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Auf den Gabentisch – Weihnachtsempfehlung II


Veröffentlicht am 17. Dezember 2014

Dauerkarte und Schachgenie

Reportagen, Interviews, Essays, Kurzgeschichten, Kritiken sowie guter Journalismus – und nicht zu vergessen Hans Meyer. In 11Freunde ist der denkende Fußballfan wohlig aufgehoben und wird dennoch nicht eingelullt. Wer an Biederkeit, Herabsetzungen und Plattheiten interessiert, der sollte besser die Finger von 11Freunde lassen. Die Macher und Schreiber von 11Freunde animieren den Geist des Menschen und nicht den inneren Schweinehund, geben dem Verstand Nahrung und nicht den niederen Instinkten. Der denkende Leser und Fußballfan ist Adressat der Redaktion. Wer Lust an allen Verästelungen des Fußballs, wer sich für die Dinge hinter dem Ball und der Vermarktungsmaschinerie interessiert, sich lesend erfreuen möchte, staunen kann und neugierig bleibt, der kommt so richtig auf seine Kosten. Weiterlesen

Tagebuch und Fußball bis ans Ende


Veröffentlicht am 9. Dezember 2013

Der Autor von „Tschick“ und „Sand“ spielte gerne Fußball

Wolfgang Herrndorf - Schriftsteller

Hobbyfußballer Wolfgang Herrndorf (1965 – 2013) – Schriftsteller, Maler u. Illustrator

Am 8. Oktober 2010 klingt es nach dem alltäglichen Leid eines Spielers: „Fußball in der Halle. Nachdem wochenlang jeder Direktpass von mir beim Gegner landete, geht’s heute wieder”. Sport und Fußball auch im Leben dieses bemerkenswerten Menschen. Im Tagebuch vom 2. Dezember 2011 finden wir „Zwei Tore geschossen, eins mit der Hacke”. Dieses Tagebuch, seit Wochen in aller Munde. Sein Verfasser, der Autor, Maler und Hobbyfußballer Wolfgang Herrndorf, starb durch eigene Hand im August 2013. Am Beginn des Jahres 2010 diagnostizierten die Ärzte bei Herrndorf einen unheilbaren Gehirntumor, die Begrenzung der Lebenszeit wurde mit einem Schlag überschaubar. Der Autor kapitulierte nicht, er stürzte sich in die Arbeit, schrieb weiter, begann auch umgehend ein digitales Tagebuch in Form eines Blogs zu führen, welcher nun als Buch auf dem Markt ist. Und er ging weiter zum Fußball, spielte oft und gern. Am 07. Oktober 2011 heißt es „Vom Verlag zum Fußball gerast und so gut gespielt wie lange nicht“. Das Buch bestimmt in diesen Tagen Feuilleton und Kulturteil von Zeitungen, Magazinen und TV Formaten. Der Buchtitel „Arbeit und Struktur“ ist mit dem Blog gleichen Namens identisch, ein Meisterwerk der Tagebuchliteratur, in dem der Sport seinen Platz hat. Unter dem 19. August 2011 bemerken wir „Fußball, nachdem ich fast verschlafen habe. Läuferisch gut.“ Wer aufmerksam liest, findet eben nicht nur einen großartigen Chronisten seiner selbst und klugen Beobachter unserer Zeit, sondern auch einen Menschen, der gerne Sport trieb, Zeit am Wasser verbrachte und die Natur liebte. Laufen, mit dem Rad fahren, Schwimmen, Volleyball, lange Spaziergänge, Eishockey und vor allem Fußball gehörten zum aktiven Leben, solange es eben ging. Am 27. Dezember 2010 ist zu lesen: „Fußball mit meinem Vater und seiner Gruppe, die seit knapp 50 Jahren zusammen spielt”. Eines darf auf keinen Fall übersehen und vergessen werden, der universelle Künstler Wolfgang Herrndorf war auch Mitglied der Fußballnationalmannschaft der Autoren namens „Autonama“. Diese wurde einst von keinem Geringeren als von Hans Meyer trainiert. Wolfgang Herrndorf wird also nicht nur als großartiger Schriftsteller in Erinnerung bleiben, sondern auch als ein begeisterter und leidenschaftlicher Hobbyfußballer. Es würde ihn freuen. Wie heißt es im Tagebucheintrag vom 14. Mai 2010: „Nach langer Zeit wieder Fußball in der Bergstraße. Wie schon beim letzten Mal kämpfe ich mit der Nostalgie…”

(Zitate: Wolfgang Herrndorf, „Arbeit und Struktur“, Rowohlt-Berlin, Dezember 2013)

Redaktion Magath & Fußball

Mitten ins Herz


Veröffentlicht am 18. Oktober 2013

WDR-Dokumentation nähert sich der Dortmunder „Gelben Wand“

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Der moderne Sportreporter – zumal Fußballberichterstatter – krampft sich gern lautstark zu überbordenden Gigantenausdrücken, möchte damit Emotionen vermitteln, seine Sicht auf Dinge und Atmosphäre rüberbringen. Mit den ihm zu Gebote stehenden sprachlichen Mitteln landet er dann allzu bald im kollektiven Branchensatz: „Die Stimmung ist unbeschreiblich.“ Was soll uns das nun aber sagen? Liegt darin nicht der Beruf des Reporters, ist es nicht seine Aufgabe, uns eben genau diese Stimmung zu beschreiben? Wenn sich ein dem Journalismus verpflichteter Autor dieser Stimmung im Stadion annimmt, dann kann etwas Großartiges entstehen. Der WDR-Redakteur Klaus Martens hat den Beweis angetreten, trifft ins Herz. Mit der WDR-Produktion „Wir die Wand“ hat er ein dokumentarisches Licht auf den Fußballzirkus geworfen, diesen hautnah im Kreis von Fans erlebt und beleuchtet. Als Platz seiner Dokumentation wählte er einen der heißesten Orte des Fußballs, die legendäre „Gelbe Wand“, die Stehplatztribüne „Südkurve“ von Borussia Dortmund. Weiterlesen