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Sport und Medien


Veröffentlicht am 23. April 2014

„Wer wissen will, wie es um das Verhältnis zwischen Sport und Medien bestellt ist, darf beim Fußball nicht aufs Spielfeld schauen – ein Blick zur Pressetribüne gibt da mehr her: Samstagnachmittag, 17 Uhr, erste Bundesliga. Spitze Schreie und geballte Fäuste unter Journalisten, wenn »ihr« Verein endlich das 1:0 erzielt, dem Europacup ein wenig näher kommt und damit der ganze Tross den schönen, weiten Reisen. Madrid, Mailand, Manchester. Was dabei herauskommt, nennt man »1:0-Berichterstattung«. Flanke, Kopfball, Tor, Jubel allerorten. Diese Art von Journalismus ist noch die harmloseste Variante einer nicht mehr zu übersehenden Nähe zwischen Sportlern und Reportern, die Zeitungsleser – vor allem aber Fernsehzuschauer – immer häufiger enttäuscht, weil es bei mancher Sportübertragung schlimmer heimelt und tümelt als im Musikantenstadl. Viele Journalisten, hat der BBC-Reporter Declan Hill einmal geschrieben, klammerten sich einfach »verzweifelt an den Glauben, Sport sei eine Art Elysium, in dem Erwachsene wie Kinder spielen.“

(Henning Sußebach, Auszüge: „Von nun an per Sie“ in Die Zeit, 26. Januar 2006)