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Auf ein Wort mit der Mallorca-Zeitung


Veröffentlicht am 29. November 2013

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Ziel vor Augen

„Ich hatte eine lange und gute Karriere. Ich bin glücklich, dass ich so vielen Vereinen helfen konnte. Da möchte ich mich jetzt nicht in ein Abenteuer stürzen. Das habe ich oft genug gemacht. Das Engagement in Frankfurt etwa war ein Harakiri-Auftrag. Die Eintracht stand ja katastrophal da. Aber wenn jemand kommt und ein Ziel vor Augen hat, möchte ich gerne noch einmal helfen. Ich habe fast alle Ziele erreicht, bis auf einen Champions League-Sieg. Ich warte noch auf einen Verein, der sich zutraut, gegen Bayern, Real Madrid, Barcelona und Manchester United zu bestehen. Ich will nur im Einklang mit dem sein, was die Vereinsoberen wollen. Wenn ein Verein kommt und sagt: ´Wir wissen zwar, dass du Meister werden willst, aber wir sind froh, wenn wir Elfter werden´, dann mache ich das nicht.“

Klare Verhältnisse

„Für klare Verhältnisse mit einem einzigen Verantwortlichen bin ich zu haben. Schwierig ist es, wenn verschiedene Menschen mitreden. Wenn irgendwo ein Präsident ist und dazu noch ein sportlich Verantwortlicher, der sagt: ´Wir beide machen das, und wenn wir es nicht schaffen, dann gehen wir beide´, sage ich sofort: ´Bravo, da mache ich mit´. Aber auf die Nummer, wie sie in Deutschland abläuft, habe ich keine Lust. Da entlassen immer die sogenannten Manager die Trainer, wenn es eng wird, und behaupten, der Trainer war leider zu schlecht, und er hat diese und jene Fehler gemacht. Und dann heißt es: ´Jetzt wird alles besser´. Dann wird 14 Tage lang alles besser, aber ein Jahr später geht dasselbe Spiel von vorne los. Das Geschäft hat sich so entwickelt. Das ist immer die einfachste Lösung. Damit kommt man aber auf lange Sicht nicht vorwärts.“

Andere Gewichtung als  Joachim Löw

„Ich war immer gern Vereinstrainer und mache das lieber, weil ich lieber Spieler entwickle als eine Truppe zusammenzustellen und bei Laune zu halten. Das macht der Jogi Löw wunderbar. Ihre Frage, ob es einen Titel mit ihm gibt, das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber eigentlich sollte jeder, aus dem was er macht, lernen. Und wenn er mal zurückschaut, ändert er vielleicht mal was. Er hat eine andere Spielauffassung als ich. Ich bin nicht gegen Löw. Ich gewichte nur anders. Fußball ist für mich zum einen, Tore zu schießen und zu verhindern. Und zum anderen Zweikämpfe. Aber die Tendenz geht mittlerweile dahin, keine Zweikämpfe mehr zu führen, weil in der Bundesliga so elendig gepfiffen wird. Es ist eine Wohltat, sich in England Fußball anzuschauen. Aber wenn bei jedem Körperkontakt gleich einer auf dem Boden liegt und der Schiedsrichter schon pfeift, bevor es zur Berührung kommt, dann wird das dem Fußball nicht gerecht. Das war ein Spiel für die sogenannten Proletarier. Für die unteren Schichten, die sich durchgeboxt haben. Dieser Charakter hat das Spiel groß gemacht.“

Aufgeblähte Champions League

„Das Grundproblem ist, dass man die Champions League so aufgepumpt hat. Da verdienen Bayern, Madrid oder Barcelona jedes Jahr 50, 60 Millionen Euro. Dadurch haben sie einen so großen wirtschaftlichen Vorteil, dass es Heuchelei ist, zu sagen, die Liga sei ein gerechter Wettbewerb. Deswegen sage ich: Seid doch ehrlicher und macht eine Europa-Liga! Die anderen Vereine in Deutschland werden den FC Bayern nicht mehr einholen. Der spielt seit 20 Jahren in der Champions League. Wie sollen denn da Freiburg und Augsburg mithalten? Bayerns Vormachtstellung ist nicht zu verhindern und wird auf Jahre anhalten. Dortmund konnte als letzter Verein noch mithalten, aber das ist seit vergangener Saison vorbei.“

(Felix Magath, Interview Auszüge, Mallorca Zeitung, 28. November 2013)