Archiv der Kategorie: Trainer

Big Sam


Veröffentlicht am 17. Oktober 2015

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Solides Handwerk in Zeiten großer Töne

Zwei Trainer, zwei Welten. Während aus Liverpool die Halleluja-Klänge das ganze Königreich und gleich noch den Kontinent überschwemmten, drang aus Sunderland eher ein dumpfer Hammerschlag der Ernüchterung in die englische Fußballwelt. Der FC Liverpool hofft vom neuen Messias den Flug zu den Sternen, also Titel. Der AFC Sunderland wünscht sich von Sam Allardyce die Rettung vorm Abstieg. Ist der Stuttgarter Jürgen Klopp etwas für das glanzvolle Parkett einer neuen Fußballwelt, steht der Mann aus Dudley für den Job an der Ruderpinne der Galeere Fußball. Während Klopp von eigener Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme redet, wuchtet sich der von Freund und Feind oft als Big Sam titulierte Allardyce wie ein Schwergewichtsboxer auf den Stuhl. Falls Jürgen Klopp die Nouvelle Cuisine der Premier League darstellen soll, so ist Sam Allardyce längst deren Eintopf, solide bis auf den letzten Knochen. Allardyce hat alles durch im englischen Fußball, sofern es sich um dessen tabellarische wie spielerische Niederungen handelt. Als Kicker war Allardyce ein kantiger Abwehrspieler, eher robust als technisch beschlagen, in Bolton bei den Wanderers lief er von 1973 bis 1980 mit Schnauzer und breiter Brust in 184 Spielen auf, schoss als Defensivmann sogar 21 Tore. Sein größter Triumph als Spieler war der Aufstieg von der zweiten in die erste englische Fußballliga. Weiterlesen

Erfolg und Charakter


Veröffentlicht am 6. Februar 2015

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Miguel Muñoz gewann als Spieler und Trainer 23 Titel mit Real Madrid

Dieser Trainer gewann zweimal den Europapokal der Landesmeister, einmal den Weltpokal, neunmal die spanische Meisterschaft und zweimal die Copa del Rey, diente von 1959 bis 1975 seinem Club Real Madrid als Cheftrainer. Zuvor hatte Miguel Muñoz Mozún von 1948 bis 1958 im Mittelfeld des Weißen Balletts 223 Spiele absolviert und dabei 23 Tore geschossen. Reals Präsidentenikone Santiago Bernabéu war nach dem Bürgerkrieg bemüht, ein internationales Ensemble zusammenzustellen und darin äußerst erfolgreich. Miguel Muñoz stieß von Celta Vigo zu den Königlichen. Seine Mitspieler klangen nach ganz großer Fußballoper. Francisco Gento, José María Zárraga, Alfredo Di Stéfano, Héctor Rial, José Santamaría, Luis Molowny, Raymond Kopa und Ferenc Puskás hießen die Giganten, die den heutigen Real-Akteuren an Leistung, Ruhm, Erfolg und Größe nicht nachstanden, nur deutlich weniger verdienten. Bis heute gelten die Fünfziger Jahre als die erfolgreichste Epoche in der Vereinsgeschichte von Real, daran ändern auch Carlo Ancelotti und Cristiano Ronaldo nichts. Muñoz hatte als Spieler Anteil an drei Europapokalsiegen im Landesmeistercup und vier spanischen Meisterschaften. Weiterlesen

Martin O’Neill


Veröffentlicht am 14. Oktober 2014

Irlands Nationaltrainer einst Lenker und Kopf von Nottingham Forest

Was Felix Magath für Ernst Happel und Branco Zebec, war der 1952 in Kilrea (Nordirland) geborene Martin Hugh Michael O’Neill für Englands Trainergenie Brian Clough. Von 1971 bis 1981 spielte er für Nottingham Forest im Mittelfeld, war Kopf der Mannschaft, stand für Laufbereitschaft, Spielintelligenz, Arbeit und Disziplin. Als Clough 1975 Manager in Nottingham wurde brachen die Dämme der Bescheidenheit und Erfolglosigkeit des Provinzvereins, der Club schwang sich zum Englischen Meister auf, gewann zweimal den Europapokal der Landesmeister. Schlüsselspieler im System von Brian Clough wurde der Nordire Martin O’Neill, auf dem Platz ein ruhiger aber bestimmter Anführer. Martin O’Neill spielte, hierin dem HSV-Jahrzehnt von Felix Magath vergleichbar, 10 Jahre für seinen Club Nottingham Forest. Weiterlesen

Die Passion des Pep Guardiola


Veröffentlicht am 29. April 2014

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Lissabon vor Augen und Katalonien im Herzen

Neben der Leidenschaft für das vollendete Spiel und dem Traum vom ewigen Ballbesitz, treibt Pep Guardiola noch eine andere Leidenschaft um. Pep Guardiola ist ein wahrer Musterkatalane, Verfechter der Unabhängigkeit seines Heimatlandes, ein Vorkämpfer und eine Symbolfigur für alle Gleichgesinnten. Geboren in der Provinz Barcelona, erblickte Guardiola 1971 in der kleinen Gemeinde Santpedor das Licht der Welt, in der Herzkammer Kataloniens. In Santpedor ist der Fußballplatz schon zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt. Gegen den Bau eines Denkmals hat er aber dann doch sein Veto eingelegt. Ihm geht es nicht um Eitelkeiten, ihm geht es um Katalonien. Seiner Heimatgemeinde und den dort lebenden Menschen ist ihr Pep bis heute treu geblieben. Katalonien trägt er im Herzen, ob er sich nun in der Weltmetropole New York aufhält oder in der bajuwarischen Hauptstadt München seiner Arbeit nachgeht. Worte wie „wir spielen linken Fußball, alle machen alles“ wird er allerdings in München und beim FC Bayern nicht in die Mikrofone sagen. In Barcelona tat er dies regelmäßig. Darin dem großen César Luis Menotti ähnlich und inhaltlich nah beim Che Guevara Verehrer Óscar Tabárez, seines Zeichens uruguayischer Nationaltrainer. Weiterlesen

Lehrer mit Prinzipien


Veröffentlicht am 25. März 2014

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Ein Trainer geht seinen Weg

Er klingt wie die begehrteste Filmtrophäe der Welt. Nichts ist Óscar Tabárez allerdings ferner als Glamour. Erkenntnis zieht er dem schönen Schein vor. Im Sport wie im Leben hat er es so gehalten. Sein Weg nicht nur von Erfolgen gekränzt. Die Leichtigkeit seines Trainervorbildes César Luis Menotti war ihm fremd, Tabárez stets ein Mann der Arbeit. In Uruguay machte ihn dies zur nationalen Instanz, weit über seinen Sport hinaus genießt er inzwischen hohes Ansehen. Die Uruguayer lieben Óscar Tabárez, für sie ist er „El Maestro“, ihr „Lehrer“. Tabárez war früher wirklich Lehrer. Seine Hand für junge Leute liegt auch in dieser Pädagogenzeit begründet. Längst gilt er als einer der besten Fußballtrainer der Welt. Sein kleines Land machte er zu einer der ersten Adressen des globalen Fußballs. Der zweimalige Weltmeister Uruguay ist wieder wer, wankt nicht mehr unter der Last der Vergangenheit. Alles dank Óscar Washington Tabárez. Weiterlesen

Árpád Weisz


Veröffentlicht am 8. November 2013

Der Ungar mit den drei Scudetto

Gedenktafel für Árpád Weisz in Mailand

Gedenktafel für Árpád Weisz in Mailand

Das Gegenteil von Gleichgültigkeit ist Erinnerung. Jahrzehnte nach seinem Tod attestierte man ihm, er wäre seiner Zeit voraus gewesen. Erfolgreiche italienische Trainer beriefen sich lange auf seine Methoden. Árpád Weisz sah und behandelte den Fußball ganzheitlich, überließ nichts dem Zufall. Heute ist der Mann außerhalb von Mailand und Bologna fast vergessen, dort wird inzwischen ehrend an ihn gedacht. Die Vereine Inter Mailand und der FC Bologna zollen Respekt. Weisz Schicksal ist in anderen Fußballkreisen dagegen kaum noch bekannt, nur Insidern oder Historikern ein Begriff. Mit drei gewonnenen Meisterschafen zählt Weisz bis heute zu den erfolgreichsten Trainern der Serie A Geschichte. Weiterlesen

Raymond, der Hexenmeister


Veröffentlicht am 5. November 2013

Belgischer Trainer holt ersten Champions League Titel

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Wegen seines leidenschaftlichen Konsums von Zigaretten und einem lebenslangen Faible für Trenchcoats hätte man ihn mit Humphrey Bogart verwechseln können. In Belgien nannten sie ihn auch „Raymond, der Anarchist“ oder „Raymond, der Magier“. Wegen seines zerknautschten Auftretens hatte er früh den Spitznamen Columbo weg. Der Vergleich mit dem legendären TV-Inspektor amüsierte ihn ein Leben lang. Einer der am Ende jeden Fall aufklärt und noch als Gewinner die Szene verlässt war nach seinem Geschmack. Der Belgier Raymond Goethals, geboren am 7. Oktober 1921 in Brüssel und dort am 6. Dezember 2004 auch gestorben, gewann als erster Trainer die neu geschaffene Champions League, da war er bereit 72 Jahre. Im ersten Endspiel dieser Art, nach Abschaffung des Europapokals der Landesmeister, besiegte Goethals Team Olympique Marseille 1993 im Münchner Olympiastadion den AC Milan mit 1:0. Das Ereignis inzwischen historisch. Weiterlesen

Vor Platz zwei


Veröffentlicht am 4. November 2013

Brian Clough beim Wort genommen – Ein Porträt in Zitaten

Der britische Autor Phil Shaw hat vor Jahren ein Buch der besten Fußballzitate veröffentlicht. Ungekrönter König auf den Seiten ist die englische Trainerlegende Brian Clough (geb. 21. März 1935 in Middlesbrough; gest. 20. September 2004 in Derby). Bei Meinungsumfragen unter englischen Fußballfans nach dem besten Manager aller Zeiten, landet Brian Clough bis zum heutigen Tag regelmäßig auf Platz 1, lässt auch Sir Alex Ferguson das Nachsehen. Britische Fans halten seine Erfolge – stets mit kleinen Vereinen (Derby County, Nottingham Forest) erzielt – für die größten Leistungen im englischen Fußball. Zwei englische Meistertitel und zwei Cupsiege bei den Landesmeistern (Champions League) stehen zu Buche. Weiterlesen

Ernst Happel (IV) – Bondscoach


Veröffentlicht am 12. Oktober 2013

Ein Österreicher führt Holland zur WM 1978

Jan Zwartkruis (links) war erst Vorgänger, dann Co-Trainer und schließlich auch Nachfolger Ernst Happels (Mitte) als Niederländischer Nationaltrainer. In Argentinien glückte den beiden 1978 beinahe der ganz große Wurf.

Jan Zwartkruis (links) war erst Vorgänger, dann Co-Trainer und schließlich auch Nachfolger Ernst Happels (Mitte) als Niederländischer Nationaltrainer. In Argentinien glückte den beiden 1978 beinahe der ganz große Wurf.

Die Sache mit dem Bondscoach macht er nebenher aber natürlich wieder richtiger als andere, er kann so etwas, deshalb bleibt er auch Trainer beim FC Brügge. Die Holländer vertrauen ihm in Fußballdingen und als Mensch. Es hagelt auch Vorwürfe, die Journaille. Kritikaster schreien Wettbewerbsverzerrung, die Holländer haben in ihrer Qualifikations-Gruppe schließlich Belgien als Gegner und die sind mit Spielern vom FC Brügge gespickt. Happel lernt neue Facetten journalistischer Spekulationsblasen kennen, seine Abneigung gegen den Berufszweig wächst weiter. Ungerührt vom Gekreische macht er sich ans Werk. Die Qualifikation wird souverän bewältigt. Die Mannschaft spielt gut, man findet zu alter Stärke, Happels Handschrift gewinnt schnell Kontur. Mit Johan Cruyff und Wim van Hanegem sagen allerdings seine besten Spieler das WM Turnier aus unterschiedlichen Gründen ab. Die Garanten für unbedingten Siegeswillen und Spielkultur waren abhandengekommen. So etwas störte Happel nicht, er setzte trotz dieses Verlustes auf Offensivfußball, das vorhandene Personal und Pressing. Weiterlesen