Archiv der Kategorie: WM 2014

Rückschau


Veröffentlicht am 30. Dezember 2014

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Fußball 2014 kam in voller Fahrt

Auf der Strecke geht unendlich viel verloren, Ruhm und Schmach haben kaum noch Zeit, sich in die Köpfe zu setzen. Das Karussell Fußball dreht immer schneller, der Zirkus verschlingt oft die Manege, Spiele geben sich im Tagestakt die Klinke in die Hand. Haften bleibt der Weltmeister. Mehr geht auch am Jahresende nicht. Das funkelt auch in der Erinnerung. Wer denkt noch an Geschlagene und Plätze? Deutschland hat das Ding aus Südamerika geholt. Einmalige Leistung. Bei den gut geführten Nachwuchszentren, vielen seriösen Clubs und einer funktionierenden Liga wird es nicht der letzte deutsche Titel bleiben. Die anderen hecheln nur noch hinterher. Weiterlesen

Der gerechte Lohn


Veröffentlicht am 19. Juli 2014

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Deutschland ist hochverdienter Weltmeister 2014

1954, 1974, 1990, 2014! Deutschland ist Weltmeister! Endlich, der vierte Stern! Doch wer hätte das noch vor zwei Monaten für möglich gehalten, als eine personell arg gebeutelte DFB-Auswahl am 21. Mai ins Trainingslager im Passeiertal in Südtirol aufbrach? Neuer, Schweinsteiger, Lahm – inzwischen WM-Helden und dem Legendenstatus nah – plagten sich mit mehr oder minder schweren Verletzungen, der Pflichtspielmarathon einer gedrängten Spielzeit hatte seine Spuren hinterlassen. Schnell ward zudem der Stab über Joachim Löw gebrochen, der einmal mehr mit ebenso mutigen wie überraschenden Kaderentscheidungen aufgewartet hatte, die Wünsche der etwa 81 Millionen Bundestrainer in unserem fußballverrückten Land natürlich nicht alle erfüllen konnte und deshalb öffentlich zum Abschuss freigegeben wurde. Kurzum: Die Kritiker und hiesigen Sportmedien rieben sich erwartungsfroh die Hände angesichts der unmittelbar bevorstehenden Zäsur in Fußball-Deutschland. Doch 59 Tage später ist plötzlich alles anders. Eine Generation, der die Siegermentalität auf der größten Bühne des Weltfußballs schon abgesprochen wurde, hat sich auf beeindruckende Weise selbst ein Denkmal gesetzt. Ein echtes Team hat es allen gezeigt. Weiterlesen

Freud und Leid – Blick zurück


Veröffentlicht am 16. Juli 2014

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Deutschland am Scheitelpunkt einer Ära, die Fußballwelt im Umbruch

Wir waren Papst und sind Weltmeister. Mehr geht nicht. Die Fußballwelt huldigt unserem Land. Deutschland hat mit Teamgeist, Siegeswillen und Spielkultur den Thron bestiegen, die Spanier abgelöst, kann ähnlich wie die Iberer einige Jahre den Weltfußball dominieren. Spieler und Potenzial sind vorhanden, die Bundesliga schaufelt Nachfolger. Einen Jungen namens Kramer konnte man bis zu seinem Knockout schon im Endspiel bewundern. Die Keimzellen dieses Triumphs liegen auch in München und Dortmund. Bayern wie die Borussia waren eine signalhafte Vorhut für diesen Titel, Wembley 2013 kein Zufall. Titelverteidigung 2018 also durchaus machbar, auf der Wegstrecke Europameister, nichts ist unmöglich. Die Weltmeister sind zurück und haben sich jedwede Feierlichkeit nebst Urlaub grandios wie redlich verdient. Danke, Deutschland! Weiterlesen

Weltmeister 2014


Veröffentlicht am 13. Juli 2014

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DEUTSCHLAND

Manuel Neuer, Roman Weidenfeller, Ron-Robert Zieler, Jérôme Boateng, Erik Durm, Kevin Großkreutz, Benedikt Höwedes, Mats Hummels, Philipp Lahm, Per Mertesacker, Shkodran Mustafi, Julian Draxler, Matthias Ginter, Mario Götze, Sami Khedira, Christoph Kramer, Toni Kroos, Thomas Müller, Mesut Özil, Lukas Podolski, André Schürrle, Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose

Showtime


Veröffentlicht am 13. Juli 2014

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Deutschland vor viertem Titelgewinn

„We want Angel!“ So läutet William Holden in „The Wild Bunch“ den berühmtesten Showdown der Filmgeschichte ein. Die Argentinier und ihre Fans können dieses Diktum nachfühlen, man sehnt sich nach Angel Di Maria. Seine mögliche Unterstützung als kongenialer Partner für Messi und Strohhalm für eine ganze Nation ist letzter Hoffnungsfunke im Endspiel gegen Deutschland. Es wird nichts nützen, sein Mitwirken ist unwahrscheinlich. Falls er doch spielt, er wird nicht im Vollbesitz seiner Kräfte sein und kaum durchhalten. Selbst mit voller Kraft könnte er Deutschland nicht gefährden. Diese Hoffnung also trügerisch. Am Dienstag will man auf der großen Fanmeile am Brandenburger Tor zu Berlin den frisch gekürten Weltmeister feiern. Der wird nicht Argentinien heißen. Deutschland wird Trophäe und Titel mit in die Heimat bringen, niemand zweifelt mehr daran. Weiterlesen

Pein der Besiegten


Veröffentlicht am 12. Juli 2014

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Brasilien und Holland müssen um Platz drei spielen

Wer auszog, Weltmeister zu werden, der wandelt künftig nicht durchs Leben und ruft „ich bin Dritter“. Spieler und Trainer wollen dieses unsägliche Spiel um Platz drei nicht. Aber in dieser Frage geht es weder um den Willen von Sportlern noch um die Vernunft, hier geht es um die FIFA, Übertragungsrechte, TV-Einnahmen, Marketing und das liebe Geld. Da müssen die Verlierer der Halbfinals also ran. Wessen Lebenstraum vom Weltmeistertitel zerplatzt, diese Krönung eines Spieler- oder Trainerlebens gestorben, der Schmerz darüber noch gegenwärtig, hat allerdings anderes im Kopf und in den Beinen. In einer Farce, die oftmals noch den schrecklichen wie verhöhnenden Beinamen „Kleines Finale“ erhält, möchte niemand freiwillig auftreten. Die Besiegten der Halbfinals sollten in ihrem Scheitern künftig mehr Respekt empfangen und von dieser Pein befreit werden. Die Streichung dieses Spiels bei künftigen WM-Turnieren wäre ein Signal für Sportlichkeit, ein Zeichen für Anstand, Vernunft und Fairness.  Weiterlesen

Kontinentalduelle


Veröffentlicht am 11. Juli 2014

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Zum dritten Mal ein WM-Endspiel Deutschland – Argentinien

Europa gegen Südamerika, keine unerwartete Finalkonstellation. Das Ergebnis des Elfmeterschießens im Spiel Argentinien gegen Holland bescherte Deutschland seinen Endspielgegner. Man kennt sich. Die Leistung der Argentinier macht nicht fürchten. Messi allein auf weiter Flur wird Deutschland diesen Titel nicht nehmen können. Die Zeiten von Alleinherrschern Marke Maradona oder Zidane scheinen vorbei, einer gegen elf funktioniert im heutigen Fußballbetrieb nicht mehr. Deutschland spielt Fußball, Messi ist Fußball, das bessere Team wird aber den Ausschlag geben und die WM-Trophäe nach Europa holen.

Der Sonntagabend wird Deutschland in eine einzige Partyzone verwandeln, wenige wollen nicht dabei sein. An eben diesem Sonntag werden die Brasilianer sehen, wie ihr Bezwinger Weltmeister wird, aber wenigstens nicht erleben müssen, wie ihr größter Rivale den Titel mit ins Nachbarland nimmt. Sicher nur ein schwacher Trost. Keiner mag das Spiel um Platz drei, Brasilien und Holland müssen aus der Agonie der Niederlage direkt in diese Pein, Freude wird keine aufkommen. Mögen nach dem Abpfiff die Menschen in Brasilien bald wieder Frieden mit ihrem Fußball schließen und die Freude am Spiel in ihre Herzen zurückkehren. In den deutschen Fußballherzen beginnt dagegen immer deutlicher der lang ersehnte vierte Stern zu leuchten.

Redaktion Magath & Fußball

Der Stille und der Mächtige


Veröffentlicht am 9. Juli 2014

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Argentinien oder Holland: Wer wird Finalgegner der Deutschen?

Macht hin oder her, die Großmeister der Zunft sind geprügelt vom Feld, del Bosque, Tabárez und Scolari längst ruhmlos gescheitert. Der kleine Mann aus Buenos Aires kann dagegen den Einzug ins WM-Endspiel erleben, ob nun als Boss, als Geduldeter oder Ohnmächtiger. Die einen fragen, wer Alejandro Sabella wirklich ist, andere ob es ihn überhaupt gibt. Die Neue Zürcher Zeitung nennt ihn „Schattenmann“, unfeinere Blätter „Marionette“ und deutsche Gazetten vergleichen ihn mit Berti Vogts, nichts davon ist schmeichelhaft gemeint. Tritt er nach vorn, spritzen ihm Spieler Wasser ins Gesicht, tritt er nach hinten, fällt er in die eigene Bank. Fettnäpfe scheinen seine Heimat. Auch soll Messi den Kader und das System bestimmen, nicht der Mann an der Seitenlinie. Nichts Genaues weiß man nicht, Spekulation schießen ins Kraut und perlen an Sabella ab. Er gilt zumindest als sehr fürsorglich gegenüber seinen Spielern und Mitarbeitern.

Ohnmacht fällt einem beim Gegenüber nicht ein. Anfechtungen sind Louis van Gaal fremd, sein sprudelnder Kraftquell ist um den Fußballglobus bekannt. Wenn der „Tulpengeneral“ in seine Kladde blickt oder schreibt, ist Epochales in Dingen Fußball zu erwarten, unter dem tut er es nicht. Sein Diktum ist Gesetz, seine Gestik richtungsweisend, das Ego praller als ein Atomsprengkopf, Erfolg pflastert seinen Weg. Ob Charisma über die Fürsorglichkeit siegt oder umgekehrt, wir werden es erleben. Nach Abpfiff kann es nur einen geben.

Redaktion Magath & Fußball

Es geht weiter!


Veröffentlicht am 9. Juli 2014

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Zwischen Mineirazo und Maracanã

Sie konnten einem richtig Leid tun, wie sie da standen, mit Tränen in den Augen und eine Erklärung suchten für das doch Unerklärliche. Die stolzen Brasilianer, der Rekordweltmeister, die Seleção, Botschafter des schönen Spiels, vom eigenen Volk und der Welt zum Siegen verdammt, vom enttäuschten Publikum im Estádio Mineirão schlussendlich mit Pfiffen verabschiedet. Selbst bei deutschen Fußballfans hinterließ der Blick auf die Anzeigetafel nach Spielschluss neben überschäumenden, euphorisierenden Freudgefühlen auch Mitleidsempfindungen für die brasilianische Seele. Diese wird nun zweifellos einen Moment brauchen, um sich aus ihrer Schockstarre zu erholen. 1:7! Zu unerwartet die Angriffswucht der DFB-Elf, zu unerwartet auch der Leistungsabfall der eigenen Mannschaft. Halten wir es trotzdem mit Felipão: Das Leben geht weiter! Man darf hoffen, dass seine Titel und Taten für Brasiliens Herzstück trotz des unfassbar großen Schmerz des Augenblicks niemals in Vergessenheit geraten. Denn dieser Mann erst erweckte den Traum eines ganzen Landes von der „Hexa Campeão“ zum Leben.

Während die Nacht von Belo Horizonte nun für die einen nicht das Ende der Welt, so ist sie für die anderen nicht das Ende des Weges. Die deutsche Mannschaft punktete nach zwei verlorenen WM-Halbfinalspielen diesmal auf ganzer Linie. Durch ihren schnörkellos effektiven wie abgeklärten Vortrag auf dem Rasen versetzte sie die Fußballwelt erst in kollektive Sprachlosigkeit, um dann im Anschluss mit ähnlicher Konsequenz alles dafür zu tun, so schnell wie möglich zur Normalität zurückzukehren. Das gefällt vor allem deshalb so gut, weil am Sonntag alles wieder von vorne los geht. Mit einer überbordenden Erwartungshaltung zwar, aber auch mit einem gänzlich anders eingestellten Gegner.

„Das ist die schlimmste Niederlage aller Zeiten. Das Leben geht weiter, auch mein Leben geht weiter. Das Ergebnis fällt auf mich zurück, ich bin der Verantwortliche.“
(Luiz Felipe Scolari)

„Ich danke Gott dafür, eine Weltmeisterschaft im eigenen Land habe spielen zu dürfen. Ein Glückwunsch an das gesamte Land für ein tolles Turnier. Wir standen dicht davor, aber es hat nicht gereicht.“
(Júlio César)

„Wir wollten unserem Volk nur Freude bereiten. Wir möchten uns entschuldigen.“
(David Luiz)

„Wir haben in der ersten Halbzeit schon sehr gut gespielt – aber jetzt geht es weiter. Ein bisschen Demut kann uns jetzt nicht schaden.“
(Joachim Löw)

„Wir erinnern uns noch gut an das Spiel gegen Algerien, da hat man uns permanent runtergeschrieben. Jetzt werden wir in den Himmel gehoben. Beides ist, denke ich, der falsche Ansatz.“
(Thomas Müller)