Archiv der Kategorie: Nachrufe

Muhammad Ali


Veröffentlicht am 4. Juni 2016

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* 17. Januar 1942 – † 3. Juni 2016

Der beste Schwergewichtler aller Zeiten tanzte wie ein Schmetterling und stach wie eine Biene. Er war die größte Ikone die der Boxsport je hervorgebracht, ein außergewöhnlicher Sportler und Champion. Als junger Mann, da hieß er noch Cassius Clay, war er einst Olympiasieger. Später lieferte er sich um die Krone des Profiboxsportes legendäre Kämpfe mit Sonny Liston, Joe Frazier und George Foreman. Wenn diese Männer in den Ring stiegen durften in Europa auch Kinder – trotz Schule – mitten in der Nacht vor den Fernseher. Keiner machte dem Boxsport mehr Ehre als Muhammad Ali. Heutige Schwergewichtsweltmeister sind im Vergleich mit diesem Giganten lächerliche Figuren in einem abgehangenen Sport. Seinen größten Kampf gewann Ali nicht im Ring, sondern vor Gericht. Er war nicht nur ein engagierter Kämpfer für die Bürgerrechte in den USA, er war wohl auch der berühmteste Kriegsdienstverweigerer seiner Zeit. Muhammad Ali war immer der Meinung, die Menschen in Vietnam hätten ihm nichts getan und ihn auch nicht als Sklaven behandelt, Unrecht sei ihm nur von eigenen Landsleuten geschehen. Er hätte also keinen Grund Vietnamesen zu töten. Als Mitglied der Nation of Islam lehne er jede Form von Krieg ab. Diese Verweigerung hatte ihm schon den Weltmeistertitel gekostet, der ihm aberkannt wurde. Außerdem sollte er laut eines Gerichtsurteils für drei Jahre ins Gefängnis. Für seine Überzeugung war Muhammad Ali bereit, seine persönliche Freiheit zu verlieren. 1971 verhandelte in letzter Instanz der Oberste Gerichtshof der USA den Fall „Cassius Clay, genannt Muhammad Ali, gegen Vereinigte Staaten“. In dem von Präsident Richard Nixon völlig vergifteten gesellschaftlichen Klima gab dem Boxer Muhammad Ali keiner eine Chance. Dieser vertraute, in für ihn sehr untypischer Art, leise und sehr zurückhaltend, auf die Richter. Er bekam am Ende Recht. Mit 8:0 fiel das Votum überraschend und eindeutig aus. Der neunte Richter, Thurgood Marshall, hatte sich wegen Befangenheit aus dem Fall zurückgezogen. Muhammad Ali schrieb Gesellschafts-, Box- und Justizgeschichte. Viel für ein Leben. Den letzten Kampf gegen Krankheit und Alter hat er nun verloren. Dennoch wird er bleiben. Ruhe sanft, großer Mensch.

Redaktion Magath & Fußball

 

Johan Cruyff


Veröffentlicht am 24. März 2016

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* 25. April 1947  –  † 24. März 2016

„Wie groß ein Baum war, lässt sich erst messen, wenn er gefällt ist.“
(Indianer-Sprichwort)

Johan Cruyff ist gestorben. Den Krebs konnte auch dieser Gigant nicht besiegen. Wer heute bei jedem pubertierenden Balltreter sofort „Weltklasse“ ins Mikrofon plappert, sollte sich Spiele oder Mannschaften von Cruyff nochmals vor Augen führen. Der Mann war echte und pure Weltklasse. Wenn man stets Pelé und Maradona nennt, König Johan gehört wie kein anderer europäischer Fußballer auf deren Ebene, konnte diesen Außnahmespielern absolut das Wasser reichen. Der Mann spielte aber nicht nur grandios Fußball und führte seine Teams, er lenkte das Spiel auch mehr als andere seiner Zunft mit glasklarem Verstand. Johan Cruyff war Fußball, ein Könner von hohen Graden. Als Trainer so genial wie als Spieler. Geradezu zwergig und lächerlich wirken gegen diesen Riesen die Konzept- und Laptoptrainer unserer Zeit. Cruyffs Triumphe und seine Kunst hier aufzuzählen ist nicht der Tag, es hieße Eulen nach Athen, Amsterdam oder Barcelona tragen. Heute ist ein Tag der Trauer wie des Dankes und seliger Erinnerungen. Dieser Künstler und Kopf des Fußballs wird unvergessen bleiben. Unsterblich war er schon vor seinem Tod. Johan Cruyff hat diesem Sport alle Ehre gemacht. Eine dankbare Fußballwelt verneigt sich und sagt Adieu.

Redaktion Magath & Fußball

* 23. Dezember 1918 – † 10. November 2015


Veröffentlicht am 10. November 2015

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Helmut Schmidt.

„Denn keine Begeisterung sollte größer sein als die nüchterne Leidenschaft zur praktischen Vernunft.“

(Helmut Schmidt, Abschiedsrede im Bundestag am 10. September 1986)

* 9. Februar 1931 – † 29. Juni 2015


Veröffentlicht am 29. Juni 2015

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Josef Masopust

Ihm gelang, was weder Diego Maradona noch Lionel Messi ihr Eigen nennen können. In einem WM-Endspiel schoss er ein Tor. Es war 1962 im Estadio Nacional de Chile zu Santiago, wo aktuell die Copa América 2015 ihrem Höhepunkt entgegen schwingt. Ein Mann aus dem großen Gestern des Fußballs war Josef Masopust, dessen Geburtsdorf Střimice schon in den Fünfziger Jahren dem Bergbau weichen musste. Am 9. Februar 1931 wurde er dort geboren, in Prag ist er nun am 29. Juni 2015 im Alter von 84 Jahren gestorben. Von 1952 bis 1968 spielte er für seinen geliebten Verein Dukla Prag, stand in 333 Spielen für den Club auf dem Platz und schoss 69 Tore. Im linken Mittelfeld zog er die Fäden und agierte stets auf technisch hohem Niveau. Es waren vor allem und ständig die Südamerikaner, unter ihnen der große Pelé, die ihn als „Brasilianer“ bezeichneten – zur damaligen Zeit noch ein uneingeschränktes Kompliment – damit seine Brillanz am Ball und seine spielerische Leichtigkeit ehrten. 1954 debütierte er im Nationalteam der Tschechoslowakei, 1966 beendete er nach 63 Länderspielen seine Karriere in der Nationalmannschaft. Mit Dukla wurde er achtmal Meister in seiner Heimat, der größte Triumph allerdings in der Niederlage. In besagtem Endspiel der WM in Chile gelang ihm am 17. Juni 1962 der Treffer für die Ewigkeit. Es war die 15. Minute, als die Tschechoslowakei den Favoriten schreckte und durch Josef Masopust mit 1:0 in Führung ging. Am Ende siegten die Brasilianer mit 3:1. Masopust kehrte mit seinem Team als Vizeweltmeister in die Heimat zurück, bejubelt und geehrt, als wäre man mit dem Titel heimgekommen. Seine Ehrungen waren damit nicht zu Ende. Im Jahr 1962 umgehend der größte persönliche Triumph. Josef Masopust wurde vor dem legendären Eusébio und dem deutschen Defensivstrategen Karl-Heinz Schnellinger Europas Fußballer des Jahres und gewann den Ballon d’Or. Bis 2003 blieb er der einzige Tscheche, dem diese Auszeichnung verliehen wurde, 2003 folgte ihm darin sein bei Juventus spielender Landsmann Pavel Nedvěd. In seiner Heimat trauert man weit über die Fußballszene um Josef Masopust. Die kleine Nation hat einen großen Sportler und Zeitzeugen verloren.

Redaktion Magath & Fußball

* 16. Januar 1935 – † 1. Februar 2015


Veröffentlicht am 4. Februar 2015

Udo Lattek.

Udo Lattek.

Eine Tragödie von vielen


Veröffentlicht am 27. Oktober 2014

Senzo Meyiwa: * 24. September 1987 in Durban, † 26. Oktober 2014 in Vosloorus.

Senzo Meyiwa: * 24. September 1987 in Durban, † 26. Oktober 2014 in Vosloorus.

Verbrechen machen vor der Sportwelt nicht halt

Bewaffnete Raubmörder haben in der Nähe von Johannesburg/Südafrika den 27-jährigen Senzo Meyiwa hingerichtet. Anders kann man den Mord wegen eines Mobiltelefons wohl nicht nennen. Weil Meyiwa sich der gewaltsamen Drohung nicht beugte und die Herausgabe seines Handys verweigerte, wurde er niedergeschossen. Die Verletzungen erwiesen sich als tödlich, auf dem Weg ins Krankenhaus verlor er sein Leben. Die Meldung wäre weder in die Fußballwelt noch zu den Menschen außerhalb Südafrikas vorgedrungen, wenn es sich bei Senzo Meyiwa nicht um den Torwart und Kapitän der Südafrikanischen Fußballnationalmannschaft gehandelt hätte. Er ist Opfer und Zahl in einer unfassbaren Kette von Gewaltverbrechen, die den Alltag in Südafrika bestimmen und die Menschen dort heimsuchen. Laut südafrikanischer Polizeistatistik findet im Land alle drei Minuten ein Einbruch, alle fünf Minuten ein Überfall und etwa alle 30 Minuten ein Mord statt. Eine tägliche Zahl von um die 50 Mordopfer lässt die Menschen in ihrem Grauen abstumpfen. Die Ermordung von Senzo Meyiwa sorgt einen Tag für Schlagzeilen und Aufmerksamkeit, den Fortgang der Gewalt wird sie leider nicht stoppen. Beileid und Mitgefühl gilt der Familie, den Angehörigen und Freunden von Senzo Meyiwa.

Redaktion Magath & Fußball

* 4. Juli 1926 – † 7. Juli 2014


Veröffentlicht am 7. Juli 2014

Alfredo Di Stéfano.

Alfredo Di Stéfano.

Er war ein Einzelkönner von hohen Graden mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, seine individuelle Klasse machte ihn zu einem Ausnahmespieler. Für den im Januar diesen Jahres verstorbenen Eusébio war er der größte Fußballer aller Zeiten. Persönlicher Erfolg war für den in Buenos Aires geborenen Alfredo Di Stéfano nie wichtig, er suchte den Erfolg des Teams als dieser Begriff noch nicht inflationär missbraucht wurde. Mit dem Begriff Star konnte er nichts anfangen, die heutige Spezis dieser Couleur kann ihm nicht das Wasser reichen. Deren Eitelkeiten und Auftritte wirken im Vergleich zum großen Gentleman und Charismatiker des Fußballs lächerlich und kindisch. Di Stéfano stand immer im Dienst seiner Mitspieler und war Teil einer Mannschaft. Diese Mannschaft und deren Zusammenhalt standen ihm stets über allem: „Der Fußball hat mir alles gegeben. Ich habe ihn immer als Mannschaftsspiel verstanden und deutlich gemacht, dass ich nicht vergöttert werden will, sondern spielen. Und dazu muss man laufen und schwitzen.“ Europas zweifacher Fußballer des Jahres die Real-Ikone schlechthin. Er wird es bleiben solange sich Menschen an Fußball erinnern. Er lief für drei Nationen auf den Rasen, machte Länderspiele für Argentinien, Kolumbien und Spanien, war der kongeniale Partner des legendären Ferenc Puskás und stand wie niemand vor oder nach ihm für das „Weiße Ballett“. Sein Andenken gehört zu den großen Kapiteln des Weltfußalls und wird ihn überdauern. Alfredo Di Stéfano starb hochbetagt im Alter von 88 Jahren.

Redaktion Magath & Fußball