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Kollektives Drama


Veröffentlicht am 26. September 2015

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„Größte Enttäuschung der Karriere bleibt das Finale des Europapokals von Athen. Wir waren alle davon überzeugt, dass es ein Kinderspiel, eine reine Formsache wird. Wer spielt, weiß, dass es aber nie so funktioniert. Wir schliefen auf vielen Gebieten und taten zu wenig. Als Magath von 30 Metern anläuft, waren wir ohne Arglist. Es gab von mir auch keine Reaktion. Wir waren verblüfft und staunten. In der Umkleidekabine herrschte Stille, es war eine Art kollektives Drama. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. So war es auch im Bus und bei der Heimkehr. Niemand konnte sich beschweren. Wir hatten eines der besten Teams, die es je gegeben hat – mit acht Weltmeistern, darunter Platini und Bettega. Es half alles nichts.“

(Dino Zoff, Interview Corriere dello Sport, 12. September 2015)

Auf den Gabentisch – Weihnachtsempfehlung II


Veröffentlicht am 17. Dezember 2014

Dauerkarte und Schachgenie

Reportagen, Interviews, Essays, Kurzgeschichten, Kritiken sowie guter Journalismus – und nicht zu vergessen Hans Meyer. In 11Freunde ist der denkende Fußballfan wohlig aufgehoben und wird dennoch nicht eingelullt. Wer an Biederkeit, Herabsetzungen und Plattheiten interessiert, der sollte besser die Finger von 11Freunde lassen. Die Macher und Schreiber von 11Freunde animieren den Geist des Menschen und nicht den inneren Schweinehund, geben dem Verstand Nahrung und nicht den niederen Instinkten. Der denkende Leser und Fußballfan ist Adressat der Redaktion. Wer Lust an allen Verästelungen des Fußballs, wer sich für die Dinge hinter dem Ball und der Vermarktungsmaschinerie interessiert, sich lesend erfreuen möchte, staunen kann und neugierig bleibt, der kommt so richtig auf seine Kosten. Weiterlesen

Schlusslichter


Veröffentlicht am 17. Oktober 2014

Tabellenletzte in Europas Top-Ligen vor harten Zeiten

Bundesliga – Platz 18 – Werder Bremen – 7 Spiele – 10:16 Tore – 4 Punkte
Primera División – Platz 20 – Deportivo La Coruña – 7 Spiele – 8:19 Tore – 4 Punkte
Premier League – Platz 20 – Queens Park Rangers – 7 Spiele – 4:15 Tore – 4 Punkte
Serie A – Platz 20 – Sassuolo Calcio – 6 Spiele – 3:12 Tore – 3 Punkte

Drama soll stets hohe Kunst sein. Die Rote Laterne im Fußball verheißt Unbill und läßt das Wort Abstieg in den Ohren klingen. Noch ist diese Phase nicht völlig über die Tabellenletzten des europäischen Clubfußballs gekommen, aber die Wolken einer Mangelsaison schieben sich deutlich vor die Hoffnung auf bessere Tage. Von Spielkunst wenig, von Dramatik viel, diese Letzten werden sicher nicht mehr die Ersten sein. Keines der Schlusslichter ist bisher völlig verloren, Chancen auf Besserung durch die Anzahl der Spiele noch ausreichend vorhanden. Beim Bundesligaschlusslicht in Bremen hat der tabellarische Istzustand den Herbst des Patriarchen eingeläutet und offensichtlich Marco Bode in die Startlöcher geholfen. Ein Bode macht noch keinen Sommer aber vielleicht etwas Wind in Sachen Wiederbelebung. Eine Finanzspritze von Vermarkter Infront soll eine weitere Blutauffrischung bedeuten. Den Werder-Fans wird jeder Impuls willkommen sein um wieder etwas Mut zu fassen. Aus den bisherigen Auftritten ihrer sieglosen Truppe lässt sich dagegen wenig Optimismus ableiten. Die anstehende Partie bei den Bayern ist sicher keine Treppe zum Aufstieg aus dem Keller. Der letzte Platz könnte sich verfestigen. Ähnlich das Bild in der Premier League, auch dort ein Traditionsverein auf dem letzten Absatz. Weiterlesen

Drama und mythische Kraft


Veröffentlicht am 10. August 2013

„Es gibt unter Künstlern natürlich diese große Bewunderung dafür, dass der Fußball etwas kann, was die Darstellende Kunst, das Theater, die Oper oder auch die Literatur nur sehr schwer herzustellen vermag: die Durchbrechung der vierten Wand, die Verschmelzung von Publikum und Bühne und Aktion. Die zwei Tore der Dortmunder zum 3:2 in 69 Sekunden gegen Malaga im Viertelfinale der Champions League, das ist Drama in Vollendung. Darstellende Kunst ist Wiederholung, Planung, Probe, mit auswendig gelernten Texten. Da ist die Ekstase, diese Eruption von Emotion, kaum zu erreichen, eher im Fußball, wo die Dinge dann doch noch von Fügung und Zufall bestimmt werden. Zwar verfügen Mannschaften über Können und Taktik, aber sobald der Ball eine andere Richtung nimmt, bestimmt der Zufall die Welt. Der Fußball hat ein kulturelles Gedächtnis, eine fast mythische Erzähl- und Erinnerungskraft, ich kann mich an keine meiner insgesamt vielleicht 500 Lesungen erinnern, aber an jedes eigene Fußballspiel.“

(Schriftsteller Moritz Rinke, Interview Cicero, 22. April 2013)