Schlagwort-Archive: Benitez

Schicksalstage für Goliaths


Veröffentlicht am 19. Dezember 2015

Mourinhos Chelsea-Abgang könnte Trainerkarussell beschleunigen

Jürgen Klopp verliert ersten Glanz. Sein letzter Gegenpart Tony Pulis, seines Zeichens Trainer von Crystal Palace, bezichtigte ihn gerade als schlechten Verlierer, der mit einer 200 Millionen-Truppe keine 20 Millionen-Truppe schlagen kann und deswegen nach Spielende nicht nur den obligaten Händedruck verweigert, sondern mit öffentlicher Nörgelei von eigenen Problemen ablenken wolle. Der Waliser Pulis ist wegen seiner Bodenständigkeit besonders beim englischen Fußballproletariat beliebt, welches dieser Tage aus den Gazetten erfuhr, dass Jürgen Klopp in eine 5,2 Millionen Euro Nobelvilla gezogen sei. Solche Scharmützel und Meldungen müssen den Ex-Dortmunder noch nicht beunruhigen, aber auch englische Fußball- und Medienherzen können erkalten, selbst die in Liverpool. Echte Sorgen müssen sich dagegen einige andere Granden der Trainerzunft machen. Schon seit dem biblischen David weiß man um das fragile Gebilde der Goliaths. Die Riesen des Trainergeschäfts können ein garstig Lied davon singen. José Mourinho hat es schon erwischt, allerdings nicht in Form von Schleuder und Stein. Ihn warf ein leibhaftiger Milliardär von den Beinen, welcher im Mourinho-Feuern einschlägige Erfahrungen besitzt und überhaupt ein Spitzenmann in Sachen „Trainer raus“ ist. Weiterlesen

Trainerkaleidoskop


Veröffentlicht am 16. Dezember 2015

2:1 gegen José Mourinho und den FC Chelsea: Claudio Ranieri und Leicester City stehen weiterhin an der Tabellenspitze der Premier League.

2:1 gegen José Mourinho und den FC Chelsea: Claudio Ranieri und Leicester City stehen weiterhin an der Tabellenspitze der Premier League.

Trainer im Auf- und Abwind

Der 1951 in Rom geboren Claudio Ranieri hat einige Trainerstationen hinter sich. Eher unscheinbar waltet er seines Amtes. Mit Valencia gewann er so den UEFA Supercup, mit Griechenlands Nationalmannschaft scheiterte er während der EM-Qualifikation, dortige Nachfolger waren darin keinen Deut besser. Beim FC Chelsea musste er einst dem charismatischen José Mourinho auf unwürdige Art und Weise weichen. Als Ranieri zu Saisonbeginn bei Leicester City anheuerte, sollte und wollte er den Club sicher in der Premier League halten, den Abstieg vermeiden. Die Aufgabe schien schwer. Ohne Theaterdonner machte sich Ranieri ans Werk. Seither produziert er Erfolg und keine Schlagzeilen. Die machen sein Verein und vor allem die beiden Stürmer Riyad Mahrez und Jamie Vardy. Ob Bundesliga, Serie A oder Primera División, oben immer die üblichen Verdächtigen und in Frankeich der erwartete Überflieger. Nur in Englands Premier League funktioniert derzeit ein Fußballmärchen. Leicester City vor den Giganten des Systems, die dem frischen wie frechen Team aus der Mitte Englands lahm und ohne Esprit hinterherhecheln. Nach dem 16. Spieltag Platz eins der Tabelle, dies völlig verdient. Regisseur der Erfolgsgeschichte: Claudio Ranieri. Weiterlesen

Zweimal Gruppensieg, zweimal Enttäuschung


Veröffentlicht am 10. Dezember 2015

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Durchwachsenes Bundesliga-Ergebnis in der Champions League

In Europas prestigeträchtigstem Wettbewerb ging in dieser Woche die erste Halbserie zu Ende. Für die Bundesliga zeichnete die Champions League Saison bislang ein unstetes Bild. Dass der FC Bayern München zum sechsten Mal in Serie als Gruppenerster ins Achtelfinale einzieht, ist zwar längst keine Selbstverständlichkeit, durfte aber dennoch erwartet werden. Der abschließende 2:0-Sieg bei Dinamo Zagreb, sichergestellt durch einen Doppelpack von Robert Lewandowski nach der Pause, bedeutete obendrein einen neuen Rekord: 15 Punkte aus sechs Begegnungen lieferten die Bayern bereits mehrfach, nie jedoch war das Trefferverhältnis von 19:3 Toren ein besseres. Gleichzeitig durfte Pep Guardiola in seiner 80. Partie in der Königsklasse seinen 50. Dreier bejubeln – kein Trainer benötigte bislang weniger Partien als der Katalane, um diese Marke zu erreichen. Während der Rekordmeister seine Pflichtaufgabe also mit Auszeichnung erfüllte, sorgte der VfL Wolfsburg für eine große Überraschung. Erstmals in seiner Klubhistorie zählt der DFB-Pokalsieger aus der Autostadt in der Champions League zu den besten 16 Mannschaften. Der verdiente 3:2-Erfolg über Manchester United war dabei aus vielerlei Gründen besonders wertvoll: zum einen sorgte er natürlich dafür, dass die Wölfe es den Bayern gleichtaten und sich letztlich in souveräner Manier vor dem PSV Eindhoven den Gruppensieg sicherten. Zum anderen bedeutete der Sieg über die Engländer aber auch eine späte Genugtuung, scheiterten die Grün-Weißen doch bei ihrem ersten Champions League Anlauf in der Saison 2009/10 noch am Dreifachtorschützen Michael Owen im United-Trikot, das allerdings längst nicht mehr jenen Glanz versprühen mag, wie noch zu Sir Alex Fergusons Zeiten und im Frühjahr 2016 nun durch die Europa League getragen wird. Nicht zuletzt hätte der Zeitpunkt des Wolfsburger Durchbruchs auf internationaler Bühne für den angeschlagenen Volkswagen Konzern kaum besser gewählt werden können. Weiterlesen

Adventsgekicke


Veröffentlicht am 5. Dezember 2015

Seitenblick in Europas Ligen

Kein Weihnachtmärchen sondern Realität im Advent. Allen bekannt und längst keine Neuigkeit mit Nachrichtenwert. In Deutschland weiß man schon vor der Bescherung wer in 2016 Meister und Vizemeister, in Spanien dagegen wer nicht Pokalsieger wird. Dort hat Barca-Trainer Luis Enrique unlängst verkündet, sein Team sei noch nicht auf dem Niveau des letztjährigen Champions League Sieges. Dies muss seinen Real Madrid Konkurrenten Rafael Benítez so verschreckt haben, dass er sich verwechselte und sein Team damit aus dem Pokal kegelte. Der FC Barcelona spielte in der Zwischenzeit seinen 6:1 Pokalsieg gegen den CF Villanovense mit 10 Mann runter, der Barca-Coach verzichtete auf die mögliche Einwechslung nach einer Verletzung von Jérémy Mathieu, wollte keine weiteren lädierten Spieler in seinen Reihen riskieren. Darüber mochte sich Luis Enrique nicht weiter auslassen, ein Thema war dem ansonsten eher zurückhaltend agierenden Barca-Übungsleiter dann doch noch zu entlocken. Für ihn sei das Trio Messi-Suárez-Neymar die beste Sturmreihe aller Fußballzeiten. Wer mag ihm im Moment widersprechen? Einen wird solche Bemerkung besonders wurmen. Real Madrid Präsident Florentino Pérez hat schließlich den Anspruch das Teuerste und Beste stets in seine Reihen zu kaufen. Im Augenblick kann er aber nur attestieren wie eindeutig die Rolle Koch und Kellner im Duell Real gegen Barca verteilt ist. Nicht Real Madrid schwingt den Löffel des spanischen Fußballs, es sind die Katalanen. Weiterlesen

Wolfsburgs Big Point in Moskau


Veröffentlicht am 26. November 2015

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VfL überwintert in Europa und schielt vor dem Finale gegen Manchester auf den Gruppensieg

Ausgerechnet André Schürrle. Der Mann, der im Februar dieses Jahres mit einem über 30 Millionen Euro schweren Rucksack und allerlei Weltmeister-Lorbeeren von der Stamford Bridge an den Mittellandkanal gewechselt war, enttäuschte in der Autostadt bislang auf ganzer Linie und fand sich bei Dieter Hecking zuletzt nicht selten auf der Wolfsburger Ersatzbank wieder. Auch in der Khimki Arena am Moskauer Stadtrand hatte Schürrle gegen ZSKA nicht zur Anfangsformation der Wölfe gezählt und kam erst nach über einer Stunde für Daniel Caligiuri in die Partie. Bis dahin war es ein Spiel ohne echte Höhepunkte, mit leichten Vorteilen aufseiten der Gastgeber, die kurze Zeit später in Person des Ex-Kölners Zoran Tošić den Pfosten trafen. Der VfL wackelte kurz und längst schon wurden Erinnerungen wach an den bislang ersten und einzigen Champions League Auftritt der Niedersachsen in der Saison 2009/10, als man ebenfalls am fünften Gruppenspieltag bei ZSKA 1:2 unterlag und seine gute Ausgangsposition auf ein Weiterkommen noch verspielte. Diesmal allerdings war da ja André Schürrle. Fünf Minuten nach dem Moskauer Aluminiumschuss warf sich Bas Dost in einen von Dante aus der eigenen Hälfte geschlagenen Ball und verlängerte diesen auf Wolfsburgs Edeljoker, der aus spitzem Winkel einfach mal abzog und dabei Glück hatte, dass sich Igor Akinfeev die Kugel sozusagen selbst ins Netz legte. Die zu diesem Zeitpunkt durchaus überraschende Führung der Grün-Weißen änderte am Spielverlauf wenig, ZSKA blieb tonangebend ohne allerdings für übermäßige Torgefahr sorgen zu können. So war es schließlich wieder Schürrle, der diesmal auf Vorlage des ebenfalls eingewechselten Sebastian Jung zwei Minuten vor dem Ende alles klar machte. Weiterlesen

Ballett als Hühnerhaufen


Veröffentlicht am 22. November 2015

Marcelos Grätsche kommt zu spät: Iniesta trifft unwiderstehlich in den rechten Torwinkel.

Marcelos Grätsche kommt zu spät: Iniesta trifft unwiderstehlich in den rechten Torwinkel.

Real Madrid bekam eine Lehrvorführung vom FC Barcelona

Barcelonas Andrés Iniesta war im Bernabéu-Stadion der große Macher. Er dirigierte sein Team zum 4:0-Auswärtssieg bei Real Madrid. Die Königlichen bekamen 90 Minuten kein Bein auf die Erde und Iniesta darf dafür als Hauptverantwortlicher genannt werden. Ein Mittelfeldstratege der absoluten Weltklasse, diese schon über viele Jahre, pulverisierte er im kongenialen Zusammenspiel mit Sergio Busquets die gegnerische Ordnung zur blamablen Unordnung eines Hühnerhaufens. Luka Modrić und Toni Kroos wurden zu staunenden Statisten degradiert, die dem Maestro bei der Arbeit zusehen durften. Nebenher besorgte Iniesta noch das 3:0, um dann bei seiner Auswechslung mit Applaus von den heimischen Real-Fans verabschiedet zu werden, die damit ihrem eigenen Team noch eine zusätzliche Ohrfeige verpassten. Wie sein grandioser Ex-Partner Xavi wird auch Andrés Iniesta wohl nie Weltfußballer, ein inkompetentes Zeugnis derer, die Jahr um Jahr darüber abzustimmen haben. Weiterlesen

Alex Ferguson über Rafael Benítez


Veröffentlicht am 29. Oktober 2015

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„Trotz meiner Vorbehalte gegen Benítez als Mensch und als Trainer gelang es ihm immer, seine Spieler zu veranlassen, dass sie sich für ihn abrackerten, also muss er wohl eine gewisse Fähigkeit besitzen, andere zu motivieren: sei es durch Angst, Respekt oder durch sein Können. Ich habe nie erlebt, dass seine Mannschaft das Handtuch geworfen hätte, und das muss man ihm hoch anrechnen.“

(Alex Ferguson, Meine Autobiographie, Edel Books, 2014)

Big Sam


Veröffentlicht am 17. Oktober 2015

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Solides Handwerk in Zeiten großer Töne

Zwei Trainer, zwei Welten. Während aus Liverpool die Halleluja-Klänge das ganze Königreich und gleich noch den Kontinent überschwemmten, drang aus Sunderland eher ein dumpfer Hammerschlag der Ernüchterung in die englische Fußballwelt. Der FC Liverpool hofft vom neuen Messias den Flug zu den Sternen, also Titel. Der AFC Sunderland wünscht sich von Sam Allardyce die Rettung vorm Abstieg. Ist der Stuttgarter Jürgen Klopp etwas für das glanzvolle Parkett einer neuen Fußballwelt, steht der Mann aus Dudley für den Job an der Ruderpinne der Galeere Fußball. Während Klopp von eigener Ernährungsumstellung und Gewichtsabnahme redet, wuchtet sich der von Freund und Feind oft als Big Sam titulierte Allardyce wie ein Schwergewichtsboxer auf den Stuhl. Falls Jürgen Klopp die Nouvelle Cuisine der Premier League darstellen soll, so ist Sam Allardyce längst deren Eintopf, solide bis auf den letzten Knochen. Allardyce hat alles durch im englischen Fußball, sofern es sich um dessen tabellarische wie spielerische Niederungen handelt. Als Kicker war Allardyce ein kantiger Abwehrspieler, eher robust als technisch beschlagen, in Bolton bei den Wanderers lief er von 1973 bis 1980 mit Schnauzer und breiter Brust in 184 Spielen auf, schoss als Defensivmann sogar 21 Tore. Sein größter Triumph als Spieler war der Aufstieg von der zweiten in die erste englische Fußballliga. Weiterlesen

Er ist wieder da


Veröffentlicht am 8. Oktober 2015

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Jürgen Klopp in den Schuhen von Bill Shankly

Nun wächst zusammen, was zusammen gehört. Liverpool brauchte Jürgen Klopp wohl dringlicher als er die Reds. Nun ist es aber offensichtlich eine Liebeshochzeit. Ein Fußballverrückter an einer der emotionalen Hauptadern des Fußballuniversums. Könnte passen und birgt Gefahren. Klopp muss dem aktuellen Team schnell neues Leben einhauchen, das legendäre Erbe von Bill Shankly bewahren, sich dabei an den unterschiedlichen Erfolgen von Bob Paisley, Kenny Dalglish und Rafael Benítez messen lassen. Halb England erwartet schon ein Dortmund II und den Zauber eines Neuanfangs, die Wiedergeburt von fußballerischer Größe. Anfield und die Medien stehen Kopf. Kein leichtes Erbe und extrem hohe Erwartungen. Klopp war nie furchtsam oder kleinlaut, scheint seine Dinge an- und eingebracht zu haben. Konkrete Vorstellungen in Sachen Trainerstab und Transferverantwortung hat er offenkundig durchgesetzt. Ein starker und selbstbewusster Beginn. Nach dem Traualtar wartet bekanntlich immer der Alltag, für Flitterwochen bleibt im Falle Klopp und Reds keine Zeit. Das Tagesgeschäft ruft und entscheidet, wie lange der Glockenklang der Begeisterung anhält. Verein und Klopp wollen sicher kein Mittelmaß verwalten, sondern latent Höhenluft genießen, eine Ära prägen. Ob sie die Konkurrenz einholen und eines Tages von ihrem verdammten Ast sägen, wird sich zeigen. Fast messianische Heilserwartungen von Fans und Medien sind sicher weniger hilfreich, werden den neuen Manager des FC Liverpool vom Start weg begleiten. Klopp muss nicht übers Wasser gehen – aber Titel sollen her. Er wird es versuchen und eine Menge geben. Ob es reicht, wird sich zeigen. Die Premier League ist jedenfalls schon jetzt um eine Persönlichkeit reicher.

Redaktion Magath & Fußball