Schlagwort-Archive: Aufsichtsrat

Fassungslos


Veröffentlicht am 13. März 2014

„So oder so. Uli Hoeneß muss nach dem Urteil von allen seinen Ämtern zurücktreten. Seine Funktionärs-Karriere ist vorbei! Der strahlende, der mächtige Bayern-Boss ist danach Geschichte. Hoeneß hat nicht nur betrogen, er hat auch gelogen. In einer TV-Diskussion behauptete er vor Millionen, dass er immer brav seine Steuern bezahlt. Hinterzogene Steuern in Höhe von (eingeräumten) 27,2 Millionen Euro – selbst beste Freunde sind angesichts dieser Summe fassungslos und schockiert. Kann jemand, der derart unkontrolliert mit Millionen jonglierte (und Gewinne nicht versteuerte) als Aufsichtsratschef noch Deutschlands größten und beliebtesten Verein kontrollieren? Wohl kaum. Auch die Wirtschafts-Kapitäne im Aufsichtsrat (u.a. Hainer/adidas oder Winterkorn/Volkswagen) werden sich diese Frage nach dem Urteil stellen müssen.“

(Alfred Draxler, BILD, Kommentar Auszüge, 13. März 2014)

Historische Chance vertan


Veröffentlicht am 18. Februar 2014

Gegen 23 Uhr, als alles vorbei war, saß Felix Magath in seinem Hotel, nahm einen Schluck Rotwein und sagte: „Es hätte etwas Gutes entstehen können. Ich gehöre zum HSV wie der HSV zu mir. Aber jetzt ist der Fall für mich erledigt. An diesem Tag hatte er „seinem“ HSV abgesagt, als Retter auf der Trainerbank und als Vorstandsmitglied nach Hamburg zurückzukehren. Mit einem Dilettantismus, der nicht mehr zu überbieten ist, hat der HSV möglicherweise eine historische Chance vertan. Fünf Punkte, die dafür sprechen:

1. Weil sich Vorstand und ein zerrissener Aufsichtsrat nicht auf eine Entlassung des erfolglosen Trainers van Marwijk einigen konnten (obwohl alle die Notwendigkeit erkannt haben), rückt der Abstieg immer näher. Setzt es heute in Braunschweig auch noch die siebte Niederlage in Serie, ist vermutlich schon alles zu spät.

2. Dem Verein fehlt ein Mann, der mit Kompetenz und Autorität die Zügel in die Hand nimmt. Jetzt bleiben die (vor allem sportlich) Ahnungslosen wieder unter sich.

3. Die „Marke HSV“ wird weiter und weiter beschädigt.

4. Die dringend notwendige Strukturreform (HSV plus) erscheint plötzlich fraglicher denn je. Denn was nutzt die schönste Reform, wenn niemand da ist, der sie dann auch mit Leben erfüllt?

5. Die Gräben im Verein, so tief wie der Grand Canyon, sind jetzt kaum noch zuzuschütten. Nun kann man streiten, ob Felix Magath der richtige Mann ist, die Probleme zu lösen (ich glaube ja!). Natürlich darf man auch anderer Meinung sein.

Aber einfach NICHTS tun – das darf man nicht. Die Chaos-Tage von Hamburg haben vor allem eines gezeigt: Letztlich geht es immer nur um persönliche Interessen – und nicht um den HSV!

(Alfred Draxler, BILD Kommentar, 15. Februar 2014)

Küstennebel


Veröffentlicht am 14. Februar 2014

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Als Flug LH 2070 von München nach Hamburg landete, hatte Felix Magath die gefühlt ruhigste Stunde der vergangenen Tage hinter sich. „Ich konnte während des Flugs meine Gedanken sammeln, zur Ruhe kommen und bin mir der Absurdität des Ganzen bewusst geworden“, sagte der 60-Jährige wenig später, als er im Fischereihafen Restaurant saß und Steinbutt bestellte. Immer wieder klingelte während des Essens mit den Abendblatt-Reportern das Telefon des designierten HSV-Retters, er musste den Fisch warten lassen. Am späten Nachmittag aber, als er sich für zwei Stunden ins Hyatt-Hotel zurückzog, reifte – wieder einige Gespräche später – der Entschluss, den er dann um 18.25 Uhr dem Abendblatt mitteilte: „Ich habe eben in einem Telefonat mit dem Aufsichtsrat erklärt, dass ich nicht zur Verfügung stehe.“ Weiterlesen