Schlagwort-Archive: Berufsauffassung

Felix Magath im Cicero (Auszüge)


Veröffentlicht am 29. September 2017

China und Shandong Luneng

„Ich maße mir nicht an, das Land zu kennen. Hier ist alles anders – vor allem die zu Recht gerühmte Gastfreundschaft der Chinesen. Sie beeindruckt mich sehr und erfreut mich täglich immer wieder neu. Mir gefällt es hier, ich finde Land und Leute hochspannend. Shandong Luneng ist ein großer Traditionsverein. Die Trainingsbedingungen sind hier fantastisch.“

„Wer in ein fremdes Land kommt, der muss sich anpassen, um akzeptiert zu werden. Wer sich integrieren will, ist hier herzlich willkommen. Deshalb interessiere ich mich sehr für die kulturellen und gesellschaftlichen Verhältnisse.“

Kindheit

„Ich lebte in Aschaffenburg mit meiner aus Ostpreußen vertriebenen Mutter, meiner Großmutter, einem Onkel, dessen Frau und schließlich auch mit dessen beiden Kindern in einer Zweizimmerwohnung.“

Arbeit, Ehrgeiz und Berufsauffassung

„Ich bin eigentlich immer unzufrieden, mit allem, auch mit mir, denn ich will immer das Maximum. Es gibt sicher viele Wege zum Erfolg, aber ich habe in meiner Zeit als aktiver Spieler beim HSV erfahren, dass man durch Arbeit und Disziplin, auch dadurch, dass man eigene Interessen zurückstellt, bis nach ganz oben kommen kann. Diesen Weg möchte ich meinen Spielern vermitteln.“

„Fußball ist für viele heute nur ein Job. Es sollte aber ein Beruf sein. Und ich möchte, dass die Spieler ihren Beruf erfolgsorientiert ausüben. Ohne Ehrgeiz gibt es keinen Erfolg, nirgends. Ein Sportler ist jemand, der daran arbeitet, besser zu werden. Wer seinen Beruf ernst nimmt und das Maximum erreichen will, darf es sich nicht bequem machen. Ich habe immer großen Wert auf Fitness, Disziplin und Ordnung gelegt. Es geht nicht darum Spieler zu quälen, sondern sie besser zu machen.“

 Wie bei Walt Disney

„Ich beobachte den Trend zum körperlosen Spiel und, damit einhergehend zur Schauspielerei. Weil für die Spieler derart viel Geld ausgegeben werden muss, werden Zweikämpfe als Angriffe auf das Vereinskapital dargestellt. Nach jedem Zweikampf eilen die Betreuer und Therapeuten auf den Platz, der Spieler wälzt sich und bleibt lange liegen, Eis wird in rauen Mengen gesprüht; es fehlten eigentlich nur noch die Geier mit der Bahre aus dem „Fußballspiel der Tiere“ von Walt Disney. Ich plädiere eher für Aufstehen und Weitermachen.“

HSV und Hamburg

„Nur zum HSV habe ich eine dauerhafte emotionale Bindung, auch wenn diese in den letzten Jahren sehr auf die Probe gestellt wurde. Anfangs fühlte ich mich beim HSV wie eine kleine Wurst und wollte wieder weg. Ab dem dritten Jahr erst begann ich mich wohlzufühlen. Heute ist Hamburg für mich die lebenswerteste Stadt überhaupt – auch wenn das die Münchner nicht gerne hören.“

Begrifflichkeiten

„Um im Fußball modern zu erscheinen, ist man momentan geradezu versessen auf statistische Daten und Leistungstests. Man spricht auch gerne von „vertikalen Pässen“ oder dem Ball, der in die „Schnittstelle der gegnerischen Abwehr gespielt“ werden müsse. Das klingt so, als hätten früher die Fußballspieler nicht den Pass in die Tiefe gesucht und absichtlich den Gegenspieler angespielt.“

(Felix Magath im Gespräch mit Alexander Kissler. Das vollständige Gespräch mit Fotos und Impressionen im Cicero 10/2017, Oktober 2017)

Zuverlässiger „Fußballgott“


Veröffentlicht am 22. Juli 2015

imago18362595m_c

Borussia Mönchengladbach und Tony Jantschke: Das passt!

Tony Jantschke ist anders als viele seiner Berufskollegen. Gladbachs Nummer 24 zählt nicht zu den schillernden Stars in der Manege, wirkt inmitten einer sämtlichen rationalen und gesunden Verhältnismäßigkeiten entrückten Branche beinahe wie ein Relikt aus längst vergangenen Tagen. Wie ein archaisches Überbleibsel aus einer Zeit, in der Fußball noch Fußball war und es weniger auf eine marktgerechte Inszenierung des Schauspiels, als auf die nüchterne, sportliche Leistungsfähigkeit ankam. Jantschke ist weder Selbstdarsteller noch Lautsprecher, wirkt wesentlich älter, reifer als jene 25 Jahre, die sein Spielerpass ausweist. Auf Auswärtsreisen spielt er lieber Skat oder Doppelkopf, wenn die meisten Teamkollegen den DVD-Player oder das iPad vorziehen. Im Großen und Ganzen ist er einfach er selbst, weiß was er kann und ist damit bislang außerordentlich gut gefahren. Jantschke muss niemandem mehr etwas beweisen, hat sich dennoch in seinem öffentlichen Auftreten stets eine angenehme Bodenständigkeit bewahrt. Freilich hat auch der gebürtig aus Hoyerswerda im sächsischen Landkreis Bautzen stammende Defensivspezialist gelernt, mit der Zeit zu leben, besitzt inzwischen natürlich einen Twitter-Account, pflegt sein eigenes Facebook-Profil. Das alles aber wirkt bei ihm echt und weniger künstlich – wie seine Verbundenheit zur Borussia aus Mönchengladbach. So etwas kommt an bei den Fans, erst recht am Niederrhein, wo sich Tony Jantschke bei der aufstrebenden Fohlenelf auch dank Lucien Favre zum unverzichtbaren Leistungsträger und Anführer entwickelt hat. Weiterlesen