Archiv der Kategorie: Fußball

Schuldfrage


Veröffentlicht am 4. Mai 2016

Fehlender Wettbewerb in der Heimat hilft den Bayern international wenig

Emotionen im Fußball sollte man richtig einordnen, es geht nicht um Leben und Tod, meistens nur um Geld und Erfolg. Karl-Heinz Rummenigge fühlte sich und die Bayern nach dem geplatzten Champions League Traum „ein bisschen betrogen“, meinte dies „ernst und ehrlich“ und machte auch den Schiedsrichter als Hort des Unglücks aus. Schon seit Kindertagen kennen wir alle diesen Reflex, an schlechten Noten ist man nie selber schuld sondern immer der Lehrer. Zum Thema ein „bisschen betrogen“ könnte der Bayern Boss auch in Turin bei einer Alten Dame anrufen, wie die sich wohl nach ihrem Achtelfinalrückspiel gegen die Bayern fühlte und die Schiedsrichterleistung beurteilte. Die Bayern und ihr katalanischer Trainer haben gegen Atlético Madrid wohl wenig falsch gemacht, es reichte dennoch nicht. Im Leben wie im Sport trifft man manchmal auf Granit. Wenn dieser Stein noch Diego Pablo Simeone heißt wird es im Sinne des Wortes hart. Die Auswärtstorregel stand dem Finaleinzug ebenfalls im Weg. Ein alter Fahrensmann wie Arsène Wenger wettert seit Jahren dagegen, hat mit dieser Meinung viele Fußballfans auf seiner Seite. Ein bisschen Schuld hat wohl auch Atlético Madrid, die sich beharrlich weigerten vor Ehrfurcht zu erstarren und sich in ihr von Experten bestimmtes Schicksal zu fügen. Eine respektlose Mannschaft, die beharrlich an ihre Grenzen geht. Um es mit einem alten Bayern-Coach zu sagen: Was erlauben Simeone? Weiterlesen

Auf dem Gipfel


Veröffentlicht am 3. Mai 2016

Leicester City souveräner Meister der Premier Leauge 2015/16

Ein verdienter Meister ziert die Tabellenspitze der Premier League. Souverän wurde die Konkurrenz abgehangen. Die Großen des englischen Fußballs früh und blamabel aus dem Rennen. Der letzte Verfolger, die Tottenham Hotspur stets mit Versagen wenn es galt dran zu bleiben. Das Team von Claudio Ranieri hat keine geölten Models in seinen Reihen, keine sich selbst feiernden Superstars zieren den Kader von Leicester City. Ein Team mit Kampfgeist und dem Willen zum Mannschaftssport steht in der Sonne des größten Fußballtriumphes der englischen Ligageschichte und der eigenen Vereinshistorie. Ein Wunder ist allerdings nicht zu verzeichnen. Es ist alles viel einfacher. Ein Trainer alter Schule hat dem Club und seiner Mannschaft harte und konkrete Arbeit verordnet. Auf dem Platz standen stets Fußballspieler und keine Diven oder verwöhnte Wohlstandsbubis. Ranierei notiert eher mit Tinte als auf dem Notebook. Einen Matchplan hatte niemand in Leicester. In Leicester haben sie lieber den Erfolg. Und was für einen. Chapeau!

Redaktion Magath & Fußball

Der Gaukler


Veröffentlicht am 29. April 2016

Hummels macht den Götze

Wieder einer. Mats Hummels wird dem geneigten Fußballfan und vor allen den BVB Anhängern noch einiges vorgaukeln, sein Ansinnen auf den Markt tragen und aus seiner Kümmerlichkeit einen öffentlichen Zustand machen. Da werden dann Geschichten von ersehnter Rückkehr in die Heimat gesponnen und die Mär von den familiären Wurzeln aufgetischt, den Fans die große Rosstäuscherei vorgemacht, wo in Wirklichkeit der Mammon winkt. Wenn man sich dumm und dämlich verdienen kann ist man eben irgendwann mit nur dämlich nicht mehr zufrieden. Es ist auch völlig in Ordnung. Wer von uns wirft den ersten Stein? Aber es täte der Öffentlichkeit richtig gut wenn sie einen Profi erleben könnte der seinen Dreh- und Angelpunkt Geld eingesteht und nichts von Titeln und Karriere faselt, dabei verbale Nebelkerzen zündet, um vom Mammon abzulenken. Weiterlesen

Harter Arbeiter


Veröffentlicht am 16. April 2016

„Das ist hier ein Wunder – weil wir schon gesichert sind. Denken Sie daran, vor dem ersten Spiel hieß es bei den Wettanbietern: Ranieri wird zuerst entlassen, Leicester ist der erste Absteiger. Ich erinnere mich gut. Wir schreiben eine tolle Geschichte. Daran wird man sich in 30 oder 40 Jahren noch erinnern. Wir haben viel geleistet, aber noch nichts erreicht. Ich bin sehr auf das nächste Spiel gegen West Ham konzentriert. Ich bin der gleiche Manager wie damals. In Griechenland hatte ich nur 15 Mal in vier Monaten arbeiten können. Das heißt, drei Tage vor jedem Spiel, ohne ein Freundschaftsspiel, ohne alles. Was konnte ich tun? Ich bin kein Zauberer. Ich bin nur ein harter Arbeiter.“

(Claudio Ranieri, Pressekonferenz, Leicester, 15. April 2016)

Sieg der Europa League


Veröffentlicht am 15. April 2016

Reds vs. BVB und ihr 4:3 als Höhepunkt der Fußballwoche

Am Anfang sah der FC Liverpool nicht gut aus, am Ende die Borussia aus Dortmund schlecht. Gewonnen hat in diesem finalwürdigen Duell der Fußball. Wer die öden Vorstellungen der Champions League Viertelfinalisten vor Augen hatte rieb sich selbige vor Freude. An der Anfield Road boten zwei mitreißende Teams und ein euphorisches Publikum etwas für das Fußballherz. Schon das Hinspiel in der gleichsam beeindruckenden Dortmunder Kulisse war eine tolle Vorspeise für diesen Hauptgang. Die Europa League zeigte mit dieser Partie Klasse und Lebendigkeit, wo die Königsklasse außer lautem Pomp nur übersättigte Weltstars vorführte, die ihre Berühmtheit über den Rasen trugen. Bestes Beispiel der selbsternannte Supermann Zlatan Ibrahimović, dessen mittelmäßiger Auftritt an Peinlichkeit schwerlich zu überbieten. Hoffentlich hat man in China gut hingesehen und kommt nicht wirklich auf die Idee, eine so überschätzte Figur zur überteuerten Ikone einer neuen Liga zu machen. Der chinesische Fußball hat Besseres verdient. Scharen überdrehter Reporter und Experten konnten den mauen Fußball der Geldmaschine Champions League nicht übertünchen. Anders der Abend der Borussia und des FC Liverpool. Selbst in ihren Fehlern boten beide Mannschaften noch Leidenschaft, die man in der Champions League nur noch in der Rhetorik und selten auf dem Platz findet. Jürgen Klopp hat seine Trainerkollegen in der Premier League beschämt, die europäischen Wettbewerben oftmals nur Halbherzigkeit entgegenbringen und mit ihren Teams immer öfter für kollektive Blamagen der angeblich besten Liga der Welt sorgen. Liverpool zeigte eine andere Einstellung. Der BVB machte dem Wettbewerb ebenfalls Ehre, ist gegen die Reds ein Stück weit auch an sich selbst gescheitert und wird sich schwerlich trösten lassen. Teil von zwei beeindruckenden Fußballabenden bleiben die Dortmunder dennoch. Solche Abende haben sie einige in ihrem Köcher, mit gutem wie mit schlechtem Ausgang. Daran Jürgen Klopp von nun an auf beiden Seiten gewichtigen Anteil. Sein FC Liverpool hat durchaus das Zeug und weiterhin die Chance den Titel in der Europa League zu gewinnen.

Redaktion Magath & Fußball

Gipfelstürmer


Veröffentlicht am 5. April 2016

Leicester City ist kein Wunder sondern Arbeit, Teamgeist, Solidität und Vernunft

Englands Eliteliga ist offenbar überorchestriert. Zu viele Mittel sind vorhanden für zu wenig Zweck. Bei den Vorzeigeclubs auf der Insel herrschen immer mehr die konzeptlosen Hektiker, die latent in Aktionismus verfallen. Deren Antwort heißt stets, einfach noch mehr Geld ausgeben. Selbst einem Dauerbrenner wie Arsène Wenger fällt es immer schwerer nicht auch in diese Hektik zu verfallen. Vereine und Manager in England mit Kollapsnahen Zuständen. Der Spiegel hat dieser Tage mit scharfer Deutlichkeit die Dekadenz der Premier League und den Verfall aller Sitten durch die Flut des Geldes aufgezeigt. Finanzielle Mittel fließen in Strömen in Vereine und danach in Spielertaschen. Millionengagen auch für schreckliches Mittelmaß sorgen für wettbewerbshemmende Sattheit unter den Balltretern und deren wachsende Trägheit. Die Ausbeute in internationalen Wettbewerben ist dagegen ein mieses wie blamables Arbeitszeugnis der Profis von der Insel. Auch in einem trüben Teich schwimmt allerdings oftmals ein strahlender Fisch. In der Premier League heißt dieser Leicester City. Jenseits von Sieg und Niederlage steht bei Leicester City immer eine Mannschaft auf dem Platz. Als Lohn zeichnet sich für Leicester City am Horizont der erste englische Meistertitel ab. Der Gipfel allen Strebens liegt zum Greifen nah. Weiterlesen

Kleine und große Revolutionen


Veröffentlicht am 16. März 2016

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Zwischen Aufbruch und Routine – Fußballwelt im Wandel

Leicester City macht sich unter dem italienischen Trainer Claudio Ranieri Richtung englischer Meistertitel auf. Mit Enthusiasmus und Erfolg sorgt das Team aus den Midlands für eine kleine Revolution im englischen Ligabetrieb. Der geldschweren und traditionsbeladenen Restmeute in der Premier League gehen langsam die Spiele aus um den aufmüpfigen Außenseiter noch vom anvisierten Titelthron zu stoßen. Englands Fußballeliten blamieren sich dabei im Wochentakt und mutieren nebenher in den europäischen Cupwettbewerben zum belächelten Fallobst. Reich aber unfähig lautet das fatale Zeugnis. Ranieri und seine Jungs schwimmen nicht im Geld, frönen keiner Zeitgeistwelle, schwadronieren weder von Matchplänen noch über Ballbesitzstatistiken. Leicester City spielt kompromisslosen Fußball auf der Basis harter Arbeit und der Konzentration auf den zu erledigenden Job. Der 1951 in Rom geborene Ranieri steht auch als ein erfolgreicher Gegenentwurf zu den Bundesligatrainern neuer Färbung, die immer öfter als schwache Verfügungsmasse von manövrierenden Sportmanagern ausgewählt und aus Nachwuchsabteilungen oder direkt vom Schulhof rekrutiert werden. Ranieri lebt und kann Fußball aus dem Effeff. Sein Team versprüht keinen Glanz für die Galerie, scheffelt aber eine Menge Punkte für den Gipfel der Tabelle. Otto Rehhagels Diktum bleibt ewig jung und richtig: Modern ist, wer gewinnt! Ein bewundernswertes Team, mit einem gestandenen Trainer, in einem bemerkenswerten Club, mischt die graue Einförmigkeit der immer wiederkehrenden Standardbilder des englischen und europäischen Fußballs auf. Weiterlesen

Holländische Schonkost


Veröffentlicht am 28. Dezember 2015

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Hinrunde in der Premier League (fast) abgeschlossen

Das Spitzenspiel am 19. Spieltag der Premier League sollten Manchester United und der FC Chelsea liefern. Im Old Trafford stellte sich Chelsea hinten rein und setzte auf Konter, während sich der Gastgeber am Spiel versuchte. Gemessen an den bisherigen Leistungen beider Teams gehörte dieses Spiel zu den besseren Saisonereignissen. Die holländischen Trainer Louis van Gaal und Guus Hiddink kennen sich und ihr Wesen ein Fußballleben lang. Die Akzente setzten ihre Torhüter. Mit Weltklasseparaden sorgten David de Gea und Thibaut Courtois für den dauerhaften Bestand der Null. Die Partie hatte starke Momente, schon in der ersten Minute knallte Manchesters Offensivmann Juan Mata den Ball gegen die Latte, und langatmige Phasen. Das erreichte 0:0 hilft beiden nicht von der Stelle. Die Blues kommen nicht aus den Niederungen, die Verbesserung auf den 14. Platz wird nicht für Euphorie sorgen. Die Red Devils verharren weiter auf dem 6. Platz. Die medialen Kampagnen gegen Louis van Gaal werden damit wohl nur wenig gebremst. Das wirkliche Spitzenspiel könnte am Dienstag in Leicester stattfinden, der Gastgeber empfängt als Tabellenzweiter den Viertplatzierten Manchester City. Bis zu dieser Partie bleiben die Gunners aus London allerdings Tabellenführer. Das Team von Arsène Wenger besiegte im heimischen Emirates Stadium den Aufsteiger AFC Bournemouth farblos aber verdient mit 2:0, Torschützen Gabriel Paulista und Mesut Özil. Die Klatsche von Southampton steckte zwar noch in den Gunners-Knochen, aber immerhin blieben drei wichtige Punkte in London. Die Konkurrenz schläft nämlich nicht. Weiterlesen

Mutterland am Ball


Veröffentlicht am 27. Dezember 2015

Der Ire Shane Long (rechts) traf beim 4:0-Sieg Southamptons über Arsenal doppelt.

Der Ire Shane Long (rechts) traf beim 4:0-Sieg Southamptons über Arsenal doppelt.

Gunners scheitern beim Sprung an die Spitze – Red Devils rutschen ab

Schnee lässt weiter auf sich warten, die Frühlingsweihnacht vorbei, das Jahr 2015 zur Neige. In deutschen Fußball-Landen muss man in Sachen Erstligafußball auf 2016 warten. Schnee haben sie in England ebenfalls nicht. Aber so sicher wie das Knutschen unterm Mistelzweig an Weihnachten auch noch Fußball. Eben Mutterland des runden Leders. Boxing Day ist angesagt. Arsenal wollte mit einem Auswärtssieg beim FC Southampton Platz eins erobern. Die Saints, in dieser Saison ohne den großen Sprung Richtung Spitze, sollten den Londonern als Stolperstein nicht im Weg stehen. Drei Punkte für die Gunners machbar, die mögliche Tabellenführung ein zusätzlicher Schub. Die nötige Schützenhilfe kam vom FC Liverpool, der besiegte Tabellenführer Leicester City verdient mit 1:0 an der Anfield Road. Christian Benteke hatte es bei den Reds nicht in die Startelf geschafft, kam durch die Verletzung von Stürmerkollege Divock Origi zum Ende der ersten Halbzeit doch noch zum Zug und erzielte Mitte der zweiten Hälfte das goldene 1:0. Glückliche Fügungen im Universum von Jürgen Klopp. Witterung Europa League darf der FC Liverpool auf Platz acht aufnehmen. Besser geht es da dem Verlierer der Partie. Leicester City führt trotz Auswärtsniederlage die Premier League weiter an. Mit 38 Punkten bleibt man auch nach dem 18. Spieltag Tabellenführer. Der Verfolger verspielte seinen Matchball und scheiterte armselig mit dem versuchten Sprung an die Spitze. Schon sind wir wieder bei den Gunners. Weiterlesen