Schlagwort-Archive: Courage

Das Heldenlied der UEFA


Veröffentlicht am 4. Juni 2015

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„Dass die Europäer keinen eigenen Kandidaten auf die Beine gestellt haben, ist der Skandal hinter den Skandalen. Die heillos zerrissene UEFA wird von einem Mann geführt, der selbst schon längst nicht mehr tragbar ist. Michel Platini hat nachweislich für eine WM in Katar gestimmt, sein Sohn macht Geschäfte mit den Scheichs in Katar.“
(Alfred Draxler, Kommentar BILD, 4. Juni 2015)

„Platini ist bei der Europäischen Fußball-Union ein schwacher Präsident, und ich kann mir schwer vorstellen, dass er ein starker FIFA-Präsident sein würde. Aber die FIFA braucht an ihrer Spitze eine starke Persönlichkeit.“
(Sylvia Schenk, Transparency International, Interview mit SID, 3. Juni 2015)

„Die Entscheidung [Anm.: der Rücktritt von Joseph Blatter als FIFA-Präsident] ist sicherlich sehr gut für den Fußball. Die Umstände, die dazu geführt haben, haben mich allerdings ein bisschen überrascht. Wenn ich mich am Freitag wählen lasse und mir dann am Dienstag einfällt, dass ich zurücktrete – das habe ich auch noch nicht erlebt. Aber ich hatte schon oft das Gefühl bei der FIFA, dass etwas passiert ist, was ich vorher noch nie erlebt habe. (…) Egal was und wie zu diesem Umdenken geführt hat: Es ist gut. Nur auf der anderen Seite hoffe ich, dass daraus die Verbände dann auch die entsprechenden Ableitungen ziehen. Ich fand ganz ehrlich gesagt, dass wie die UEFA sich im Vorfeld der Wiederwahl von Joseph Blatter dargestellt hat, das war jetzt auch nicht so, dass ich sagen würde ‚Mein Gott, was ist das klasse, dass der europäische Fußball so großartig vertreten wird.‘“
(Hans-Joachim Watzke, Borussia Dortmund, Pressekonferenz, 3. Juni 2015)

„Die UEFA-Funktionäre präsentierten sich in Zürich so tölpelhaft wie der FC Bayern im deutschen Pokal-Halbfinale. Die UEFA landete sage und schreibe null Treffer. Die Blamage begann schon damit, dass es ihr nicht gelang, einen starken Gegenkandidaten zu Blatter ins Präsidentenrennen zu schicken. Keiner der großen Meister hatte die Courage, gegen Blatter in den Ring zu steigen. Der Franzose Michel Platini aber, der Präsident der UEFA, schaffte es nicht einmal, während des Kongresses das Wort zu ergreifen. Ohne Körperspannung in seinem Sessel hängend, verfolgte er, wie Blatter den europäischen Kontinentalverband aufs Kreuz legte.“
(Evi Simeoni, Kommentar FAZ, 1. Juni 2015)

„Was die UEFA heute gemacht hat, war dumm, feige und opportunistisch. Die UEFA hat, selbstverständlich, ebenfalls immense Korruptionsprobleme. Acht ihrer Führungskräfte sitzen sowohl im UEFA- als auch im FIFA-Exekutivkomitee. Es ist absoluter Nonsens, was Platini da erzählt.“
(Jens Weinreich, Journalist Sport1, 28. Mai 2015)

Vater Courage


Veröffentlicht am 26. Mai 2015

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Thomas Schaaf tritt bei Eintracht Frankfurt zurück

Jede Saison hat früher oder später ihre Nachbeben, eines davon ereignete sich in Frankfurt am Main. Thomas Schaaf kann seinen Beruf, ist ein Ehrenmann und unaufgeregter Zeitgenosse. Dabei kommt er auch als Trainer alter Schule daher, dem die Arbeit am Team wichtiger als das Entertainment einer sich selbst berauschenden Branche. Das Wirken für einen nachhaltigen Erfolg von Mannschaft und Verein kam bei ihm stets vor der schnellen Schlagzeile zur Selbstprofilierung. Die sich dem Spektakel verweigernde Trainerpersönlichkeit, die nur den Anspruch auf eine seriöse Arbeitsbasis erhebt, wirkt immer öfter wie aus der Zeit gefallen. Der Berufsstand Fußballtrainer wird längst als Sündenbock für alles und jeden missbraucht und ist dabei noch der Egozentrik immer mächtiger werdender Profis ausgeliefert. Nebenher muss er nahezu ohnmächtig der Profilierungssucht von Funktionären zusehen. Die Begleitmusik der Abwrackung des Berufsstandes Übungsleiter, genährt aus „gut unterrichteten Kreisen“, liefert dazu dann eine jeden Verein umflatternde Medienlandschaft, die auch dem erfahrensten Trainer bei erster Gelegenheit jedwede Unterstellung hinterherwirft, birgt sie nur die kleinste Chance auf knallige Stimmungsmache. Fans, die den Überschriften folgen, lassen sich immer finden und geben Ruf und Reputation des Trainers den Rest. Thomas Schaaf wollte Herr seines Schicksals bleiben und sich nicht zum Spielball machen lassen. Souverän brachte er die Sache auf den Punkt und ging mit Stil und Würde aus seinem Engagement: „Die in der Öffentlichkeit getätigten Aussagen und die Darstellung meiner Person und meiner Arbeit, die sich in unglaublichen und nicht nachvollziehbaren Anschuldigungen und Unterstellungen in den Medien äußern, kann und will ich nicht akzeptieren. Deshalb ist es zu der Trennung gekommen.“ Der Mann redet nicht viel, wenn er es tut aber treffsicher, couragiert und auf den Punkt gebracht. Ein idealer Trainer.

Redaktion Magath & Fußball

Werkself überrascht


Veröffentlicht am 26. Februar 2015

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Knapper Sieg über Atlético, auch der BVB darf hoffen

Runde zwei der Achtelfinal-Hinspiele brachte durchaus Überraschungen. Eine davon ganz klar der Leverkusener Auftritt gegen den Vorjahresfinalisten Atlético. In einer von beiden Seiten aggressiv geführten Begegnung, bisweilen am Rande der sportlichen Fairness ausgetragen, gab die in der Bundesliga im Fußballjahr 2015 noch nicht richtig in Tritt gekommene Werkself zu keiner Zeit klein bei, stellte den Favoriten vor größere Probleme, als es erwartet werden durfte und nahm am Ende keineswegs unverdient einen 1:0-Erfolg mit ins Rückspiel. Das Weiterkommen freilich ist das noch lange nicht, für ein Tor aber ist die offensivstarke Bayer-Mannschaft auch im Vicente Calderón immer gut. Und dann bräuchte es durch die Auswärtstorregel eben schon drei Treffer der Rojiblancos… Weiterlesen

„Beim Fußball kein Sushi, sondern Bratwurst“


Veröffentlicht am 20. Februar 2015

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Wolfgang Bosbach, Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestags im Interview

Dieser Mann hat Courage und redet Klartext. Ein Politiker mit Leib und Seele, ein eigenständiger Kopf und Kämpfer in allen Lebenslagen. Wolfgang Bosbach, der einst als Lehrling im Supermarkt begann, das Abitur nachgemacht und Jura studiert hat, ist heute wohl der profilierteste Innenpolitiker der Bundesrepublik Deutschland. Ein Ausnahmepolitiker von Format, wie die Demokratie sie dringend benötigt. Intensiv kümmert sich der CDU-Mann um seinen Wahlkreis und die Anliegen seiner Wähler und Mitbürger. Vom Wahlkreis bis zur großen Bundespolitik legt der Vorsitzende des Innenausschusses des Deutschen Bundestags ein leidenschaftliches Engagement an den Tag. Trotz schwerster Krankheit bürdet dieser Politiker sich einen 16-Stunden-Tag auf, wirkt dabei so energiegeladen als sei er einem Jungbrunnen entstiegen. Eine empfehlenswerte Biographie über Wolfgang Bosbach, der viele Leser zu wünschen sind, trägt den kämpferischen Titel „JETZT ERST RECHT!“. Der kraftvollen Lebensbejahung von Wolfgang Bosbach muss man großen Respekt zollen. Sein tägliches Arbeitspensum sollte einmal mit dem von Fußballprofis verglichen werden, die es mittlerweile schon als Zumutung empfinden, zweimal am Tag zu trainieren. Seine Familie, Frau und Kinder sowie Eltern sind für Wolfgang Bosbach ein steter Kraftquell, ihnen gehört seine ganze Liebe. Neben dieser Liebe gibt es für den Vollblutpolitiker natürlich den Karneval und eine lebenslange aktive Sportbegeisterung, hier sind besonders Tennis und Fußball genannt. Die ewige Treue zu seinem 1. FC Köln, in dessen Beirat wie in der AG Fankultur er mitwirkt, gehört zu den Selbstverständlichkeiten im Leben des Wolfgang Bosbach. Die Redaktion Magath & Fußball erlebte einen sach- und fachkundigen Fußballexperten, der über seinen Verein und die große Leidenschaft Fußball sprach. Im Interview kann man seine Sichtweise auf die Stadionatmosphäre zwischen Opernpublikum und Hardcore-Fans erfahren, wie auch von seiner Sympathie für Kölns Trainer Peter Stöger. An so manch denkwürdiger Begegnung auf dem Fußballplatz lässt Wolfgang Bosbach den Leser teilhaben, gibt freimütig Einblick in eigene Trainingserfahrungen und nimmt in Sachen FIFA selbstverständlich kein Blatt vor den Mund. Temperamentvoll lässt Wolfgang Bosbach auch ein Tennismatch mit eigener Beteiligung erneut aufleben. Weiterlesen

Aus dem Sattel geworfen


Veröffentlicht am 25. Juni 2014

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Italien geschlagen, England ohne Sieg, Uruguay mit Biss, Costa Rica heldenhaft

Wie es bei Shakespeare heißt, wenn zwei auf einem Pferd reiten, muss der eine hinten aufsitzen. Im Falle des Finales in Gruppe D zwischen Italien und Uruguay fiel einer vom Gaul, das Heimatland des weltberühmten Barden aus Stratford-upon-Avon schaffte es nicht mal zum finalen Ritt und die staunenswerten Männer aus Costa Rica hatten den Showdown nicht nötig, waren längst am Ziel. Ihnen gebührt Anerkennung und Respekt für eine großartige Leistung, drei Ex-Weltmeister konnten das Team von Jorge Luis Pinto nicht bezwingen und scheiterten an dieser als Mannschaft auftretenden Einheit. Italien tritt wie das Mutterland des Fußballs geschlagen die Heimreise an. In der Folge des italienischen WM-Aus verlässt mit Cesare Prandelli ein Gentleman und Mensch vorerst die große Trainerbühne, ein Charakter der in der Trainergilde fehlen wird und diesem Berufsstand Ehre machte. Englands Roy Hodgson wird im Amt bleiben, so kündigten der englische Verband und der Trainer es bereits an. Apropos England. Tabellenletzter und ein mickriges Pünktchen, die Three Lions fahren erneut geschlagen und gedemütigt zurück in die Heimat. Uruguay dagegen eine Runde weiter, leider auf einer Siegesstraße mit fahlem Glanz. Stürmer Luis Suárez wird die Schlagzeilen bestimmen, weniger wegen seiner Torjägerqualität, sondern eher wegen seiner dentalen Schübe. Weiterlesen

Feinde des Fußballs


Veröffentlicht am 27. Oktober 2013

Chaoten setzen ein Zeichen

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Die Bundesligapartie Schalke 04 – Borussia Dortmund beginnt neben dem Platz mit unschöner Ouvertüre. Rauch und Feuer bestimmen die Szene. Fußball wurde dann auch noch gespielt, der Champions League Finalist drückt der Partie seinen Stempel auf. Danach Betroffenheit. Der Dortmunder Geschäftsführer sprach von Asozialen, der Borussen Trainer schämte sich. Die beiden sonst so sprachgewaltigen Männer wirkten ratlos wie kleinlaut. Bei den Feuerwerks-Szenen im Dortmunder Block zeigten sich ganz reale Feinde des Fußballs am Werk. Eine Sportveranstaltung sollte gestört werden, Gefahr für Leib und Leben von Menschen wurde dabei billigend in Kauf genommen. Jetzt gilt es daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen und nicht wieder im Eiltempo zur Tagesordnung zu wechseln. Man darf im Rückblick nicht in Verharmlosung verfallen und den Mantel des Vergessens über dieses Chaotenverhalten legen. Es bedarf Entschiedenheit, sonst bahnt man den Feinden unserer Fußballkultur weiter den Weg. Weiterlesen