Schlagwort-Archive: Cruyff

Oranje farblos


Veröffentlicht am 9. September 2015

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Niederlande als großer Verlierer des Mega-Spieltags der EM-Qualifikation

Deutschlands Nationalmannschaft in Blüte, wenn auch noch mit kleineren Baustellen versehen. Gegen die Sorgen mancher Fußballnationen eher Petitessen. Ein Nachschlag nebst Titelgewinn bei der EM 2016 liegt daher durchaus im Bereich des Möglichen. Es zeichnet sich kein unüberwindbarer Mitbewerber ab, den das DFB-Team wirklich fürchten muss – Titelverteidiger Spanien, Gastgeber Frankreich und bärenstarke Österreicher wohl Stand heute noch am ehesten in der Lage, der deutschen Mannschaft ein Bein zu stellen. Die Jungs von Joachim Löw können sich aber wahrscheinlich nur selbst schlagen, der Weltmeister scheint gerüstet und die Favoritenbürde gut zu tragen. Das Turnier im nächsten Jahr wird letztendlich Antwort geben. Eine Nation war oft an Deutschlands Favoritenseite und bei großen Turnieren stets ein heißer Kandidat für hohe Weihen, die Niederlande. Diese ist nun tief gefallen. 23 Teilnehmer aus 53 Ländern werden in der Qualifikation ermittelt, es war wohl niemals leichter, eine EM-Endrunde zu erreichen. Dennoch scheint diese flache Hürde für unsere holländischen Nachbarn deutlich zu hoch. Was ist geschehen? Weiterlesen

Fan der Cruyff Revolution


Veröffentlicht am 15. August 2015

„Barcelona ist die Mannschaft, die ich immer verfolge, seit der Zeit von Johan Cruyff. Er hat damals als Trainer in Barcelona eine Revolution gemacht. Die Leute haben ja vergessen, wie Fußball in Spanien vor Cruyff aussah: Es gab einen Libero und zwei Vorstopper, und es ging immer nur bumm-bumm-bumm. Und dann kam Cruyff. Cruyff war wichtig. Ihm war wichtig, dass auf dem Feld immer alles in Bewegung ist. Er hat mal gesagt, dass er auf der Bank nicht den Spieler anschaut, der den Ball hat, sondern er schaut auf die anderen, er will sehen, wie sie sich bewegen. Ich habe Cruyff nicht persönlich getroffen, aber ich habe seine Trainingseinheiten beobachtet.“

(Lucien Favre, Süddeutsche Zeitung, Interview, 8./9. August 2015)

Die Crux mit Messi und Tévez


Veröffentlicht am 31. Juli 2015

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„Seit vielen Jahren gibt es Dinge, die offenbar stören. So etwas muss man im Training beheben. Ein Team ist eine Idee, wie Musiker in einem Orchester müssen sie einen gemeinsamen Ton erzeugen. Ein Akkordeon und eine Geige können nicht allein aufspielen, sondern immer gemeinsam in einem Orchester. Wäre ein Team mit Di Stéfano, Pelé, Cruyff und anderen Koryphäen aufgestellt, würden viele Menschen fragen, ob es funktioniert. Di Stéfano hat diese Frage einmal beantwortet: „Das Einzige, was ich weiß, ist, dass ich glücklich war neben und mit Ferenc Puskás und Héctor Rial zu spielen.“ Messi und Tévez sind gute Menschen. Der erste ist großzügig, wenn er den Ball besitzt, denkt er zuerst an sein Team. Carlito [Tévez] ist ihm darin gleich. Ich sehe nicht, warum sie nicht miteinander spielen konnten. Dann muss man es eben trainieren und es nicht dem Zufall überlassen. Wenn es nicht funktioniert, bleibt alles weiter allein an Messi hängen. Ich hörte einen Mann sagen, dass Messi zwölf Sekunden ohne Ballberührung gewesen sei und ihn darüber mit heimischen Journalisten reden. Was für eine schreckliche Definition. Messi ist in der Welt unumstritten. Er wurde zehn Blocks von den CA Newell’s Old Boys geboren aber man ließ ihn einfach gehen, weil man die 20 Pesos für seine Behandlung nicht bezahlen wollte. Heute ist er der Beste in der Welt. Und Punkt.“

(César Luis Menotti, mundoD Online, 29. Juli 2015)

Titelsammler mit Brücke


Veröffentlicht am 29. Juli 2015

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Sjaak Swart ist Mister Ajax

Dieser Stürmer ist über die Grenzen seiner Heimat wenig bis gar nicht bekannt. Dennoch gebührt ihm die Ehre eines Brückennamens in Amsterdam, was nur der großen Ajax-Generation vergönnt. Es gibt zwölf Übergänge mit dieser Ehre. Als Hollands Nationalmannschaft dem Weg von Feyenoord Rotterdam und Ajax Amsterdam Richtung Weltklasse endlich folgte, hatte er seine Fußballschuhe gerade an den heimischen Nagel seiner Geburtsstadt Amsterdam gehängt. Jesaia Swart, als Spieler nur unter dem Namen Sjaak Swart geführt, hatte bis zu seinem Karriereende 1973 längst alles gewonnen, was einem Vereins-Fußballer Traum und Ziel. An Spielen hat er dabei auch den großen Johan Cruyff weit hinter sich gelassen, niemand trug das Ajax-Trikot öfter als er, 463 Partien bestritt Swart zwischen 1956 und 1973 für Hollands Eliteclub. In der ewigen Bestenliste der Torjäger seines Vereins rangiert der Stürmer bis heute auf Platz drei mit 175 Treffern. Bei den Titeln und Pokalen kommt man ins anerkennende Staunen. Dreimal wurde er mit Ajax Sieger im Europapokal der Landesmeister, einmal im UEFA Intertoto Cup, den europäischen Supercup stemmte er mit seinem Team zweimal in die Luft, den Weltpokal half er einmal zu erobern. National stehen acht Meisterschaften und fünf Pokalsiege zu Buche. Glanzvoller und glorioser lässt sich kaum eine Titelsammlung an. Ein Überflieger dieser Mann und jede Erinnerung an einen großen Sportler wert. Weiterlesen

Fußballdemokratie


Veröffentlicht am 19. Juli 2015

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Amtsinhaber Josep Maria Bartomeu gewinnt Präsidentenwahl des FC Barcelona

Der FC Barcelona wählt seine wichtigste Führungsperson in freier und geheimer Wahl nach demokratischen Spielregeln. Alle 110.000 Mitglieder des Vereins sind stimmberechtigt. Der Wahlkampf der letzten Wochen war intensiv und teilweise persönlich, das Publikum in Barcelona und Katalonien nahm geneigt wie interessiert teil. Nun sind die Würfel gefallen. Die Freundschaft zu den Club-Ikonen Johan Cruyff und Pep Guardiola half bei einem Comebackversuch nicht. Joan Laporta war von 2003 bis 2010 Präsident des FC Barcelona, wollte zurück ins Amt. Persönliche Eloquenz, die erfolgreiche Ära glanzvoller Titel und Triumphe seiner Präsidentschaft nebst dem Zuspruch von Lionel Messi schienen ein ausreichender Sieggarant. Der Rechtsanwalt Laporta hatte als Politiker wenig Erfolg, die erneute Thronbesteigung bei Barça schien reizvoll. So warf er, nebst zwei unbedeutenden Zählkandidaten, dem amtierenden Präsidenten Josep Maria Bartomeu den Fehdehandschuh hin. Ein intensiver Wettkampf unterschiedlicher Charaktere nahm seinen öffentlichen Lauf. Weiterlesen

Eine ehrenwerte Leiche


Veröffentlicht am 8. Juli 2015

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Europapokal der Pokalsieger

Die diesen Wettbewerb mordeten und 1999 abschafften, haben sich nicht um den Fußball verdient gemacht. Fans, Spieler und Zuschauer mochten ihn, die Endspiele hatten oft mehr Spannungsgehalt und manchmal wesentlich mehr Klasse, als ihr Pendant bei den Landesmeistern. Es waren Funktionäre, die den Pokalsiegerwettbewerb nicht mehr wollten und nicht das Publikum oder die Sportler. Zwischen ausufernder Geldgier sowie einem aufgeblasenen Wettbewerb in Sachen Champions League und dem ständigen Herumexperimentieren an der Europa League, dem einstigen UEFA Cup, ist der Europapokal der Pokalsieger auch 16 Jahre nach seinem Ableben noch in vielen Fanherzen lebendig und seine großen Momente unvergessen. Es begann und endete italienisch. Der erste Sieger hieß 1960/61 AC Florenz, der letzte Triumphator war 1998/99 Lazio Rom. Dazwischen gesellten sich ehrenvolle und große Namen des europäischen Clubfußballs. Was Real Madrid bei den Landesmeistern, wurde der FC Barcelona bei den Pokalsiegern: man holte die meisten Titel. Aus sechs Endspielteilnahmen kehrte Barça viermal als Sieger heim. Jeweils zwei Triumphe gelangen Dynamo Kiew, dem RSC Anderlecht, dem AC Milan und dem FC Chelsea. Der FC Barcelona hatte auch Anteil am wohl legendärsten wie spannendsten Endspiel des Wettbewerbs. Vor 58.000 Zuschauer im St. Jakob-Stadion zu Basel setzte der krasse Außenseiter und deutsche Pokalsieger Fortuna Düsseldorf dem Barça-Ensemble schwer zu und kämpfte wirklich bis zum letzten Atemzug. Erst in der Verlängerung konnte die Fortuna von den Katalanen mit 4:3 niedergerungen werden. Thomas Allofs und zweimal Wolfgang Seel sorgten für die Düsseldorfer Tore. Auch andere deutsche Clubs färbten die Leinwand der Pokalsiegergeschichte bunt. Weiterlesen

Meisterstück im Calderón


Veröffentlicht am 18. Mai 2015

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Barca macht den 23. Ligatitel klar

Am 17. Mai 2014 sicherte sich Atlético Madrid mit einem 1:1 in Barcelona die Meisterschaft. Revanchieren konnten sich die Katalanen im Januar 2015 binnen 17 Tagen gleich dreifach: Erst siegte Barca in der Primera División, dann folgten Hin- und Rückspiel im Pokal-Viertelfinale, zwei weitere Siege der Blaugrana und gleichzeitig das Startsignal für eine furiose zweite Saisonhälfte in allen Wettbewerben. Auf den Tag genau ein Jahr nach der Atlético-Party im Camp Nou hielt der Spielplan für alle Barca-Anhänger nun eine besondere Konstellation bereit. Bei vier Zählern Vorsprung auf Real Madrid benötigte der Tabellenführer aus den verbleibenden beiden Spielen noch genau einen Sieg. Seinen ersten Matchball hatte der FC Barcelona am 17. Mai 2015 ausgerechnet im Estadio Vicente Calderón, der Heimstätte des amtierenden Titelträgers. Die Rojiblancos ihrerseits im Zwiespalt: Entweder den Gästen beim Feiern zusehen, oder dem Stadtrivalen mit einem Sieg vielleicht doch noch zur Meisterschaft verhelfen. Beide Szenarien wenig verheißungsvoll, Atlético entschied sich also für den sportlichen Wettkampf, wollte zudem Platz drei und die direkte Champions League Qualifikation unter Dach und Fach bringen. Daraus aber wurde nichts. Barca ließ sich die Chance auf Meistertitel Nummer 23 und einen entspannten Saisonausklang gegen La Coruña am kommenden Samstag nicht entgehen, schlug Atlético auch im vierten Vergleich des laufenden Spieljahres und nahm mit knallenden Sektkorken im Calderón endgültig Rache für 2014. Weiterlesen

Ritterschlag


Veröffentlicht am 21. April 2015

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„Was Guardiola in seinen vier Trainerjahren beim FC Barcelona erreicht hat, toppt alles, was seine Vorgänger im Camp Nou getan haben. Und da gab es viele großartige: Van Gaal, Rijkaard, Cruyff – um nur einige zu nennen. Guardiola aber hat bestimmte Bereiche – wie das Pressing gegen den Ball – auf ein neues Level gehoben. Barcelonas disziplinierte Spielweise und Arbeitseinstellung sind zu Markenzeichen seiner Mannschaften geworden. Pep erschuf eine Kultur, in der die Spieler wussten: Wenn wir nicht hart arbeiten, werden wir nicht länger für diesen Club spielen dürfen. Glauben Sie mir, das ist alles andere als einfach.“

(Sir Alex Ferguson, Vorwort „Pep Guardiola – Another Way of Winning“, Guillem Balague, 2012)

Jupp Heynckes über Happel, Taktik und die WM ’78


Veröffentlicht am 18. Dezember 2014

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„Der große Happel ist ein Lichtblick in einer WM des Umbruchs. Das Finale war ein Duell zweier großer Trainer, wobei die Holländer nicht mehr über die individuelle Qualität verfügten wie vier Jahre zuvor in München, sich aber mit einer bemerkenswerten Gesamtleistung präsentierten. Bei der WM 1974 konnten Cruyff und Neeskens fast ohne Trainer auskommen, sie waren so enorm begabt. Ich will damit die Rolle von Rinus Michels nicht schmälern, aber Ernst Happel war für das 78er Team von herausragender Bedeutung. Ihm vor allem ist es zuzuschreiben, dass es eine so starke WM absolvierte. Happel, einer der bedeutendsten Fußballtrainer der Geschichte, hatte die Mannschaft perfekt eingestellt. Die Niederländer haben natürlich im Raum gespielt, in der Abwehr hatten sie ihre Zonen, für die der jeweilige Spieler verantwortlich war. Den Sturm bildeten drei Mann, sie spielten ähnlich wie Ajax Amsterdam. Ein wesentlich taktisches Merkmal war das Pressing einer vorgezogenen Abwehrkette. Happel baute die Abwehr circa 20 Meter vor der Mittellinie auf, um den Gegner früh zu stellen und ihm vom eigenen Tor wegzuhalten. So verlagerten sie das Spiel in die gegnerische Hälfte. Mit dieser Taktik hat Happel es nicht nur bist ins Finale gebracht, er hat auch noch die 90 Minuten überstanden, ehe seine Mannschaft in der Verlängerung verlor.“

(Jupp Heynckes, Süddeutsche Zeitung WM-Bibliothek, München 2005)