Von Fans für Fans


Veröffentlicht am 8. Mai 2019

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Ein Fußball-Bildband der besonderen Art

In unserer bewährten Reihe von außergewöhnlichen Veröffentlichungen aus dem publizistischen Fußballsegment, heute ein absolutes Schwergewicht. Eine Meinungsäußerung in gewaltigen Bildern, die dem Fußball auf spezielle Art huldigen. 1,8 kg, um die 900 Fotos und ein Format 30 x 4 x 30, komprimiert auf knapp 320 intensiven und bildmächtigen Seiten, verdienen durchaus die Bezeichnung gewichtig und kommen dennoch überhaupt nicht schwerfällig daher. Die Fans des 1. FC Union Berlin haben in Eigeninitiative in die Tastatur gegriffen, dabei oftmals äußerst kreativ die Kamera gezückt und etwas durchaus Bemerkenswertes in die Fußballwelt gesetzt. Schon die Ausgangslage weckt Interesse, die akribische Umsetzung lässt staunen.

Im Ergebnis liegt der Öffentlichkeit nämlich nicht etwa eine in Auftrag gegebene und durchkalkulierte Marketingaktion oder ein routiniertes Werk der Vereinspublizistik vor, sondern unter dem Titel „Schulter an Schulter – Gib niemals auf und glaub an Dich!“ ein ausschließlich von Fans konzipierter Bildband, bei dem die freiwilligen und engagierten Redakteure das Heft des Handelns bestimmten und die Gesamtverantwortung trugen. Der Auslöser entstammt dem größten Triumph der Vereinsgeschichte. 1968 holte Union seinen einzigen Titel, man gewann den damaligen FDGB Pokal der DDR. Nun wollten die aktuellen Union-Fans diesen Titel aus Anlass seines fünfzigjährigen Jubiläums nicht mit Weihrauch bekränzen und sich in der Vergangenheit suhlen, sondern einen Bezug zur Aktualität und Gegenwart herstellen. Dies ist mit vorliegendem Werk mehr als gelungen. Die Saison 2017/2018 – 50 Jahre nach dem sensationellen Pokaltriumph – wurde Spieltag für Spieltag in Gesamtheit mit Kamera und Stift begleitet, akribisch, bildhaft und textlich eingefangen. Die daraus resultierende Ernte, reichhaltig und fundiert, wurde fachgerecht zwischen zwei Buchdeckel gebracht.

Auf den Seiten waren keine Schreiber zur Pflege persönlicher Eitelkeiten unterwegs, sondern Merker und Aufschreiber, die mit entspannter Beobachtungsgabe ein Gefühl für ihre unmittelbare Umgebung und deren Stimmungen entwickelten. Dem Betrachter und Leser genau diese Stimmungslagen authentisch und hautnah zu vermitteln ist eine hervorstechende Tugend dieses Bildbandes. Der Fußballfan – völlig egal, welchem Verein und Klub er huldigt – kann hier einen sehr ungeschminkten und ehrlichen Blick auf die Fan-Welt und den Punktspielalltag werfen, bei genauem Hinsehen Konturen seiner selbst erkennen. Auch unter Union Fans hat es in den letzten Jahren die ein oder andere, dem Fußball unserer Tage leider immer öfter innewohnende Entgleisung gegeben. Der Verein ist dagegen eingeschritten und hat unmissverständliche Signale gesetzt. Dieser Haltung entspricht auch das Buch, dem eine vorhandene Grundachtung vor dem sportlichen Gegner zu attestieren ist. In einer oftmals überhitzten Fußball- und naturgemäß unobjektiven Fan-Welt durchaus nicht selbstverständlich und daher angemerkt.

Der Bildband „Schulter an Schulter“ steht in einer Reihe publizistischer Erzeugnisse aus dem Klub 1. FC Union Berlin, die in ihrer Qualität und Quantität Erstklassigkeit vermitteln. Diese publizistische Schiene fügt sich authentisch in das sich stetig entwickelnde und lebendig daherkommende Gesamtbild des Vereins. Unter dem Dach des von Präsident Dirk Zingler umsichtig und unaufgeregt geführten Vereins gedeiht mittlerweile einiges an Vernunft, wachsende Professionalität, ausreichend Rationalität und traditionell allerlei Emotion. Demnächst steht vielleicht sogar der Weg in die Beletage des deutschen Fußballs bevor und Union kann erstmals seine Visitenkarte in der 1. Bundesliga abgeben. Zwei Matchbälle dafür liegen dieser Tage tabellarisch bereit. Die Spitze der 2. Bundesliga ist derzeit ein spannender Ort. Wer bei derart extremer Herausforderung solche Fans an seiner Seite hat, der muss sich auf diesem Weg sicher nicht fürchten.

Der neutrale Betrachter, Fußballfan und Rezensent, so dieser nicht in Unionwäsche nächtigt und per Blutkreislauf Stadionheft und Aufstellungen rückwärts singen kann, hätte sich wohl bei den jeweiligen Spieltagtexten noch die Mannschaftsaufstellung und die Torschützen der Eisernen gewünscht. Solcher Art Neugier wohnt dem Statistikherz eben inne. Diese Auslassung ist aber verzeihlich und schmälert nicht im Mindesten den Reiz des Bildbandes. Es ging den Machern schließlich um einen Blick ins Leben und nicht um allumfassende Perfektion. Leben und Realität sind alles, aber nur selten perfekt. Und Leben bietet dieses Buch eine Menge. Es lohnt, darin zu verweilen.

Macher des Bildbandes „Schulter an Schulter – Gib niemals auf und glaub an Dich!“

Die zuständigen Fanredakteure und Kameraenthusiasten Marcus Shootster, Felix Ram und Nick Palitsch haben ordentliches und sehr engagiertes Handwerk geliefert, dabei eine Menge Herzblut eingebracht. Unterstützt und beraten wurden sie durch die  Stiftung des 1. FC Union Berlin e. V. „UNION VEREINT. Schulter an Schulter“ und deren Vorsitzenden und Union-Ehrenmitglied Jochen Lesching.

Wie und wo ist der Bildband zu begutachten oder zu erwerben?

https://www.union-zeughaus.de/union-berlin/fotoband-softcover.htm?PSUB=Shop&PID=939aaf5b-ff85-49d3-84ba-180559e0ab4c

  • Die im Text verwendeten Bilder enstammen sämtlich dem Bildband und wurden mit Erlaubnis der hier genannten Redakteure Shootster, Ram, Palisch veröffentlicht.

Redaktion Magath & Fußball