Archiv der Kategorie: Medien

Cicero | Ausgabe Nr. 2, Februar 2017


Veröffentlicht am 3. Februar 2017

Cicero Februar 2017

„Cicero kommt mit klaren Analysen daher und bietet anregende Texte. Bei Cicero habe ich nicht das Gefühl, von den Autoren manipuliert zu werden, sondern Cicero lässt seinen Lesern die Freiheit der eigenen Meinung.“

(Felix Magath, 29. Januar 2017, Facebook)

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Das Gesetz des Schweigens


Veröffentlicht am 1. Dezember 2015

So oft sagen Teambetreuer, Mannschaftsärzte, Spielerberater: „Ich könnte ein Buch schreiben.“ Und dann erzählen sie hinter vorgehaltener Hand ihre Geschichten. Aber ein Buch schreiben sie nie. Die Furcht, ihren Platz in der Bundesliga zu verlieren, ist stets der stärkere Impuls. Trotz oder gerade wegen all der Kameras wird im Fußballbetrieb das Gesetz des Schweigens geachtet: Was in der Branche passiert, bleibt in der Branche.

(Mroskos Talente, Ronald Reng, Verlag Piper, 2015, S. 21f.)

Kreisliga


Veröffentlicht am 13. November 2015

„Wer sich über eine WM im Winter beschwert, hat nie ein Kreisligaspiel im Januar gesehen: Der Kaffee ist kalt, das Bier gefroren und der Nebel so dicht, dass man nicht einmal die gegenüberliegende Eckfahne sieht. Da verbrüdert sich das Publikum aus erfolgshungrigen Eltern und grummeligen Rentnern gegen den Schiedsrichter, der wahlweise „voll Panne“ ist oder einfach „keine Augen im Kopf“ hat und eh die größte Pfeife seit Menschengedenken ist. In der Kreisliga geht es nicht ums Zaubern, sondern ums Kämpfen.“

(„Fußball extrem“, Wochenzeitung „Freitag“, 18. März 2015)

So ist Fußball


Veröffentlicht am 9. November 2015

„Wenn in der Nachspielzeit zwei Tore fallen und die Partie noch kippt, ins Absurde. Oder wenn an einem Samstag im Mai ein Sonntagsschuss alles entscheidet, die ganze Saison. Das ist der Moment, in dem Reporter „So ist Fußball“ sagen, um zu erklären, was anders nicht zu erklären ist: dass Fußball ein eigener Planet ist, mit seinen eigenen Gesetzen. Eine Spielwelt, in der alles möglich ist, auf dem Platz, aber auch daneben. Beherrscht von Fußballgöttern, bevölkert von fiebrigen Fans, beklatscht von Jubel-Journalisten. Diesen Mitspielern, die alle so tun, als wären die Regeln des Spiels das echte Leben. Ja, so ist Fußball.“

(Der Spiegel, „Absolutes Vertrauen“, Ausgabe 46/2015)

Zwischen James Bond und Humankapital


Veröffentlicht am 2. November 2015

„Die Stellenbeschreibung eines Trainers bei einem der acht bis zehn großen Fußballclubs der Welt ist ganz simpel. Sie ist fast wie die von 007: Sie müssen eigentlich alles können. Sie müssen mit den Milliardären klarkommen, denen die Clubs gehören, mit den Millionären, die für sie spielen, und mit den Kleinverdienern, die Tickets und Trikots kaufen. Und nebenbei der hungrigen Nachrichtenmaschine rund um den Fußball täglich Stoff liefern. […] So sehr man einen Fußballclub auch zum modernen Unternehmen umbauen kann, es bleibt diese eine Nahtstelle zwischen dem Erfolg im Resultat, zwischen Gewinn und Gewinnen: der Trainer, das eigentliche Humankapital eines Clubs.“

(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, „Großes Theater“ von Christian Eichler, 1. November 2015)

Funktionäre in der Satire angekommen


Veröffentlicht am 31. Oktober 2015

„Die Entscheidungsträger des deutschen Fußballs spielen mittlerweile leider alle in der Champions Lüg.“

(Oliver Welke, heute-show, ZDF, 30. Oktober 2015)

Die hässliche Fratze des Fußballs


Veröffentlicht am 27. Oktober 2015

Mindestens genau so hässlich wie die Aktion von Geis war die Reaktion der mitgereisten Schalke-Fans. Die verabschiedeten Hahn nicht nur mit einem höhnischen „Auf Wiedersehen“, als dieser mit der Trage vom Spielfeld getragen wurde. Nein, sie feierten sich auch noch dafür und reagierten auf die Pfiffe des Gladbacher Publikums mit der gleichzeitig erschreckenden wie passenden Selbsteinschätzung: „Wir sind Schalker, asoziale Schalker!“

(Ronald Tenbusch, Beitrag „Hahn schwer verletzt“, Welt.de, 26. Oktober 2015)

Der FC Liverpool und sein Komitee


Veröffentlicht am 25. Oktober 2015

„Das ‚Transfer-Komitee‘, das der amerikanische Milliardär John W. Henry einführte, als er den FC Liverpool mit der Fenway Sports Group 2010 übernahm, hat, bei 31 Einkäufen für fast 400 Millionen Euro, eine schwache Bilanz, vor allem in den vergangenen zwei Jahren. Für Suárez und Sterling bekam man fast 150 Millionen Euro und verplemperte sie für Spieler wie den inzwischen an den AC Mailand zurückverliehenen ‚Torjäger‘ Mario Balotelli, der in 16 Ligaspielen einen Treffer schoss – aus einem Meter ins leere Tor.“

(FAZ Sonntagszeitung, Ausgabe Nr. 41, 11. Oktober 2015)

Pragmatiker ohne Furcht


Veröffentlicht am 12. Oktober 2015

„Dass Klopp auch ganz anders kann als bei seiner Charme-Offensive für Fans und Medien, werden die Profis rasch lernen. Die Gemütlichkeit hat Grenzen. Das verriet schon der mit gefährlichem Lächeln vorgetragene Satz: „Jeder, der das will, was ich will, kann mein Freund sein. Und es ist nicht schlecht, mein Freund zu sein.“ So gelang Klopp gleich zu Beginn beides, was wichtig war. Im Zeitalter des großen Fußball-Monopolys, der Fifa-Korruption, der eitlen Selbstvermarktung von Spielern und Trainern, in einer Welt, in der sich dieses wunderbar simple Spiel von seinen Wurzeln als kindliches Stück Glück immer weiter zu entfernen scheint, gerade in England, erschien er als jemand, der die Engländer an das Gute im Fußball glauben lässt. Und zweitens schien hinter all der virtuosen Fußball-Romantik auch der gnadenlose Pragmatiker des Spiels durch, als den man ihn in Deutschland kennengelernt hat. „Wenn die anderen besser sind, musst du sie auf dein Level bringen“, sagte er. „Und auf deinem Level kannst du jeden schlagen.“ Klopp, der Anti-Tuchel. Es ist eine Einstellung, die ohne ihn in der Bundesliga zu fehlen beginnt. Niemand, nicht mal mehr seine alte Borussia, traut sich noch, es überhaupt zu versuchen: die Bayern auf sein Niveau herunterzuziehen. Nachfolger Thomas Tuchel zeigte sich vor und nach dem 1:5 in München, als die Dortmunder so chancenlos waren wie niemals unter Klopp, als glühender Bewunderer, ja geradezu als Jünger dessen, was die Bayern und Pep Guardiola tun. Klopp denkt, spricht, handelt anders: Fußball ist nicht das Bewundern, sondern das Bearbeiten des Gegners. Man wird ihn bald vermissen.“

(FAZ Sonntagszeitung, Ausgabe Nr. 41, 11. Oktober 2015)