Carlsen vs Caruana – Kampf um die Krone


Veröffentlicht am 7. November 2018

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Schachweltmeisterschaft 2018 in London

Unlängst bewunderte Felix Magath im Gespräch mit seiner Redaktion den Schachweltmeister Magnus Carlsen. Magath schätzt nicht nur Carlsens Fähigkeiten am Brett und dessen kraftvolle Spielweise. Besonders imponiert dem erfahrenen Fußballtrainer das ganzheitliche Erfolgskonzept von Magnus Carlsen, gepaart mit einer kontrollierten Besessenheit, starker Disziplin und Hartnäckigkeit, die selbst aus verlorenen Stellungen noch Gewinnpartien macht. Die Leidenschaft für Basketball und Fußball, der Carlsen als Fan und aktiver Spieler nachkommt, um sich auch körperlich auf hohem Niveau fit zu halten, wann immer es die Schachuhr erlaubt,  macht für Felix Magath das Bild eines sehr kompletten und verantwortungsvollen Sportlers vollkommen.

Im März 2018 konnte Felix Magath in Berlin, als Ehrengast der internationalen Schachgemeinde aus Anlass des Kandidatenturniers zur Schach WM, den späteren Sieger und damit aktuellen Carlsen Herausforderer Fabiano Caruana mit eigenen Augen beobachten. Magath sah einen Weltklassespieler, der allen Auf und Abs im Turnier trotzte und sich mit stoischer Gelassenheit gegen die Tricks und Aufgeregtheiten der Konkurrenz verdient behauptete. Wenn dies auch nicht spektakulär, eher etwas unscheinbar daherkam. Der US Amerikaner mit italienischen Wurzeln steht in puncto innerer Ruhe dem Weltmeister aus Norwegen in nichts nach. Wobei Carlsen auch wie ein Vulkan explodieren kann oder seinen Unmut durch ein angewidertes Mienenspiel durchaus zu zeigen weiß. Caruana scheint zu solchen Eruptionen fast nicht fähig, alle Stürme um ihn herum, passiert es nun auf dem Brett oder in seiner unmittelbaren Umgebung, nimmt er gleichmütig zur Kenntnis. Der Schachwelt steht ein großes Duell bevor. Für Felix Magath ein Duell auf Augenhöhe, bei welchem seine Sympathien klar verteilt sind und schon seit vielen Jahren dem norwegischen Weltmeister gelten. Im Februar 2016 spielten Magnus Carlsen und Felix Magath im Rahmen einer Hamburger Simultanveranstaltung gegeneinander und lernten sich persönlich kennen. (Carlsen gewann die Partie.)

In London tritt Fabiano Caruana mit dem US-Verband im Rücken an, dem er 2015 beitrat, da er sich vom italienischen Verband weder fachlich noch finanziell ausreichend unterstützt fühlte. Mit dem reichen und mächtigen US-Schachverband fährt Caruana offenbar besser und sieht sich auch durch diese Wertschätzung dem WM-Titel so nah wie nie. Ob sich in den USA eine ähnliche Schacheuphorie verbreitet wie zu Bobby Fischers Zeiten darf bezweifelt werden, zu abseitig und zeitlich viel zu lang scheint den Amerikanern das ruhige Spiel an einem Brett, welches bei ihnen eher in den Freizeitpark gehört. Anders die Norweger. 5 Millionen Einwohner stehen hinter ihrem Magnus, der Beliebtheitswerte wie König Harald V. vorweisen kann. Ein ganzes Land blickt nach London. Dem Rummel konnte sich Carlsen stets entziehen, die Norweger sind darin sowieso eher diskret und unaufdringlich. Für Carlsen ist der Mittelpunkt allen Lebens die Familie, welche ihm laut Selbstaussagen „alles“ bedeutet. Seine Eltern und seine drei Schwestern begleiten ihn oft zu Turnieren rund um den Globus. Ansonsten hält er sein Privatleben, das er mittlerweile als Millionär genießen darf, diskret von der Öffentlichkeit fern. Popstarallüren, wie sie durch die Köpfe vieler Fußballer geistern, sind einem Magnus Carlsen fremd, darin gleicht ihm auch sein Herausforderer.

Laut der aktuellen Bewertungsliste des Weltschachverbandes FIDE, frisch veröffentlicht Anfang November 2018, kämpfen endlich die beiden besten Spieler der Welt im Titelfinale. Das Rating von Carlsen beträgt 2835, jenes von Caruana 2832, Platz eins und zwei der Weltrangliste. Im Vorfeld wurde viel spekuliert, abgewogen und geschrieben wie geredet. Beide Protagonisten haben sich wohltuend raus- und zurückgehalten, Psychokriege wie Fischer-Spassky oder Karpow-Kortschnoi gehören wohl endgültig der Vergangenheit an. Carlsen und Caruana wollen ihren Job am Brett erledigen. Eine gespannte und äußerst interessierte Schachwelt wird ihnen dabei rund um den Globus und quer durch alle Zeitzonen auf die Finger und aufs Brett schauen.

Wettkampfmodus und Austragungsort

Das Duell Weltmeister Magnus Carlsen (Norwegen) gegen Herausforderer Fabiano Caruana (USA) um die WM-Krone 2018 findet vom 9. bis 28. November in London statt. Die Partien beginnen jeweils um 16.00 Uhr MEZ, Ortszeit London um 15.00 Uhr. Zwölf Partien werden gespielt, abwechselnd Schwarz und Weiß mit 100 Minuten Bedenkzeit für die ersten 40 Züge. Für einen Sieg gibt es einen Punkt, bei einem Remis 0,5 Punkte für jeden Spieler. Wer zuerst 6,5 Punkte hat, gewinnt den Weltmeistertitel und ist für zwei Jahre Titelträger. Steht es nach zwölf Partien 6:6 Unentschieden, entscheidet der Tie-Break. Es wird von einem Preisgeld von ca. 1 Million Euro ausgegangen. Austragungsort ist „The College“ in Holborn, ein viktorianischer Bau mit spektakulärer Glaskuppel in der Southampton Row im Londoner Stadtteil Camden.

Zeitplan

Donnerstag, 8. November – Eröffnung der Schach-WM
Freitag, 9. November – 1. Runde
Samstag, 10. November – 2. Runde

Sonntag, 11. November – Ruhetag
Montag, 12. November – 3. Runde
Dienstag, 13. November – 4. Runde

Mittwoch, 14. November – Ruhetag
Donnerstag, 15. November – 5. Runde
Freitag, 16. November – 6. Runde

Samstag, 17. November – Ruhetag
Sonntag, 18. November – 7. Runde
Montag, 19. November – 8. Runde

Dienstag, 20. November – Ruhetag
Mittwoch, 21. November – 9. Runde
Donnerstag, 22. November – 10. Runde

Freitag, 23. November – Ruhetag
Samstag, 24. November – 11. Runde
Sonntag, 25. November – Ruhetag
Montag, 26. November – 12. Runde
Dienstag, 27. November – Ruhetag
Mittwoch, 28. November – Tie-Break

Redaktion Magath & Fußball