Order!


Veröffentlicht am 2. November 2019

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John Bercow: Fußballfan, Tennisenthusiast und Sportautor

Mr. Speaker als Gunners-Fan

Sein Order! brachte stets das House of Commons zur Räson ohne den uralten Geist des englischen Parlamentarismus zu verletzten. Ob unendliche Brexit-Debatten oder persönliche Schmähungen, John Bercow behielt Kopf und Ruhe, oftmals auch einen alle Lager beruhigenden Humor. Die Integrität seiner Person, das bestimmte Auftreten und eine absolute Klarheit in Sprache und Sache von Parlament und Demokratie, gepaart mit Durchsetzungsvermögen, machten John Simon Bercow zu einer in ganz Europa bewunderten politischen Figur. Zehn Jahre Sprecher des britischen Unterhauses sind ihm nun genug, er räumt den Posten und kandidiert auch nicht mehr fürs Parlament. Mr. Speaker hat genug. Nun Zeit für Sport? No Sports galt nämlich für diesen Briten nie. Im Gegenteil.

Es vergeht kein Heimspiel von Arsenal, welches der Dauerkartenbesitzer John Bercow nicht an der Seite seines Sohnes im Londoner Emirates Stadium verbringt. Dabei ist er nicht weniger energisch und stimmgewaltig als bei seinen Ausbrüchen im Unterhaus.  Der in Londons Norden geborene 56-jährige Bercow ist eingefleischter Fan der Gunners. Außerdem ist er ein leidenschaftlicher Tennisspieler, der als Junior Turniere spielte und später auch als Tennistrainer arbeitete. 2014 huldigte er dem Tennis sogar in Buchform, schrieb eines der besten Tennisbücher des letzten Jahrzehnts und sorgte als Sportautor und Tenniskenner für Furore. In „Tennis Maestros: The Twenty Greatest Male Tennis Players of all Time“ beschäftigt sich Bercow auf sehr persönliche Weise mit den aus seiner Sicht 20 besten Tennisspielern aller Zeiten. Diese sind in der Reihenfolge der Kapitel laut Bercow: Bill Tilden, Fred Perry, Don Budge, Jack Kramer, Pancho Gonzales, Ken Rosewall, Lew Hoad, Roy Emerson, Rod Laver, Jimmy Conners, Björn Borg, John McEnroe, Ivan Lendl, Boris Becker, Stefan Edberg, Andre Agassi, Pete Sampras, Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic.

Bercow arbeitet im Buch viel mit Statistiken, Platzbelegen, Ballgeschwindigkeiten und modernsten Schlägertechnologien, um Vergleiche über die Jahrzehnte wagen und anstellen zu können. Die Fleißarbeit des Enthusiasten ist nicht frei von Irrtümern, Experten nörgeln, aber Bercow überdeckt Ungenauigkeiten mit Leidenschaft und bietet dem Leser fantastische Einzelporträts von herausragenden Tennisspielern, huldigt diesem Sport und den Legenden auf besondere Weise. Möge er, so nicht bei den Gunners auf der Tribüne beschäftigt, bald wieder Zeit und Muße für sein Racket finden.

Redaktion Magath & Sport