehntes Berufsjahr und hat bereits sechs Meistertitel und zwei Champions League Siege in der Vitrine, diverse Pokalerfolge und persönliche Ehrungen nicht mitgezählt. Warum sollte ihn da der anschwellende Bocksgesang des Fußball-Boulevard stören? Andererseits wirkte er zuletzt doch etwas angefressen, wer will es ihm verdenken. In seiner gesamten Bayern Amtszeit kein Champions League Endspiel  erreicht und gewonnen zu haben wird noch lange an ihm zehren. Dazu noch die Unbill des Entertainment Fußball. Gerade im deutschen Fußball quatschen und schreiben den Männern auf der Trainerbank zu viele Unberufene rein, so etwas schlaucht selbst einen polyglotten Weltmann. Ob das proletarische Manchester und sein arabischer Geldclub einer genervten Fußball-Seele dahingehend Linderung verschaffen? Wenn Pep Guardiola auf die aktuelle Berufs- und Arbeitseinstellung seiner künftigen Schäfchen schaut muss sich ihm der Magen umdrehen. Sollte ManCity nur in der Europa League landen wird Jürgen Klopp einen Kollegen in der Premier League haben der auch diesen Wettbewerb mit aller Ernsthaftgigkeit angeht. Darauf können sich die Leute in Manchester und England verlassen. Die derzeitigen Spieler der Citizens werden und müssen es eher als Bedrohung auffassen.

Den Bayern kann dies alles egal sein, sie werden auch 2016/17 Meister werden, Carlo Ancelotti seine Titelbilanz ebenfalls aufstocken. Ancelotti steht ebenfalls vor dem latenten Bayern-Problem, den Münchnern ist eine Saison mit Meisterschaft und Pokalsieg relativ wenig wert, trotz aller gegenteiligen Bekundungen. Zu regelmäßig und zu problemlos fließen diese Titel wie am Fließband in die Münchner Schatzkammer. Der Italiener wird über sich auch das Damoklesschwert Champions League Sieg spüren und aus den Kulissen den Namen Heynckes wabern hören. Allerdings sollte Ancelottis Fell nicht unterschätzt werden, der Mann hat Florentino Pérez und Roman Abramowitsch überlebt. Gegen solche Stürme ist jeder Münchner Wind nur ein laues Lüftchen. Die Bundesliga kann der Mann aus Reggiolo bereichern wie sein Vorgänger.

Diese Bundesliga wird in 2016/17 nicht nur den ewigen und aktuellen Meister wieder ganz oben erleben sondern über den Vize wenig bis überhaupt nicht zu rätseln haben. Hier hat Borussia Dortmund ebenfalls enteilende Schuhe an, kann sich darauf konzentrieren die Bayern wenigstens zu zwicken. Der neue Vizemeister hat momentan 20 Punkte Vorsprung vor dem Drittplatzierten, dort steht mit Bayern Leverkusen das Team der ewig Farb- und Konturlosen als würdiger Anführer aller Zurückgebliebenen. Jene, Schalke 04, welche sich gerne auf Augenhöhe mit Dortmund propagieren, liegen 28 Punkte hinter dem Tabellenzweiten und 36 Punkte hinter den Bayern. Wer soll das Duo Bayern/BVB in naher Zukunft ernsthaft in seinen jeweiligen Kreisen stören, dieses gar gefährden? Niemand. Der Österreicher Dietrich Mateschitz könnte mit der Wucht seines Geldes und dem Bundesliganeuling RB Leipzig diese zementierten Gegebenheiten durchbrechen, allerdings muss er dazu sehr tief in die Schatulle greifen. Am Saisonende kreuzen erst einmal die Bayern und der BVB im Olympiastadion die Klingen. Das letzte auf deutschem Fußballboden verbliebene echte Spitzenspiel, mit dem Recht diesen Namen wirklich zu tragen und auch gerecht zu werden, adelt die Finalansetzung zu Berlin.

Redaktion Magath & Fußball